Pannenserie erreicht Berliner Behörden Mutmußlicher NSU-Helfer soll V-Mann gewesen sein

Die Pannenserie bei den Ermittlungen zum rechtsextremen Terrortrio NSU hat jetzt hat auch die Berliner Behörden erreicht. Der Vorsitzende des Untersuchungsausschusses des Bundestages, Sebastian Edathy, sagte, ein mutmaßlicher Helfer der Terrorgruppe soll zehn Jahre lang V-Mann der Berliner Polizei gewesen sein.

Informationen geliefert und Sprengstoff besorgt

Nach Informationen von "Spiegel online" und "Süddeutscher Zeitung" soll Thomas S. von Ende 2000 bis 2011 als Quelle für das Landeskriminalamt aktiv gewesen sein. Bei mindestens fünf Treffen habe er seinen V-Mann-Führern Hinweise auf die untergetauchten Rechtsterroristen Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt gegeben.

Der heute 44-Jährige gehöre zu 13 Beschuldigten, gegen die der Generalbundesanwalt im Zusammenhang mit der Aufklärung der rechten Mordserie ermittelt. Bei seinen Vernehmungen habe er eingeräumt, in den 1990er-Jahren dem Trio rund ein Kilogramm Sprengstoff besorgt zu haben.

Berliner Innensenatoren unter Druck

Der Bundestagsausschuss hatte erst am Donnerstag von der Tätigkeit des mutmaßlichen V-Manns und NSU-Helfer erfahren. Berlins Innensenator Frank Henkel versprach nun rasche Aufklärung, geriet dabei aber selbst unter Druck. Der CDU-Politiker hatte angegeben, von dem Fall überrascht worden zu sein. Nun gibt es aber Hinweise, dass der Senator bereits seit diesem Frühjahr von Thomas S. und seiner V-Tätigkeit wusste. Der Untersuchungsausschuss hatte zweimal konkret nachgefragt, auch nach Thomas S., aber keine Aufklärung bekommen. Nun werden er und Henkels Vorgänger Ehrhart Körting vor dem Untersuchungsausschuss Auskunft geben müssen.

Vier Geheimdienstchefs mussten bereits gehen

Wegen Aktenpannen im NSU-Fall mussten bereits vier Geheimdienstchefs ihren Posten räumen. Am Donnerstag nahm der Chef des Landesverfassungsschutzes von Sachsen-Anhalt, Volker Limburg, seinen Hut. Seine Mitarbeiter hatten eine verschwunden geglaubte Akte des Militärischen Abschirmdienstes übersehen. Anfang Juli hatte der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Heinz Fromm, seinen Rücktritt eingereicht. Zuvor war bekannt geworden, dass seine Behörde Akten zur Thüringer Neonaziszene noch nach dem Auffliegen des Terror-Trios vernichtet hatte.

Nur einen Tag nach Fromms Rücktritt erwischte es den Thüringer Verfassungsschutz-Chef, Thomas Sippel. Er wurde in den Ruhestand versetzt, weil er immer wieder Informationen zum Terrotrio zurückgehalten hatte. Mitte Juli musste auch der Präsident des sächsischen Verfassungsschutzes, Reinhard Boos, gehen. Ihm wurden brisante Telefonprotokolle zum Verhängnis, die per Zufall aufgetaucht waren.

Zuletzt aktualisiert: 14. September 2012, 20:45 Uhr

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1 Kommentar

16.09.2012 16:51 c 1

Pannen? Höchstens Verdunklungspannen gegen den Brötchenherren
und gegen das Grubdgesetz, so könnte man das nennen. Wann ist
finito damit? Das sind Gelder die für eine Solidargrundrente genutzt werden könnten...