MDR im Ersten | 31.03.2019 | 17:30 Uhr Meine Zukunft ohne die Kohle - Drei Menschen, eine Geschichte

Die Tage der Kohle sind gezählt. Der Ausstieg soll bis 2038 erfolgen, rund 40 Milliarden Euro fließen in den Strukturwandel der Reviere, so hat es die Kohlekommission Ende Januar 2019 beschlossen. Bis Mai will die Bundesregierung konkrete Maßnahmen beschließen. Doch wie sieht sie aus die Zukunft ohne Kohle? Die Antwort auf die Frage hängt von der persönlichen Perspektive ab, wie ein Blick in den rheinischen Tagebau Hambach, nach Spremberg in der Lausitz und nach Pödelwitz bei Leipzig zeigt.

Religion

Ende Gelaende, Braunkohleproteste im Rheinland 2 min
Bildrechte: MDR/Christoph Sillmann, fechnerMEDIA

Der rheinische Tagebau Hambach ist der größte in Deutschland. Dort werden jährlich etwa 40 Millionen Tonnen Braunkohle gefördert und in Kraftwerken verbrannt. Damit sorgt er auch im europäischen Maßstab für einen enormen Ausstoß an Kohlendioxid, was den Tagebau immer wieder zur Zielscheibe von Protestaktionen machte. Zuletzt im Herbst 2018, als Tausende Menschen im Hambacher Forst am Ende erfolgreich gegen die Abholzung eines 12.000 Jahre alten Waldes protestierten, der dem Tagebau weichen sollte.

Das Klima-Camp Pödelwitz und der Tagebau Vereinigtes Schleenhain
Das Klima-Camp Pödelwitz und der Tagebau Vereinigtes Schleenhain Bildrechte: Kohle erSetzen!

Auch im mitteldeutschen Revier kam es immer wieder zu Protesten. Selbst nach dem Kohlekompromiss scheint die Zukunft des Ortes Pödelwitz im Süden Leipzigs, das nach den Plänen des Braunkohlekonzerns Mibrag weichen soll, ungewiss. Im August 2018 kamen mehr als 1.000 Menschen zum "Klimacamp Leipziger Land" in das 700 Jahre alte Dorf. Die Demonstrationen sollen weitergehen.

Unterdessen wurde die mögliche Umsiedlung des sorbischen Dorfes Mühlrose mit rund 200 Einwohnern gerade offiziell besiegelt, 150 Millionen Tonnen Braunkohle sollen dort noch gefördert werden. Zugleich ging im Kraftwerk Jänschwalde, das aus dem Lausitzer Braunkohlerevier mit Kohle versorgt wird, ein erster Block vom Netz.

Eine Frage der Perspektive

Wie der Blick auf das Ende der Kohle ausfällt, ist eine Frage der persönlichen Perspektive. Philipp arbeitet seit neun Jahren als Ingenieur im Tagebau Hambach. Direkt nach seinem Studium fing der heute 35-Jährige bei RWE an. Den Tagebau, den er als seine zweite Heimat betrachtet, bekämpfen Umwelt- und Klimaschützer seit Jahren mit immer radikaleren Mitteln. Mit dem Beschluss zum Kohleausstieg sieht Philipp den Boden unter seinen Füßen wegbrechen. Er fragt sich, wie sein Arbeits- und privates Leben demnächst aussehen wird. Anja lebt in Spremberg in der Lausitz und arbeitet in einer Werbeagentur, die wiederum einen Großteil ihrer Aufträge von Unternehmen bezieht, die in der Braunkohle tätig sind. Die 36-Jährige überlegt, was nach dem Ausstiegsbeschluss in der Region passieren wird und ob sie bleiben soll. Währenddessen setzt sich Ruth mit zunehmend radikaleren Aktionen und trotz möglicher juristischer Konsequenzen für Umwelt- und Klimaschutz ein. Die 30-Jährige arbeitet bei einer Organisation für nachhaltige Entwicklung, die den Widerstand von Pödelwitzern gegen die Umsiedlung ihres Ortes unterstützt.

Mehr aus Religion & Gesellschaft

Religion

Logo
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Nah dran | MDR FERNSEHEN | donnerstags | 22:35 Uhr

Nah dran

mehr

Religion

Religion & Gesellschaft
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Religion & Gesellschaft

mehr