Operation "Terzett" Sächsischer Verfassungsschutz war dicht an NSU dran

Der Verfassungsschutz hat die Neonazi-Terrorzelle NSU und ihr Umfeld angeblich zehn Jahre lang beobachtet und schon früh Erkenntnisse über ihre Gefährlichkeit gehabt. Das berichtet die Zeitung "Die Welt" unter Berufung auf Geheimakten der Operation "Terzett", eine bereits im Mai 2000 begonnene Abhöraktion gegen Rechtsextremisten, die erst im November 2010 abgeschlossen worden sei.

Schon früh Gefährlichkeit des NSU erkannt

Den Dokumenten zufolge ist zumindest in dem Antrag zu der Überwachung eine überraschend genaue Einschätzung geliefert worden. Die Zeitung zitiert dazu in ihrem Bericht aus den Unterlagen: "Die Betroffenen stehen im Verdacht, Mitglieder einer Vereinigung zum Begehen von Straftaten gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung und schwerer rechtsextremistischer Straftaten zu sein und drei flüchtige Straftäter in der Illegalität zu unterstützen."

Demnach gab es diese Erkenntnisse schon vor dem Beginn der Mordserie des NSU. Die Maßnahme habe sich gegen Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe gerichtet sowie gegen die drei mutmaßlichen Helfer Thomas S., Mandy S. und Jan W. Zudem sei der ehemalige Musikproduzent Andreas G. beobachtet worden.

Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt sollten informiert werden

Laut "Welt" belegen die Dokumente, dass die Verfassungsschützer über Jahre hinweg wiederholt Anhaltspunkte für ihren Verdacht sahen. So hätten sie etwa 2006 die vorgeschriebene Benachrichtigung der Abgehörten abgelehnt, um die Ermittlungen nicht zu gefährden. Doch 2009 gaben sie auf. Es sei jetzt keine Gefährdung mehr zu erwarten, habe der Verfassungsschutz dann im Mai 2009 geschrieben: Sinn und Zweck sei "durch Verjährung nicht mehr gegeben".

Im Oktober 2009 seien die vier mutmaßlichen Unterstützer über die neun Jahre zurückliegende Abhörmaßnahme informiert worden. Auch Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt sollten benachrichtigt werden, hieß es, weshalb die sächsischen Verfassungsschützer bei anderen Landesämtern und dem Bundesamt um Feststellung der Aufenthaltsorte baten – ohne Erfolg, denn das Trio war abgetaucht. Die Abhörmaßnahme "Terzett" war damit abgeschlossen.

Das Trio flog schließlich im November 2011 nach einem Banküberfall in Eisenach auf. Böhnhardt und Mundlos wurden erschossen aufgefunden. Nach einer Explosion im Unterschlupf des Trios in Zwickau stellte sich Zschäpe der Polizei und sitzt seitdem in U-Haft. Dem NSU werden neun Morde an Migranten in den Jahren 2000 bis 2006 zur Last gelegt sowie die Ermordung einer Polizistin im Jahr 2007. Im Bundestag sowie in den Landtagen in Sachsen, Thüringen und Bayern versuchen derzeit Untersuchungsausschüsse, die Pannen bei den Ermittlungen zu klären.

Prozess gegen Zschäpe könnte im Herbst beginnen

Unterdessen wird gemeldet, dass der Prozess gegen Zschäpe in München stattfinden soll. Wie bild.de berichtet, gehe das Verfahren nach Bayern, unter anderem weil fünf der zehn Morde dort verübt worden seien. Die Verhandlung soll spätestens im Februar beginnen. Dies bestätigte die Bundesanwaltschaft zunächst nicht. Man wolle aber die erste Anklage noch im Herbst fertigstellen, teilte eine Sprecherin mit. Laut bild.de wird dafür der 13. November angepeilt - der Jahrestag des Haftbefehls gegen Zschäpe.

Aktuelle Meldungen