Nah dran - Reportage | 17.10.2019 | Jetzt in der Mediathek Hier bleib‘ ich bis zuletzt! - Alt werden auf dem Land

Zwei Frauen, die sich bewusst entschieden haben: Sie wollen bleiben, bis zum Schluss. Denn sie haben ihr Leben lang auf dem Lande gelebt. Doch was bedeutet es, auf dem Land alt zu werden und mit welchen Widrigkeiten hat man zu kämpfen? Der Film zeigt: Alt werden auf dem Lande ist möglich, solange es ein funktionierendes Netzwerk gibt.

Leonore Pengel ist 91 Jahre alt und lebt in Schernikau, ein kleines Seelendorf in der Altmark. Als ihr Mann verstarb, zog ihre Tochter zu ihr, damit sie in ihrem Familienhaus bleiben kann. 29 min
Leonore Pengel ist 91 Jahre alt und lebt in Schernikau, ein kleines Seelendorf in der Altmark. Als ihr Mann verstarb, zog ihre Tochter zu ihr, damit sie in ihrem Familienhaus bleiben kann. Bildrechte: MDR/LONA Medi

"Warte Mutti, ich helfe dir.“ Leonore Pengel setzt sich auf ihren Rollator und schaut auf den Grabstein ihres Mannes. Ihre Tochter Kirsten wässert die Blumen. "Letztes Jahr habe ich noch die Blumen auf dem Friedhof gegossen. Jetzt macht alles meine Tochter."

Leonore Pengel ist 91 Jahre alt lebt im 60-Seelendorf Schernikau in der Altmark. Das Gehen fällt ihr schwer, auch Hören und Sehen kann Leonore Pengel schlecht. Als vor acht Jahren ihr Mann starb, zog ihre Tochter Kirsten zu ihr zurück. "Als der Vorschlag kam von meiner Tochter, musste ich erstmal tief Luft holen. Eigentlich wollte ich das gar nicht, ich war doch selbstständig." Kirsten jedoch sah es als ihre Pflicht, ihrer Mutter im hohen Alter nicht allein zu lassen.

Ich wusste immer und mein Vater hat mir das auch gesagt, dass er Angst hat um meine Mutter . Das war für mich auch ein Grund darüber nachzudenken, was wird, wenn deine Mutter alt ist und sie nicht mehr alleine sein kann. Dann ist irgendwann die Entscheidung gefallen, ich komm‘ wieder hier her, denn meine Mutter ist mir lieb und wichtig.

Kirsten
Menschen in einer Kirche 2 min
Bildrechte: Lona Media/MDR

Unterstützung aus der Nachbarschaft

Ingeborg von Kalben lebt in Vienau, allein. "Nachdem mein Mann verstarb, wollten die Kinder, dass ich selbst entscheide, ob ich im Dorf bleibe – ich bin geblieben." Die 92-jährige kann sich ohne Gehhilfe nicht auf dem großen Grundstück bewegen. Im Alltag bekommt die Seniorin Unterstützung von ihren Nachbarinnen. Zwar kommt die Friseurin ins Haus, ein Bäckerwagen fährt vorbei, doch manchmal fühlt sich die 92-jährige allein.

Also ein Vergnügen ist das Alter nicht. Ich habe eine Freundin, die sich immer sehr vornehm ausgedrückt hat, sie war auch sehr vornehm. Später war es so, wenn ich die Tür aufmachte, rief sie mir schon entgegen: Ingeborg, das Alter ist Scheiße. Und da ist auch was dran, also alt werden ist mit den zunehmenden Gebrechen kein Vergnügen.

Ingeborg von Kalben
Ein Mann und eine Frau sitzen an einem Tisch 2 min
Bildrechte: Lona Media/MDR

Die Reportage "Hier bleib‘ ich bis zuletzt – Alt werden auf dem Land" begleitet zwei rüstige Damen, die sich bewusst dazu entschieden haben, im Alter nicht mehr umzuziehen. Sie wollen in ihren Dörfern nicht nur alt werden, sondern auch dort sterben. Der Film zeigt, warum Heimat so wichtig ist, welche Herausforderungen es zu bewerkstelligen gilt und welche Rolle ein sehr engagierter, junger Pastor im Leben der beiden Damen spielt.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Nah dran | 17. Oktober 2019 | 22:35 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. August 2019, 13:31 Uhr

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