Nah dran | 21.02.2019 Alpine Rebellen - Zwischen Wahnsinn und Wintermärchen

Ein Film Brigitte Kornberger

100 Millionen Menschen strömen schätzungsweise Jahr für Jahr in die Alpen. Für die einen sind die Berge eine Event-Arena mit maximalem Kick, für die anderen ein Sehnsuchtsort, an dem sie Ruhe suchen. Der Film von Film Brigitte Kornberger geht der Frage nach: Wieviel alpinen Ballermann verträgt die Natur?

"Wo gehen die Menschen hin? Wo es laut ist, wo es hektisch ist, wo sie im Stau stehen, wo sie aggressiv werden!" Wütend ist der Extrembergsteiger Reinhold Messner, wenn er über den Tourismus in den Alpen spricht. Der leidenschaftliche Alpinist meidet solche überlaufenen Orte. 

 Naturschutz versus Event-Arena in den Alpen

Anderswo suchen die Menschen heute genau das: die Alpen als Event-Arena. Der provokante Ischgler Tourismus-Visionär Günther Aloys will ein 180 Meter hohes gläsernes Gipfelkreuz aufstellen und einen Snowpark in Körperform von Pamela Anderson bauen. Seine Devise: "Nichts ist unmöglich". Doch was, wenn all das zu Lasten der Natur geht?

Skilift
Die Alpen als Event-Bühne Bildrechte: MDR/BR

Die Natur ist schwierig, du kannst nicht in den Wald hineingehen und das genießen, das gelingt ja nicht, weil: Es ist unwegsam, es ist rauh, es ist kalt oder sonst irgend was. Für den Tourismus brauchst du sowieso alles geebnet und alles vorbereitet. Ohne das geht's überhaupt nicht.

Günther Aloys

Josef Essl von der österreichischen Alpenschutz-Kommission CIPRA widmet sein Leben dem Kampf gegen die fortschreitende Verbauung der Landschaft. Ein mühsames und oftmals aussichtsloses Unterfangen.

Man greift heute Schutzgebiete an, das ist alles keine Tabu-Zone mehr. Man sagt, man möchte in ein Ruhegebiet, man möchte in ein Naturschutzgebiet, nicht nur in Tirol, das ist auch so in anderen österreichischen Bundesländern. Und da gehören aus meiner Sicht ganz klare Restriktionen auch von Seiten der Politik, dass das einfach nicht geht.

Josef Essl

 Die Alpen zwischen Naturschutz und Tourismus

Sie alle sind alpine Rebellen. Die einen kämpfen gegen eine radikale Form des Tourismus, die anderen gegen die Natur. Jahr für Jahr rüsten alpine Skigebiete weiter auf. Obwohl die Zahl der Skifahrer stagniert und der Schnee immer öfter ausbleibt, setzen sie auf modernere Liftanlagen, auf Adrenalinkick und Super-Luxus.

Anderswo entstehen Konzepte für sanften Tourismus. Als Deutschlands erstes Bergsteigerdorf wirbt die Ramsau mit einer malerischen stillen Berglandschaft. Die Menschen, die hier seit Generationen leben und wirtschaften, haben sich für einen Tourismus im Sinne der Natur entschieden.

Mann
Fritz Rasp ist der Tourismusdirektor in der Ramsau Bildrechte: MDR/BR

Das letzte Jahr 2017 haben wir das erste Mal Minuszahlen gehabt. Was ich als Touristiker nicht einmal schlecht gefunden hab, weil es kann nicht immer in die Höhe gehen, es kann nicht immer Zuwachsraten geben, man muss auch mal sagen, wir leben gut, es lässt sich wirtschaften und man muss auch mal ein bisserl zufrieden sein. Das glaub ich ist auch wahnsinnig wichtig.

Fritz Rasp, Tourismusdirektor, Ramsau

Die eigene Lebensqualität bedeutet den Menschen hier mehr als der schnelle Profit. Aber kann die kleine Gemeinde im Berchtesgadener Land von der Beschaulichkeit leben? 

Dorf
Hier setzt man auf sanften Tourismus und nicht auf Wachstum um jeden Preis: die Ramsau im Nationalpark Berchtesgaden am Fuß des Watzmann. Bildrechte: MDR/BR

Zuletzt aktualisiert: 26. Februar 2019, 09:29 Uhr

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