Gerd Bayer im Stall
Bildrechte: MDR/NDR/Birgit Wärnke/Christine Seidemann

Nah dran - Die Reportage | 17.05.2018 Stadt, Land, Hof - Vom Modefotografen zum Biobauern

Modefotograf Gerd Bayer kehrt von Hamburg auf den elterlichen Hof im baden-württembergischen Rüsselhausen zurück. Hier will er aus dem alten, konventionellen Milchbetrieb einen Biobauernhof machen. Doch Gerd Bayer muss das Handwerk des Landwirts erst lernen, und die Umstellung verlangt der ganzen Familie viel ab. Meistert er die Herausforderung?

Gerd Bayer im Stall
Bildrechte: MDR/NDR/Birgit Wärnke/Christine Seidemann

Schöne Menschen noch schöner aussehen lassen, das ist der Job von Modefotograf Gerd Bayer. New York, Stockholm und gestern noch Hamburg - Gerd Bayer fotografiert Models in teuren Kleidern. Aber jetzt wird er auf dem Bauernhof seiner Eltern in Rüsselhausen gebraucht, denn die Eltern wollen mit Mitte 60 endlich kürzer treten. Der Bruder, der den Hof übernehmen sollte, ist krank und schafft die Arbeit nicht alleine. Und Gerd will nicht, dass der Hof verkauft wird. Denn es ist auch sein Zuhause, und der Hof ist seit 5 Generationen in Familienbesitz.

Herausforderungen in der Idylle

Der 36-jährige Gerd hat viele neue Ideen für den alten Hof, aber nicht alle gefallen der Familie. (v.l.n.r.: Helmut Bayer, Martin Bayer, Gerd Bayer).
Der 36-jährige Gerd hat viele neue Ideen für den alten Hof, aber nicht alle gefallen der Familie. (v.l.: Helmut Bayer, Martin Bayer, Gerd Bayer). Bildrechte: MDR/NDR/Birgit Wärnke/Christine Seidemann

Der Umzug von der Stadt zurück aufs Land verlangt der ganzen Familie viel ab. Die Rückkehr ins Heimatdorf mit seinen 120 Einwohnern hat Gerd an eine Bedingung gegnüpft. Alles soll auf Bio umgestellt werden. In wenigen Monaten will der Modefotograf aus dem alten konventionellen Milchbetrieb einen profitablen, zeitgemäßen Biobauernhof machen. Dass sich das rechnen wird, davon muss Gerd seine Familie noch überzeugen. Denn dafür muss der Stall umgebaut werden, und andere Kühe will Gerd auch. Schwierig ist es zudem, wieder mit den Eltern unter einem Dach zu wohnen.

Wenn man zwölf Jahre nicht bei seinen Eltern gelebt hat, sondern in der Stadt und eigentlich total anonym, dann ist es extrem schwer, wieder Zuhause einzuziehen... Es gibt keinen Rückzugsort mehr. Und die Strukturen, die es damals gab, sind sofort wieder da.

Gerd Bayer

Auch das Handwerk des Landwirts will gelernt sein. Deshalb hat Gerd gerade eine Ausbildung zum Landwirt begonnen. Nun steht er im Kuhstall und flucht. Die alte Melkmaschine funktioniert nicht richtig, ein plötzlicher Kälteeinbruch bedroht die Ernte und seine teuerste Kuh ist wieder nicht trächtig.

Spagat zwischen Metropole und Bauernhof

Modefotograf Gerd Bayer in Hamburg
Gerd Bayer als Modefotograf in Hamburg. Bildrechte: MDR/NDR/Birgit Wärnke/Christine Seidemann

Zwischenzeitlich ist Gerd immer mal in Hamburg, um als Fotograf zu arbeiten. Dann genießt er das Leben in der Großstadt und die Arbeit, die noch seine wichtigste Einnahmequelle ist. Er weiß, dass er eigentlich als Fotograf immer präsent sein, sich um Aufträge kümmern, die Webseite pflegen muss. Und er weiß auch, dass er in einem Dilemma steckt:

Es ist nicht Sinn der Sache, dass ich in der Fotografie Geld verdiene und damit den Hof finanziere. Es soll ja kein Ponyhof werden, den ich mir zum Spaß gönne. Es muss ein Hof werden, der wirtschaftlich ist.

Gerd Bayer
Vom Modefotografen zum Biobauern
Land- oder Stadtleben? Gerd Bayer muss sich entscheiden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ein Jahr lang lebt der erfolgreiche Hamburger Modefotograf den Spagat zwischen Metropole und Bauernhof, zwischen glamourösem Fotoshooting und Jauchegrube. Es ist ein Jahr harter Arbeit, vom Kauf seiner ersten Kuh bis zur Kontrolle, bei der sich entscheidet, ob die Umstellung zum Biobetrieb geglückt ist. Dann muss er eine Entscheidung treffen: Übernimmt er den Milchviehbetrieb seiner Eltern oder kehrt er zurück in die Großstadt?

Zuletzt aktualisiert: 30. Mai 2018, 19:17 Uhr

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