Jenny Rasche
Bildrechte: MDR/WDR/Werkblende

Nah dran | 04.04.2019 Jenny und die vergessenen Roma-Kinder

Seit über zehn Jahren engagiert sich Jenny Rasche im rumänischen Sibiu für Roma-Kinder, die mit ihren Familien verarmt am Stadtrand leben. Was hat sie bisher erreicht? Die Dokumentation erzählt die Geschichte einer Frau, die für ein besseres Leben der Roma-Kinder, für weniger Leid, für Gerechtigkeit und Chancengleichheit kämpft.

Jenny Rasche
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Jenny Rasche begleitet 2007 einen deutschen Hilfstransport auf den Balkan und kommt auch nach Sibiu (Hermannstadt) in Rumänien. In Sura Mare, einem kleinen Dorf nahe der Stadt, entdeckt sie zufällig 20 verarmte Roma-Familien in verfallenen Hütten. Die Kinder sind unterernährt, Babys schweben in Lebensgefahr. Es gibt weder Strom noch fließend Wasser. So viel Armut hatte sie noch nie zuvor gesehen. Die Begegnung ist ein Schock für die damals 23-Jährige und die Reise verändert ihr Leben.

Von dem Moment an wusste ich, dass wir nie wieder ein normales Leben führen würden, weil es einfach nicht mehr gehen würde.

Jenny Rasche

Vor Ort helfen, so viel es geht

Ein Großvater mit seinem Enkelkind vor ihrer Hütte
Die Roma-Familien wohnen in kleinen Hütten ohne Strom, ohne fließend Wasser, ohne Toilette. Bildrechte: MDR/WDR/Werkblende

Jenny will helfen. Zurück in Deutschland gründet sie eine Hilfsorganisation, sammelt Geld und Sachspenden. 2008 zieht sie mit ihrer Familie nach Sura Mare, dem kleinen Dorf nahe Sibiu. Sechs Monate später gibt es in der Dorfschule eine Analphabeten-Klasse für 30 Roma-Kinder. Anfangs interessiert die ausgehungerten Kinder nur das Brötchen, das sie jeden Tag vor dem Unterricht bekommen. Dann werden auch diejenigen, die regelmäßig zum Unterricht kommen, mit einem Mittagessen belohnt. Die Kinder lernen schnell. Schon nach acht Wochen schreiben sie erste Sätze. "Bildung ist immer die Chance auf ein besseres Leben", sagt Jenny damals.

Zusammen mit ihrem Team eröffnet Jenny schließlich in Sibiu ein Tageszentrum. Die Kinder dürfen von morgens bis abends hier bleiben. Hier lernen sie einen geregelten Tagesablauf und ein normales Leben kennen.

Kampf um jeden Einzelnen

Jenny mit Daniel in seiner Hütte
Dani ist verzweifelt, doch Jenny ist sofort zur Stelle und hilft. Bildrechte: MDR/WDR/Werkblende

Mittlerweile leben Jenny und ihr Mann Phillip mit neun Kindern zusammen. Vier von ihnen sind Pflegekinder. Im Dorf ist sie ständig im Einsatz für die Roma-Kinder. Einige begleitet Jenny von Anfang an, zum Beispiel die beiden 16-jährigen Freunde Dani und Milutz. Beide leben ohne Eltern, schlagen sich alleine durch. Dani muss auch zwei kleine Schwestern versorgen. Jenny gibt ihnen Essen, schickt sie zur Schule, hilft im Alltag.

Die Kinder hier sind mein Leben. Ich habe mein ganzes Leben auf sie ausgerichtet, sie sind genauso wichtig wie meine leiblichen Kinder.

Jenny Rasche

Ihre eigenen Kinder sehen die Mutter selten. Ein gemeinsames Familienessen ist die Ausnahme. Jenny arbeitet oft zwölf Stunden und mehr am Tag. Die Familie hält ihr den Rücken frei, damit sie agieren kann, wann immer sie will, wann immer ihr Einsatz gefragt ist.

Das ist für mich vollkommen okay. Sie soll ihr Ding durchziehen, denn sie rettet viele Menschen. Und ich freue mich über Erfolge, über Fortschritte.

Phillip Rasche

Heute besuchen viele der Kinder weiterführende Schulen oder erlernen einen Beruf. Sie unterstützen ihre Eltern bei Behördengängen, beim Lesen und Schreiben. In der Siedlung werden auf ihre Initiative hin Häuser renoviert, und es gibt eine Wasserleitung. Die Jugendlichen sind Vorbild für ihre Eltern, und die Siedlung wird immer mehr zu ihrem Zuhause.

Zuletzt aktualisiert: 05. November 2019, 09:44 Uhr

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