Nah dran Wie Mella um ihr Leben tanzt

Es gibt Menschen, die so tiefe Spuren in unserem Gedächtnis hinterlassen, dass wir ihren Weg verfolgen. Einer dieser Menschen ist für uns Melanie Bodendieck, von allen Mella genannt. Wir begegneten der jungen Frau aus dem Mansfelder Land im Februar 2017. Obwohl ihr die Ärzte sechs Jahre zuvor keine Hoffnung gemacht hatten, überlebte sie einen aggressiven Bauchspeicheldrüsenkrebs. Seitdem kämpft sie gegen ihre Krankheit, war "Laut gegen den Krebs", setzte ihr gerettetes Leben für andere ein ... 

Mellas Kampf gegen den Krebs
Zu sich kommen - Mella hat sich inzwischen einen kleinen Garten genommen, für sie eine Oase der Ruhe Bildrechte: Nah dran / MDR FERNSEHEN

Als ihr die Ärzte eröffnen, dass sie kaum Chancen hat, ist Mella gerade erst 32 Jahre alt. Die junge Frau aus dem Mansfelder Land nimmt den Kampf gegen den Krebs auf, auch wenn sie nach den OP's und Chemotherapien nicht weiß, wieviel Zeit ihr noch bleibt.

Ich mag das, zu sehen, wie der Tag  erwacht, wie alles anfängt, zu leben. Weil das nicht selbstverständlich ist.

Mellas Kampf gegen den Krebs
Immer unterwegs Bildrechte: Nah dran / MDR FERNSEHEN

Sie nutzt jede Stunde - nicht nur für sich selbst - oft auch für andere. Regelmäßig fährt sie mit ihrem Therapiehund Sherif zu Demenzpatienten in ein Magdeburger Heim und kümmert sich ehrenamtlich um Patienten. Wenn jemand weiß, wie viel Zuwendung ein schwerkranker Mensch braucht, dann sie. Sie tut es gegen den Rat ihrer Ärztin: "Meine Ärztin hat eigentlich gesagt, dass ich mal ein bisschen kürzer treten soll. Da ich gerade krebsfrei sei und das so bleiben soll." Sie solle ein bisschen loslassen, sich nicht so viel mit  kranken Menschen umgeben, habe die Ärztin empfohlen.

Mella kümmert sich um Demenz-Kranke
Ehrenamtlich engagierte sich Mella für Demenz-Patienten Bildrechte: Nah dran / MDR FERNSEHEN

"Aber ich kann nicht anders", sagt Mella und macht weiter. Die Besuche in dem Heim geben Mella das Gefühl, gebraucht zu werden. Aufmerksamkeit, Verständnis und Wärme zu bekommen, das ist gut für die Seele. Die Begegnungen helfen auch ihr selbst. Gegen die Angst und das Gefühl der Ohnmacht: "Also, ich sage immer, es fühlt sich an, als ob man Teer an sich kleben hat."

Gegen die Angst vor der Rückkehr der Krankheit hilft ihr auch die Musik. Laute Musik. "Laut gegen Krebs" - unter diesem Motto organisiert Mella mit Freunden viele Jahre ein Heavy Metal-Festival in Sandersleben. Mit den Einnahmen unterstützen sie die Sachsen-Anhaltische Krebsgesellschaft.

Ich möchte nicht, dass der Krebs wieder Macht über mich bekommt und so lange, wie es verrückt und laut ist, denke ich, hat er da auch keine Chance.

Mella

Gegen die Angst

Mellas Kampf gegen den Krebs
"Laut gegen den Krebs" - das war das Motto des Heavy-Metal-Festivals in Sandersleben. Bildrechte: Nah dran / MDR FERNSEHEN

Heute, fast zwei Jahre später, begleitet die 39-Jährige eine ganz andere Musik: "Biodanza - das ist der Tanz des Lebens. Den habe ich dieses Jahr erst kennen gelernt in der Klinik", erzählt sie. "Man tanzt eigentlich in der Gruppe. Es geht um die Begegnungen in der Gruppe: Ich werde gesehen von den anderen, ich fühle mich wahrgenommen." Wenn es Mella schlecht geht, hilft ihr das Tanzen: "Danach geht es mir wieder gut", versichert sie.

Wenn ich tanze, fühle ich mich einfach glücklich, ich finde dadurch wieder zu meinen Gefühlen, zu mir.

Mella
Mellas Kampf gegen den Krebs
Biodanza als neue Kraftquelle Bildrechte: Nah dran / MDR FERNSEHEN

Mella - die Getriebene - vor einem Jahr ist sie zusammengebrochen. In dieser Zeit kann sie sich oft kaum noch bewegen, bleibt tagelang im Bett, weint endlos. Zwar ist sie noch immer krebsfrei , aber die schmerzhafte Erfahrung und ihre Todesangst, die sie immer nur verdrängt hat, haben eine schwere Depression ausgelöst. Anfang des Jahres bekommt sie diese Diagnose. Sie habe lange vorher gemerkt, dass es ihr nicht gut geht, sagt Mella: "Aber ich wollte das überspielen, damit die anderen nichts merken. Dann habe ich immer noch mehr gemacht, um nicht zu spüren, dass es mir schlecht geht." Während der Therapie - als alles von außen wegfällt - stellt sich bei ihr das Gefühl ein, nicht mehr nach Hause zu wollen: "Ich wollte das erst nicht haben, ich dachte, so was darf nicht sein, das darf ich nicht fühlen. Aber das war halt dann so."

Depressive Schübe können immer wiederkehren. Mella muss lernen, auch damit zu leben. Im Moment kann sie sich nur um sich selbst kümmen. Sie will sich ihren Ängsten stellen, um loslassen und ihren Weg finden zu können. Inzwischen hat sie sich einen kleinen Garten genommen:

Also, das ist so meine kleine Ruheoase. Das fühlt sich an, als ob der Stress und der Ärger da draußen bleibt. Der darf hier nicht rein. So lerne ich mich erstmal selber kennen, gucke, was meine Bedürfnisse sind. Das hab ich in meinem Leben selten gemacht so. Ich glaub', ich kenn mich gar nicht. Ich hab immer sehr viel für andere gelebt.“

Mella

Gerade ist Mella wieder in stationärer Behandlung in einer Klinik in Hettstedt. Nachmittags, nach den Therapiestunden, ist es ihr überlassen, wie und wo sie ihre Freizeit verbringt. Abends muss sie jedoch wieder zurück.

Für die Zeit nach der Therapie, wenn es ihr wieder besser geht, hat sie schon Pläne. Sie hat eine Ausbildung angefangen, möchte Biodanza unterrichten. Dass dieser Tanz ihr Leben so positiv verändert hat, das möchte sie vielen anderen Menschen zeigen. Mit Krebspatienten möchte sie arbeiten. Oft werde die psychische Seite bei dieser Erkrankung vernachlässigt, erklärt sie:

Es ist so wichtig, positiv zu denken im Kampf gegen den Krebs.

Mella

Mella wäre eben nicht Mella, wenn sie nicht doch auch anderen Menschen helfen könnte.

Nah dran 5 min
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Stichwort  Bauchspeicheldrüsenkrebs zählt zu den aggressivsten Tumortypen überhaupt, da er früh anfängt Metastasen zu bilden. Gleichzeitig wird der Krebs meist erst spät entdeckt. Dies führt zu einer hohen Sterberate der Patienten. Bauchspeicheldrüsenkrebs ist für etwa sechs Prozent aller Krebstodesfälle verantwortlich. Er stellt bei Frauen die neunthäufigste und bei Männern die zehnthäufigste Krebstodesursache dar. Die Überlebensrate nach fünf Jahren liegt nur zwischen 9 und 10 Prozent. Bauchspeicheldrüsenkrebs ist für mehr als 95 % der Erkrankten auch heute noch unheilbar. (Quelle: Deutsche Krebsgesellschaft e.V.)

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Nah dran | 13. Dezember 2018 | 22:35 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Dezember 2018, 15:54 Uhr