Rechtsextreme Terrorzelle Hinweise auf weitere Anschläge

Offenbar gehen weitere Anschläge auf das Konto der rechtsextremen Terroristen aus Zwickau. Das teilte der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger am Montag mit. Die Analyse der Bekenner-DVD gebe Hinweise auf einen Sprengstoffanschlag auf ein Kölner Lebensmittelgeschäft im Januar 2001, der bislang nicht aufgeklärt werden konnte. Dabei war eine damals 19-jährige Deutsch-Iranerin schwer verletzt worden.

Führen die Spuren auch nach Düsseldorf und Döbeln?

Zudem gibt es Vermutungen, dass auch ein Anschlag auf einen S-Bahnhof in Düsseldorf im Juli 2000 auf das Konto der Terrorgruppe "Nationalsozialistischer Untergrund" gehen könnte. Dabei waren zehn Aussiedler verletzt worden. Die Mehrzahl von ihnen war jüdischen Glaubens. Mögliche Verbindungen werden momentan noch geprüft. Ebenso wie ein Zusammenhang zu einem tödlichen Anschlag im sächsischen Döbeln. Dort war am 1. November der Betreiber eines Bistros namens "Aladin" von einem maskierten Mann erschossen worden.

Auch der Anschlag auf den früheren Passauer Polizeichef Alois Mannichl soll möglicherweise neu untersucht werden. Ein Sprecher des bayerischen Landeskriminalamtes sagte, man stelle sich darauf ein, Verbindungen des Falles zu der Mordserie zu prüfen. Mannichl war im Dezember 2008 an seiner Wohnhaustür niedergestochen und schwer verletzt worden. Die Tat ist bis heute nicht aufgeklärt, hinter ihr wurde jedoch der Racheakt eines Neonazis vermutet, weil Mannichl mit seinen Beamten mehrfach gegen Aufmärsche von Rechtsetremen vorgegangen war.

Auf das Konto der Terror-Zelle gehen nach bisherigen Erkenntnissen der Polizistenmord in Heilbronn, die Morde an neun ausländischen Geschäftsleuten und vermutlich auch ein Nagelbomben-Anschlag in Köln.

Was wusste der Verfassungsschutz?

In einen der Anschläge war offenbar auch ein Beamter des hessischen Verfassungsschutzes stärker involviert gewesen, als bisher bekannt. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtet in ihrer Dienstagsausgabe, dass sich der Verfassungsschützer entgegen bisheriger Annahmen zum Zeitpunkt des Mordes an einem Internet-Café-Betreiber in Kassel im April 2006 am Tatort aufgehalten haben soll. Die Zeitung beruft sich dabei auf Sicherheitskreise in Wiesbaden. Der Verfassungsschützer soll inzwischen vom Dienst suspendiert sein. Die Kasseler Staatsanwaltschaft hatte bereits gegen den Mann ermittelt, aber keinen Tatzusammenhang nachweisen können. Bisher war man davon ausgegangen, dass der Verfassungsschützer das Café etwa eine Minute vor der Tat verlassen hat.

Der sächsische Verfassungsschutz hat hingegen jegliche Verbindungen zu dem Zwickauer Trio dementiert. Innenminister Markus Ulbig sagte MDR 1 RADIO SACHSEN, Behördenchef Reinhard Boos habe ihm gegenüber erklärt, dass sein Haus in keiner Weise mit den Terrorverdächtigen aus Zwickau zusammengearbeitet habe. Zudem sei nichts über den Aufenthaltsort des Trios bekannt gewesen.

BGH erlässt Haftbefehl gegen Holger G.

Am Montagabend ist auch gegen das vierte mutmaßliche Mitglied der Terrorgruppe "Nationalsozialistischer Untergrund" Haftbefehl erlassen worden. Der Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs in Karlsruhe gab dem Antrag der Bundesanwaltschaft wegen Verdachts der Unterstützung einer terroristischen Vereinigung statt. Der 37-Jährige Holger G. war am Sonntag in der Nähe von Hannover festgenommen worden. Er soll sich 2007 der terroristischen Organisation angeschlossen haben. Nach Informationen von MDR Thüringen wurde bereits in den 90er Jahren gegen Holger G. in Thüringen ermittelt. Er wurde verdächtigt, 1997 an der Versendung von Briefbombenattrappen in Jena beteiligt gewesen zu sein. Die Briefe waren an die Jenaer Stadtverwaltung, die Polizei und die "Thüringische Landeszeitung" gegangen. Die Ermittlungen wurden eingestellt, da sich kein hinreichender Tatverdacht ergeben hatte.

Zuvor hatte der Bundesgerichtshof die Vorwürfe gegen die Rechtsextremistin Beate Z. ausgeweitet. Die Richter erließen Haftbefehl wegen des dringenden Verdachts der Gründung und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung. Laut Bundesanwaltschaft war das Ziel der Gruppe, vor allem Mitbürger ausländischer Herkunft zu töten. Dahinter stehe offensichtlich eine fremden- und staatsfeindliche Gesinnung. Außerdem soll die 36-Jährige die Zwickauer Wohnung ihrer beiden Komplizen in Brand gesetzt haben, um Beweismittel zu vernichten.

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1 Kommentar

14.11.2011 19:37 Reiner202 1

Der Verfassungsschutz ist eine Gesellschaft,die Steuergeld bekommen,
und nicht wissen wo für.Sie sind bestechlich,und nicht Verfassungstreu.