NSU-Prozess in München Möglicher Zeuge vom ersten Mord sagt aus

Im NSU-Prozess hat das Oberlandesgericht München die Beweisaufnahme zum mutmaßliche ersten Mord des rechten Terrortrios fortgesetzt. Dabei wurde am Dienstag ein Zeuge befragt, der den Mord an dem Blumenhändler Enver Simsek 2000 in Nürnberg offenbar teilweise beobachten konnte. Der Elektroingenieur schilderte, dass er am 9. September harte metallisch klingende Schläge gehört hatte, als er mit seinem Auto an dem Lieferwagen des Blumenhändlers vorbeigefahren war. Kurz darauf seien zwei Männer in Radlerkleidung vom Lieferwagen weggegangen. Er habe sich gewundert, weil keine Räder in der Nähe zu sehen gewesen seien. Aber, so erklärte der Zeuge, er habe die Situation damals nicht einordnen können.

Schon 2007 zu den Tätern befragt

Die Männer seien etwa 20 Jahre alt gewesen und hätten kurze Haare getragen. Der Zeuge hatte bereits 2007 im Zusammenhang mit dem Nagelbombenanschlag in Köln 2004 Videoaufnahmen von Überwachungskameras gesehen, die Personen aber nicht wiedererkannt. Heute gilt als sicher, dass es sich jeweils um Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt gehandelt hat.

Laut Anklage feuerten Mundlos und Böhnhardt in Nürnberg insgesamt neun Mal auf den damals 38-jährigen Simsek. Dann fotografierten sie ihr Opfer und schlossen den Laderaum des Wagens. Enver Simsek starb zwei Tage später im Krankenhaus an seinen Verletzungen.

Zschäpe als Mittäterin angeklagt

Mundlos und Böhnhardt sollen alle zehn Morde des Terrortrios begangen haben. Beide hatten Selbstmord begangen kurz bevor das Trio aufflog. Zschäpe ist in allen Fällen als Mittäterin angeklagt. Außerdem wird ihr Brandstiftung in der Zwickauer Wohnung vorgeworfen.

Gericht gewährt André E. keine Ausnahmen

Der mutmaßliche Helfer des Trios, André E., muss auch weiterhin an allen Verhandlungstagen teilnehmen. Das Gericht lehnte einen Antrag seines Anwaltes ab, nur dann am Prozess teilzunehmen, wenn konkret zu seiner Person verhandelt wird. Es könnten jederzeit Umstände eintreten, die ihn mittelbar betreffen, hieß es in der Ablehnung des Gerichtes.

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