Der Paragraf 218 gestern und heute Stichwort: Schwangerschaftsabbruch

Demonstrative Verbrennung von Ermittlungspapieren in Hamburg
Demonstrative Verbrennung von Ermittlungspapieren in Hamburg Bildrechte: dpa

Der Paragraf 218 aus dem Jahr 1871

Der Paragraf 218 wird 1871 im Strafgesetzbuch des Deutschen Reiches festgeschrieben. Straffrei bleiben nur Schwangerschaftsabbrüche, die erfolgen, weil Gefahr für das Leben der Mutter besteht, sonst drohen bis zu fünf Jahre Zuchthaus.

Protest in den 1970er-Jahren im Westen: Indikationslösung

Im Westen protestieren Frauenrechtlerinnen in den 1970er-Jahren gegen den Paragrafen 218. Frauen fordern mit ihrer "Mein Bauch gehört mir"-Kampagne Selbstbestimmung und die Abschaffung, 1976 erreichen sie die "Indikationslösung", wonach eine straffreie Abtreibung nur möglich ist, wenn ein Arzt oder eine Ärztin der Frau triftige Gründe oder eine Notlage bescheinigt.

Nach der Wiedervereinigung ein neuer Kompromiss

Nach der Wiedervereinigung erlebt der erbitterte Streit um den Paragrafen 218 eine Neuauflage. Fast scheitert der Einigungsvertrag daran. Christlich-konservative Kräfte streiten gegen die "Fristenlösung" der DDR. Die Entscheidung wird auf 1992 verschoben. Seit 1972 galt in der DDR die so genannte Fristenlösung, wonach Abbrüche bis zur 12. Schwangerschaftswoche erlaubt, straffrei und kostenlos waren. Das Gesetz wurde als weiterer Schritt auf dem Weg zur Gleichberechtigung der Frau propagiert.

1995 kommt das Bundesverfassungsgericht zum bis heute gültigen Kompromiss: Danach ist ein Schwangerschaftsabbruch bis zur zwölften Woche zwar rechtswidrig, unter bestimmten Voraussetzungen und nach einer Beratung jedoch straffrei. Erst drei Tage danach darf der Abbruch durchgeführt werden.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Nah dran | 04. Oktober 2018 | 22:35 Uhr