Nah dran - Die Reportage | 15.11.2018 Wie viel soll ich dem Bettler geben?

Bettler gehören zum Bild einer jeden größeren Stadt in Deutschland. Aber wem sollen wir etwas geben? Und wie viel? Philipp Engel begibt sich in die "Bettel-Zonen" der Innenstädte und spricht mit Bettlern, Passanten und Spendensammlern. Der Film ist ein Beitrag im Rahmen der ARD-Themenwoche Gerechtigkeit.

Gerade in der Vorweihnachtszeit bitten an jeder zweiten Straßenecke Obdachlose und verarmte Menschen um Kleingeld. Doch nicht nur Bettler, Drogenabhängige und Obdachlose wollen finanzielle Zuwendungen, auch diverse gemeinnützige Organisationen halten uns mit erwartungsvollem Blick die Spendenbüchse unter die Nase. Das kann auch nerven. Oft schauen wir deshalb höflich weg und gehen mit schlechtem Gewissen weiter. Wir können schließlich nicht mit jedem teilen. Aber wem sollen wir etwas geben? Und wie viel? Warum genießen Almosen eigentlich in allen großen Religionen und Philosophien einen so hohen Stellenwert?

"Zedek bedeutet Gerechtigkeit"

In einer Hamburger Synagoge erklärt der Landesrabbiner Shlomo Bistritzky, dass  "Schnorren" - ein jiddisches Wort – gar nichts Schlechtes bedeutet. Aus jüdischer Sicht ermöglicht der Bedürftige dem Gläubigen eine religiöse Pflicht zu erfüllen: die Zedaka. Ein Zehntel ihres Besitzes sollen Juden spenden. Doch es ist nicht nur Geld gemeint, was gespendet werden kann:

Wohltätigkeit ist nicht immer nur Geld, man kann auch Zeit spenden oder seinen Beruf. Es ist einfach Gutes zu tun, mit dem Gedanken, Gott hat Dinge verteilt, damit die Leute gerecht sind. Dieses Wort Zedaka kommt von Zedek, Zedek bedeutet Gerechtigkeit.

Shlomo Bistritzky
Wie viel soll ich dem Bettler geben
Christian Hirschmann bedient Bedürftige Bildrechte: HR, MDR

Auch Christian Hirschmann schenkt Zeit. Er möchte sich ganz bewusst mit der Armut in seiner Stadt auseinandersetzen. Der Pilot arbeitet etwa zweimal im Monat im Franziskustreff in Frankfurt/Main und versorgt Obdachlose, Hartz-IV-Empfänger und arme Rentner mit einem Frühstück.

Ich bin auf der ganzen Welt unterwegs in schönen Hotels, immer gutes Essen. Das ist auch so ein bisschen Jet-Set-Leben. Obwohl es zwar Arbeit ist, ist es auch an sich ein schönes Leben. Und wenn man hierherkommt und das Leben so sieht wie es ist, oder wie es sein kann, dann holt es einen auch wirklich vom Fliegen auf die Erde zurück und man ist dann auch wieder dankbar für die Dinge, über die man sich vielleicht im Alltag beschwert.

Christian Hirschmann

Doch ist es trotz aller Bereitschaft zu helfen auch in Ordnung, wenn wir Bettler bisweilen als "nervig" empfinden oder gar verscheuchen? Und wann kann ich mit gutem Gewissen sagen: "Ich habe genug gegeben!"

Wie viel soll ich dem Bettler geben
Bildrechte: HR, MDR

Zuletzt aktualisiert: 19. November 2018, 12:46 Uhr

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