Wir Ostdeutsche - 30 Jahre im vereinten Land

"Ostdeutsche" - das klingt für die einen wie der eher ungeliebte Teil der wiedervereinten Deutschen, für die anderen wie Heimat und Identität. Was heißt es Ostdeutsche/r zu sein im 30. Jahr der deutschen Einheit, und was heißt das für das ganze Land?

Der Osten ist bis heute anders und die Ostdeutschen sind es auch. Wer verstehen will, wie der Osten heute tickt, muss verstehen, was die Menschen prägt, was sie erlebt, was sie gehofft und erfahren haben. Das Blühen ostdeutscher Landschaften folgt auf einen Sturm, der Spuren hinterlassen hat. Sich neu erfinden, neu beweisen ist zu einer kollektiven Erfahrung der Ostdeutschen geworden. 

MDR und rbb gehen mit dem gemeinsamen multimedialen Projekt "Wir Ostdeutsche" der ostdeutschen Seele auf den Grund. Wer sind die Menschen zwischen Elbe und Oder? Welche Sozialisationserfahrungen prägen die Generationen? Aber vor allem: Wie sehen sie sich selbst? 

Marieke Reimann
Marieke Reimann Bildrechte: rbb/Hoferichter & Jacobs

Ich bin ganz klar der Meinung, wenn eine Angela Merkel die Uckermarck so vor sich hergetragen würde, wie Horst Seehofer Bayern vor sich her trägt, ich glaube, dann hätten wir ein paar weniger Probleme.

Marieke Reimann

Erfahrungen, Erwartungen, Enttäuschungen, Hoffnungen und Chancen

Ostdeutsche zwischen Rostock und Chemnitz, zwischen Tangerhütte und Eberswalde, zwischen Ribnitz-Damgarten und Bischofferode erzählen von ihrem Leben im wiedervereinten Deutschland, von ihren Erwartungen und Enttäuschungen, von ihren Hoffnungen und Chancen. Wie berechtigt ist es, im Jahr 30 der Deutschen Einheit noch über die "Ostdeutschen” oder die "Westdeutschen” zu sprechen? Und welches sind die Schubladen, die bei der Frage noch immer zuerst aufgehen?

Meinungsstarke ostdeutsche Persönlichkeiten haben ihre ganz eigene Erfahrung mit dem "Ostdeutschsein" aufgeschrieben. - Wie erleben sie sich selbst als Ostdeutsche? Welchen Ressentiments sind sie vielleicht noch immer ausgesetzt oder macht es gar keinen Unterschied, ob Ost oder West? Wo verschwinden Grenzen und wo tun sich neue auf?

Eine Reise durch Jahrzehnte im vereinten Land und durch den Osten der Gegenwart

Das Projekt begibt sich auf eine doppelte Reise: durch die drei Jahrzehnte im vereinten Land und durch den Osten der Gegenwart. Zum Gesamtprojekt gehört eine begleitende Datenanalyse, die die Selbstwahrnehmung der Ostdeutschen mit umfangreichen Daten objektiviert. Die dort aufbereiteten statistischen Erhebungen beweisen, dass sich auch drei Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung erhebliche Unterschiede zwischen den Einstellungen, Wertemustern und Verhaltensweisen von Ost- und Westdeutschen feststellen lassen.

Die Themen des Ostens sind bis heute Abwanderung, das Lohngefälle, die Erfahrungen mit der Treuhand, die wirtschaftliche Situation und die politische Teilhabe:

Heidrun Katzorke
Heidrun Katzorke Bildrechte: rbb/Hoferichter & Jacobs

Ich habe neulich einen hübschen Ausspruch gehört. Wenn du einen Westdeutschen triffst und es ist nicht dein Verwandter. Dann ist entweder dein Vorgesetzter, dein Vermieter oder du stehst vor Gericht.

Heidrun Katzorke

Die Meinungen zum Thema "ostdeutsch sein" gehen weit auseinander. Umso wichtiger ist es im 30. Jahr der deutschen Einheit, sie auch zu thematisieren. Die Frage "Wie steht es um die deutsche Einheit?" hat an neuer Komplexität gewonnen.

Die TV Dokumentation "Wir Ostdeutsche – 30 Jahre im vereinten Land" ist im am Montag den 28. September um 20:15 Uhr im Ersten zu sehen und am 2.10. um 20.15 Uhr in MDR und rbb.

Autor und Regisseur: Lutz Pehnert
Produzent: Hoferichter & Jacobs, Olaf Jacobs
Redaktion: Jens Stubenrauch, rbb, Silke Heinz, MDR

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Wir Ostdeutsche - 30 Jahre im vereinten Land | 02. Oktober 2020 | 20:15 Uhr