Ein junger Mann
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Nah dran | 22.03.2018 Mein Vater, der Samenspender

Film von Julia Kaulbars

Eigentlich ist Jörg Seerig ein glücklicher Familienvater. Doch Jörg wurde aus einer Samenspende gezeugt. Und so begibt er sich auf die Suche nach seinem genetischen Vater.

Ein junger Mann
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Jörg Seerig (37) wurde durch eine Samenspende gezeugt. Wenn der Familienvater mit seinen eigenen Kindern über die Großeltern spricht, quält Jörg Seerig eine Frage, auf die er bis heute keine Antwort gefunden hat: Wer ist der unbekannte Samenspender, von dem er die Hälfte seiner Gene geerbt hat?

Gibt es Charakterzüge bei mir, die von ihm stammen? Also alles so diese Dinge. Aber vor allem zu wissen:  wer ist das? Was hat ihn damals bewegt, das zu machen. Wie denkt er vielleicht darüber, das gemacht zu haben. Macht er sich überhaupt Gedanken darüber? Lebt er eventuell überhaupt nicht mehr. Also einfach so viel wie möglich erfahren, was man über ihn herausbekommen könnte.

Jörg Seerig

Unterlagen vernichtet, Erinnerungen ausgelöscht

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Fast dreißig Jahre glaubte Jörg, sein sozialer Vater sei auch sein leiblicher. (hier beim Besuch seine Grabes) Bildrechte: NDR, Mitteldeutscher Rundfunk

Jörgs Mutter weiß nichts über den Spender und die Unterlagen wurden vernichtet. Doch die Suche nach seinem genetischen Vater lässt Jörg keine Ruhe. Als Jörg Ende der 1970er-Jahre in Zwickau mithilfe einer anonymen Samenspende gezeugt wurde, ahnte sowohl im Osten als auch im Westen Deutschlands niemand, dass sich Spenderkinder wie Jörg einmal für ihre Herkunft interessieren würden. Sowohl in der damaligen DDR als auch in der Bundesrepublik wurden zahlreiche Unterlagen vernichtet und die Erinnerungen ausgelöscht. Man versprach den Spendern Anonymität.

Neues Spendenregister

Ein Mann und eine Frau auf einer Bank
Gemeinsam mit seiner Mutter begibt sich Jörg auf Spurensuche Bildrechte: NDR, Mitteldeutscher Rundfunk

Sein Schicksal teilt Jörg Seerig mit mehr als 100.000 anderen Menschen, die in den letzten Jahrzehnten in Ost- und Westdeutschland durch eine Samenspende gezeugt wurden. Jeder Mensch hat ein Recht auf Wissen über seine Herkunft. Das hat das Bundesverfassungsgericht 1989 entschieden. Doch erst ab Juli 2018 wird der Umgang mit den Samenspenden über Samenbanken gesetzlich geregelt. Die Daten der Spender sollen in einem Spendenregister dokumentiert und den Spenderkindern auf Nachfrage zugänglich gemacht werden, sofern der Samenspender keine Einwände erhebt. Für Jörg Seerig und viele weitere Betroffene kommt diese überfällige Neuregelung zu spät.

Wir begleiten Jörg Seerig bei seiner Suche nach seinem genetischen Vater – wird er mehr über seine Herkunft erfahren können?

Zuletzt aktualisiert: 27. März 2018, 12:50 Uhr

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