Nah dran | 26.11.2020 Kinobetreiberin: "Die Kunst ist, weiterzumachen"

Die Kinos sind geschlossen. Überall. Keiner darf kommen. Der Grund ist der Teil-Lockdown wegen der Corona-Pandemie. Was macht eine, die ihre eigene und die Existenz anderer mit vier Kinos in Kleinstädten aufgebaut hat, nun aber nicht mehr arbeiten kann?

Zwei Frauen sind durch ein Fenster in einem Kino zu sehen
Katharina Repp (links) vermisst politische Aufmerksamkeit während des Lockdowns. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Dieses Jahr ist es so schlimm, dass ich nicht mehr richtig schlafen kann. Trotzdem bleibe ich dabei: Leute, wir schaffen das irgendwie.

Katharina Repp Kinobetreiberin

Katharina Repp ist gelernte Werkzeugmacherin und seit 2011 Kinobesitzerin. Angefangen hat alles in Schwarzenberg. Jetzt managt die alleinerziehende Mutter vier Kinos im Erzgebirge und im Vogtland. Innerhalb von neun Jahren hat sie es geschafft, die Lichtspiele in den Kleinstädten wieder auf die Beine zu bringen. Zum Beispiel mit einem Facebook-Adventskalender.

Kino in der Provinz funktioniert

Ein Mann und eine Frau drehen ein Video weihnachtlich geschmückt
Mit Kollege Michael Günther dreht die Kinobetreiberin einen facebook-Adventskalender. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Den Adventskalender wird auch in diesem Jahr wieder geben, trotz des Teil-Lockdowns wegen der Corona-Pandemie. In kurzen Videos kündigt Katharina Repp mit ihren Mitarbeitern Filme an, verlost Kinokarten und DVDs. Die Adventskalender gibt es zum Beispiel für die beiden Kinos in Schwarzenberg und in Auerbach. Die 33-Jährige hofft, damit ihr Publikum bei Laune zu halten. Vorfreude auf den Neustart wecken und ein Dankeschön senden an diejenigen, die ihnen treu sind – darum geht’s.

Denn Katharina Repp trägt die Verantwortung für vier Festangestellte und Saisonkräfte. Mit Risikobereitschaft, kaufmännischem Geschick und unkonventionellen Aktionen hat sie bewiesen, dass das Kino auch in der Provinz funktioniert.

Politische Unterstützung fehlt

In der Pandemie vermissen sie und ihr Team Aufmerksamkeit. Ihnen bleibt der Eindruck, dass ihre Arbeit von Politikern zu wenig wertgeschätzt wird. Nach dem ersten Lockdown haben die Leute wieder Kinos besucht. Doch das habe sich mit dem derzeitigen "Lockdown light" erledigt, sagt die Kinobetreiberin: "Ich glaube, das ist auch psychisch einfach schlimm für meine Leute. Immerhin, wenn der eine mal schlecht drauf ist, baut ihn der andere wieder auf. Aber du musst das wirklich mit Herz machen."

Das heruntergekommene Lichtspielhaus in Auerbach im Vogtland hat Katharina Repp erst im Januar 2020 übernommen. Aber nicht zu wissen, ob neue Filme anlaufen und wann Kinos überhaupt wieder öffnen dürfen, blockiert die weitere Planung.

Blick auf die Semperoper. Davor stehten eine riesige leere Bühne und hunderte leere Stühle. Damit protestieren Künstler, Mitarbeiter der Veranstaltungsbranche, Techniker und Caterer für staatliche Hilfen in der Krise. Sie fühlen sich vergessen und nicht unterstützt. 138 min
Bildrechte: Florian Glatter

Den Lockdown pragmatisch überbrücken

Mit Theaterleiterin Sylvie hat sie die Zeit pragmatisch überbrückt und das Haus in Auerbach erst mal auf Vordermann gebracht: Die Säle geputzt und mit wenigen Mitteln einiges verändert. Die Stadt unterstützt die junge Betreiberin. Doch ohne Einnahmen und Kredite wird sie das Kino nicht halten können. Zurzeit flimmert der Projektor einmal pro Woche – ins Leere. "Zum ersten Lockdown haben wir E-Mails bekommen: Bitte schaltet einmal in der Woche die Projektoren an, damit die Batterien funktionieren. Es wusste ja keiner, was passiert. Noch nie stand ein Kino so lange still", erzählt Katharina Repp.

Es gibt Stimmen, die prophezeien, dass sich kleine Kinos wie die von Katharina Repp nicht erholen werden. Doch sie hat keine Angst: "In jedem Moment, in dem du dich befindest, kommt jemand und will helfen oder hat eine Idee. Wollen wir aufgeben? Aufgeben kann man schnell. Aber die Kunst ist, weiterzumachen."

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Nah dran | 26. November 2020 | 22:50 Uhr