Gedenken an Opfer rechtsextremistischer Gewalt Merkel bittet Angehörige um Verzeihung

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die sich bei den Angehörigen der Opfer der rechtsextremen Mordserie entschuldigt. Merkel sagte in der zentralen Gedenkveranstaltung in Berlin, es sei besonders beklemmend, dass Angehörige der Opfer zu Unrecht unter Verdacht gestanden hätten. "Dafür bitte ich Sie um Verzeihung" sagte Merkel, die die Hauptrede bei der Gedenkfeier hielt. Hintergrund ist, dass die Ermittler während der Mordserie zunächst in einigen Fällen von Straftaten im Drogen-Milieu ausgegangen waren und Ermordete und Angehörige verdächtigt hatten, darin verstrickt zu sein.

Merkel: "Morde waren ein Anschlag auf unser Land"

Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht im Konzerthaus in Berlin bei der zentralen Gedenkveranstaltung für die Opfer der rechtsextremistischen Gewalt.
Merkel: "Die Morde sind eine Schande für unser Land." Bildrechte: Michael Gottschalk/dapd

Außerdem versprach die CDU-Chefin ein entschlossenes Eintreten des Staates gegen Rechtsextremismus und Gewalt. Zudem versicherte sie den Angehörigen, dass alles getan werde, um die Morde aufzuklären und die Täter ihrer gerechten Strafe zuzuführen. Es gelte nun, alles zu tun, damit sich so etwas nie wieder wiederholen kann. Erste Weichen für eine bessere Zusammenarbeit der Behörden würden bereits gestellt. Gegen die Verantwortlichen kündigte sie ein entschlossenes Vorgehen an. Überall, wo an den Grundfesten der Menschlichkeit gerüttelt werde, sei Toleranz fehl am Platz. "Die Morde der Thüringer Terrorzelle waren auch ein Anschlag auf unser Land. Sie sind eine Schande für unser Land." Gefährlich seien aber nicht nur Extremisten, warnte Merkel. Oft stünden Gleichgültigkeit und Unachtsamkeit am Anfang eines Prozesses einer schleichenden Verrohung. "Aus Worten könnten Taten werden", mahnte die Kanzlerin. Daher müsse der Kampf gegen Vorurteile, Verachtung und Ausgrenzung täglich geführt werden.

Schweigeminuten für die Opfer

Zu Beginn ihrer Rede bei der Gedenkfeier für die neun ermordeten Kleinunternehmer türkischer und griechischer Herkunft sowie für eine deutsche Polizeibeamtin verlas Merkel die Namen der Getöteten und bat um schweigendes Gedenken. Außerdem wurde im Bundestag und in den Landtagen mit einer Schweigeminute an die Opfer rechtsterroristischer Gewalt erinnert. Dabei geht es in erster Linie um die zehn Opfer einer Mordserie, für die das mutmaßliche rechtsextreme Terror-Trio Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe verantwortlich sein soll. Die aus Jena stammenden Rechtsextremisten waren 1998 untergetaucht und hatten jahrelang in Zwickau gelebt. Sie sollen in den Jahren 2000 bis 2006 neun Gewerbetreibende türkischer beziehungsweise griechischer Herkunft sowie im Jahr 2007 eine aus Thüringen stammende Polizistin ermordet haben.

Angehöriger verzichtet auf Entschädigung

Während der Gedenkfeier kamen auch Angehörige der Opfer zu Wort. So äußerte sich Ismail Yozgat, Vater des im April 2006 in Kassel getöteten 21-jährigen Halit Yozgat. Yozgat dankte für die Einladung zu der Gedenkfeier und kündigte an, auf die finanzielle Entschädigung zu verzichten. Stattdessen verlangte er seelischen Beistand. Er wünsche sich, dass alle Mörder sowie Hintermänner und Helfershelfer gefasst würden und dass die Straße, in der sein Sohn ermordet wurde, nach diesem benannt werde.

Rund 100 Zwickauer bei Gedenkminute

Parteien, Kirchen, Gewerkschaften und verschiedene Organisationen hatten zudem zu einer bundesweiten Schweigeminute für den Mittag aufgerufen. Dafür unterbrachen auch die Landtage von Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt ihre laufenden Debatten. So beteiligten sich unter anderem 100 Zwickauer an dem stillen Gedenken. Vertreter von Stadt, Kirchen und Gewerkschaften sowie Einwohner versammelten sich vor dem Rathaus zu einer Gedenkminute. Busse und Bahnen standen eine Minute lang still, außerdem wurden im VW-Werk in Mosel die Bänder angehalten. Ähnliche Veranstaltungen gab es in Aue, Chemnitz, Leipzig und Bautzen. In Sachsen und Thüringen wurde für den Donnerstag Trauerbeflaggung für öffentliche Gebäude angeordnet. Auch in zahlreichen anderen deutschen Städten blieben Busse, Straßenbahnen, U-Bahnen und S-Bahnen um zwölf für eine Minute an den Haltestellen stehen.

Aktuelle Meldungen

Der Vorsitzende der Ministerpräsidentenkonferenz, Hendrik Wüst, bei einer Pressekonferenz 1 min
Hendrik Wüst (CDU), Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz: "Wir brauchen einen Akt der nationalen Solidarität." Bildrechte: Bundespressekonferenz