Ein Landwirt pflügt ein staubtrockenes Feld in der Region Hannover.
Wenn es in den kommenden Jahren zunehmend trocken wird, müssen Landwirte ihre Felder vermehrt bewässern. Bildrechte: dpa

Klimawandel Droht uns der Streit ums Wasser?

Nach dem Dürresommer 2018 fehlt auch dieses Jahr der Regen. Das Umweltbundesamt befürchtet, dass sich in Zukunft verschiedene Nutzergruppen um wertvolle Wasservorräte streiten könnten - etwa die Trinkwasserversorger mit der Landwirtschaft.

von Kristin Kielon, MDR AKTUELL

Ein Landwirt pflügt ein staubtrockenes Feld in der Region Hannover.
Wenn es in den kommenden Jahren zunehmend trocken wird, müssen Landwirte ihre Felder vermehrt bewässern. Bildrechte: dpa

Unser Trinkwasser, das kommt aus dem Wasserhahn – ist doch klar. Aber so klar ist das nicht: In Dürrejahren wie 2018 schmelzen die Vorräte dahin. Der Niederschlag im Winter hat in Sachsen zwar die Talsperren wieder aufgefüllt, doch für das Defizit im Boden hat es nicht gereicht. Aus Sicht von Professor Martin Socher vom Sächsischen Umweltministerium befinde man sich im Moment in einer "komplizierteren hydrologischen Situation" als in den Vorjahren. Noch ist er aber nicht beunruhigt.

"Riesenthema" in den nächsten Jahren

Trotzdem gelten bereits im Raum Görlitz, Bautzen und Chemnitz sogenannte Allgemeinverfügungen: Dort darf nur Trinkwasser aus der Leitung genommen werden. Wer etwa den Garten bewässert, dem drohen Strafen. Die größeren Sorgen bereitet Experten aber die Landwirtschaft. Deren Wasserbedarf wird bei anhaltenden Dürreperioden steigen müssen, sagt Professor Dietrich Borchardt vom Umweltforschungszentrum in Magdeburg.

Wenn die Klimaszenarien real würden, "dann ist das schon ein Riesenthema" meint Borchardt. Ihm zufolge gibt es Szenarien, dass in 30 Jahren 30 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche bewässert werden müssen - statt wie bisher drei Prozent.

Viele Wassernutzer

Die Konkurrenz ums Wasser sei zwar jetzt noch nicht akut - was aber, wenn vier trockene Jahre aufeinanderfolgen? Eine Antwort darauf hat auch Wasserexperte Borchardt nicht. Und das beunruhigt Karsten Specht. Der Vizepräsident des Verbands Kommunaler Unternehmen fordert von der Politik die klare Aussage, dass die Trinkwasserversorgung an erster Stelle steht. Er erhalte Rückmeldungen von vielen Kollegen der Wasserversorger, dass die Branche zur Seite gedrückt würde und die Belange von anderen Nutzungsarten schon fast wichtiger seien als die der Trinkwasserversorgung.

So sei es etwa schwer für die Wasserversorger, zusätzliche Wasserrechte zu bekommen. Specht will aber kein Gegeneinander mit anderen Nutzern wie der Landwirtschaft, sagt er. Viel lieber möchte er mit allen Parteien an einen Tisch – allein schon deshalb, weil es an genauen Daten über wirklich alle Eingriffe ins Grundwasser fehle.

Wasserversorgung auch in Trockengebieten

Diesen Dialog wünscht sich auch Bernhard Krüsken, Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes. Auch er klagt über die Vergabe der Wasserentnahme-Rechte. Im vergangenen Dürrejahr seien die bei den Bauern sogar gekürzt worden. Generell sieht er keinen extrem steigenden Wasserbedarf.

Für die großen Agrarbetriebe sei eine flächendeckende Beregnung viel zu teuer. Das betreffe eher sogenannte Sonderkulturen wie Obst oder Wein. Dennoch müsse man sich Krüsken zufolge perspektivisch darauf vorbereiten: "Wenn wir jetzt Trockengebiete wie beispielsweise das Erfurter Becken haben, da muss man sich dann schon Gedanken machen, ob wir nicht die Wasserversorgungsinfrastruktur ausbauen und anpassen müssen."

Genau das machen die kommunalen Wasserversorger bereits: Bundesweit werden die Wasserwerke derzeit auf eine größere Belastung ausgerichtet, sagt Specht. Aber das reiche eben nicht aus. Es müssten sich jetzt alle Beteiligten auf die Herausforderungen der Zukunft vorbereiten.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 08. Juli 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. Juli 2019, 05:00 Uhr

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18 Kommentare

09.07.2019 21:26 Morchelchen 18

Da wollen wir nur alle tüchtig die Daumen drücken, dass es diese Woche noch ordentlich regnen wird. Und auch der diesjährige Herbst sich von der nassen Seite zeigt. Ansonsten müssen wir befürchten, dass nach der Öko-Steuer eine Trockenheitsumlage erhoben wird. Denn letztendlich profitiert der Staat mit Mehreinnahmen davon. Denn nach dem wochenlagen Wehklagen durch junge Mitmenschen, Prominenz und Medien hinsichtlich der Befürchtung der klimatischen Apokalypse, traue ich unseren Führungsparteien zu, dass die sich in der weltweiten Vorbildrolle überschlagen wollen und wir bald mit enormen finanziellen Belastungen rechnen müssen.

08.07.2019 17:02 Eulenspiegel 17

Ich denke wir werden es in Zukunft viel öfter mit Extremwetterlagen zu tun haben. Das heißt extreme Dürregefahren und sintflutartige Regenfälle. Wie können es uns in Zukunft nicht mehr leisten das Wasser bei sintflutartigen Regenfällen einfach abzuleiten. Wir benötigen jede Menge Regenrückhaltebecken und natürlich auch eine ganze Reihe Stauseen.

08.07.2019 14:40 Peter 16

@13 ewa: Kleine, aber wichtige Korrektur: Der Zwenkauer See ist natürlich 10 Quadratkilometer groß.

08.07.2019 14:36 Peter 15

@13 ewa: Ich darf Ihnen nochmals widersprechen. Alle Leipziger können sich noch gut an das Elster-Hochwasser von 2013 erinnern. Die Stadt ist nur ganz knapp einer Katastrophe entgangen. Mitursächlich war die Begradigung des Flusslaufes zu DDR-Zeiten. Zum Glück war zu diesem Zeitpunkt der Überlauf zum Zwenkauer See fertiggestellt und das Hochwasser konnte nach dort abgeleitet werden. Der Pegel des 10 Hektar großen Sees stieg damals um 2,50 Meter.

08.07.2019 14:35 Sr.Raul 14

Nun, @13 (ewa), dass dieses sicher nicht das Hauptkriterium darstellt, sehen wir ja an der sehr naturbelassenen Elbe. Vor allem in MD aktuell. Kommt kein Zufluss durch Niederschläge, Schneeschmelzen etc. pp., sind irgendwann die Quellen mit der Wasserspeisung am Ende. Und da dürfte es weitgehend unerheblich sein, ob ein Fluss nun begradigt ist oder nicht. Wobei Ihr Argument mit den Auenlandschaften sicher nicht verkehrt ist, nutzt eben aber auf lange Dauer auch nicht wirklich.

08.07.2019 13:58 ewa 13

Die Weiße Elster mit Verlaub ist ja wohl kein Vergleich zu Rhein, Saar Donau usw. . Hier hat man massiv in die Flussläufe eingegriffen. Das Wasser fließt schneller, wird nicht in den natürlichen Auenlandschaften zurückgehalten. Versickert also auch nicht wie vorher im Boden.
Bebauung reicht bis an die Ufer. Und was die Talsperren betrifft, ich habe nachgesehen und muss mich korrigieren. Wenn ich richtig gezählt habe gibt in Deutschland 43 reine Trinkwassertalsperren. Davon wurden nach dem Krieg 8 in den alten Bundesländern und 14 in der ehemaligen DDR gebaut. Alle anderen sind Vorkriegsbauten. Mischwassersperren habe ich nicht gezählt.

08.07.2019 12:53 Peter 12

@11 ewa: Sie irren. Siehe wikipedia: Liste von Talsperren in Deutschland.
Also, bitte erst informieren, dann schreiben.
Und noch was: Flußbegradigungen und Zerstörung von Auelandschaften gab es auch im Osten. Siehe Weiße Elster südlich von Leipzig wegen des Braunkohletagebaus.

08.07.2019 11:35 ewa 11

Hier im Osten hat man Dank der DDR Talsperren und Rückhaltebecken. Für den Westen fällt mir keine Talsperre ein, die nach 1945 neu gebaut wurde. Dort hatte die Flussbegradigung, die Zerstörung der Auenlandschaften und die Versiegelung von Flächen Vorrang. Jetzt jammert man weil das Wasser knapp wird. Alles hausgemacht.

08.07.2019 10:07 optinator 10

Es sollte ein "Wassercent" eingeführt werden.
- Sarkasmus -
Ist doch Methode in D, so etwas zu erheben, ohne jegliche Kompetenz um Weg zu finden, die ein Teil einer Lösung von Problemen wären.

Es kommen Zeiten, da merkt der Mensch das man kein Geld Trinken oder Essen kann.

08.07.2019 10:05 Mediator an Lilly (1) 9

Liebe Lilly,

die AfD hat sich was das Thema Klimawandel angeht mit ihren Ansichten, die wissenschaftlich allesamt wiederlegt sind, eigentlich nur lächerlich gemacht. Selbst ein Herr Gauland muss inzwischen vorsichtig den menschengemachten Klimawandel und daraus folgernd die Erfolgschancen von Gegenmaßnahmen vorsichtig einräumen.

Realistisch ist an den Einschätzungen der AfD übrigens gar nichts. Ähnlich wie bei jeder Deabatte um Langzeitfolgen einer Entwicklung kann man sich kurz und mittelfristig dumm stellen und das Langezitergebnis negieren. Das können sie analog zum Rauchen sehen, bei dem man auch jahrzehntelang eine Diskussion aufrecht erhalten hat, ob dies schädlich sei. Auch damals ging es nicht um einen wissenschaftlichen Dissens, sondern darum wirtschaftliche Profite noch ein paar Jahrzehnte auf Kosten der Konsumenten einfahren zu können. Das passt zur neoliberalen AfD ohne Zukunftsvisionen und Umweltverantwortung.