Nah dran - Reportage | 15.08.2019 Verwitwet – Wie das Leben weitergeht

Plötzlich ist der Mensch, mit dem man sein Leben teilen wollte, tot. Nichts mehr ist wie vorher. Wie schaffen es Frühverwitwete, den Verlust zu verarbeiten und die eigene Existenz zu sichern? Der Film begleitet drei Menschen, die ihren Partner verloren haben, und erzählt von der lebenslangen Trauer, vom Scheitern und vom mühsamen Neuanfang.

Sendungsbild 29 min
Antje auf dem Friedhof Bildrechte: MDR/Elisabeth Enders

Nah dran Do 15.08.2019 22:35Uhr 29:04 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Wenn der Partner stirbt, bricht eine Welt zusammen. Gemeinsame Träume und Pläne gibt es plötzlich nicht mehr. Wie soll es weitergehen ohne den geliebten Menschen? Im ersten Jahr muss das Leben neu geordnet werden: Kindererziehung, Behördengänge, Sicherung der materiellen Existenz. Da bleibt kaum Zeit für die eigene Trauer. Eine Ausnahmesituation, die lange zehrt und der oft ein Zusammenbruch folgt.

In Deutschland ist die Versorgung der Witwen und Witwer über die Rentenkasse geregelt. Dabei werden die erlangten Anteile, die Dauer der Ehe, die Kinder und das Einkommen des Hinterbliebenen in die Berechnung einbezogen. Am Ende kommt dabei oft nicht sehr viel raus, jedenfalls zu wenig, um das weggefallene Einkommen zu kompensieren. Das zu verstehen, die Anträge zu stellen, fordert Kraft. Die finanziellen Einbußen sind drastisch.

Wie weiter? Existenzangst und kaum Zeit für Trauer

Antjes Mann ist vor eineinhalb Jahren an einem Tumor verstorben. Sie begleitete ihn durch die letzten Wochen. Die Zeit danach prägten Trauer, Existenzangst und Panik. Ihr Sohn war damals 16 Jahre alt und ging noch zur Schule. Beide wussten, dass der geliebte Partner und Vater sterben wird. Trotzdem verursachte sein Tod einen tiefen Schock.

Die geliebte Person ist nicht mehr da. Das muss im System erstmal irgendwo ankommen. Das hat eine Weile gebraucht.

Antje

Die selbständige Unternehmerin muss jetzt allein die finanzielle Grundlage für sich und ihren Sohn sichern, eine kräftezehrende Herausforderung. Sie beißt die Zähne zusammen, und die Familie hilft. Doch die Angst, die sie in dieser Zeit hat, zeigt ihr irgendwann, dass sie sich auch Zeit für sich nehmen muss. Sie beginnt eine Ausbildung zur ehrenamtlichen Sterbebegleiterin in einem Hospiz.

Alle Kraft zusammennehmen

Vor vier Jahren hat sich Julias Mann das Leben genommen. Sie war 30, ihre Tochter noch nicht einmal zwei Jahre alt. Bei den Hinterbliebenen von Menschen, die Suizid begehen, laufen die Gefühle oft Amok. Auf die Frage, warum ihr Mann aus dem Leben ging, findet sie keine Antwort. Er hat ihr nichts hinterlassen. Die Schuldfrage steht so immer im Raum: Hätte ich in bestimmten Situationen anders reagieren müssen, was hätte ich tun können?

Verwitwet - Wie das Leben weitergeht 2 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Julia nahm in dieser Zeit all ihre Kraft zusammen, damit das Leben für sie und ihre Tochter weitergeht, die Trauer sie nicht auffrisst. Die Krippenerzieherin ihrer Tochter stand ihr zur Seite. Auch Michaela hatte ihren Mann durch Suizid verloren. Zwischen den Frauen entstand eine tiefe Freundschaft. Nach vier harten Jahren ist Julia wieder neu verliebt. Doch immer am Todestag ihres Mannes bricht ihr Trauma wieder auf.

Es gibt Zeiten im Jahr, in denen es stärker wird, in denen man mehr trauert. Und man hat das Gefühl, man muss öfter ans Grab oder sich mal wieder mehr mit der Sache auseinandersetzen. Und dann gibt es Zeiten, die wieder recht unbeschwert sind.

Julia

Hilfsangebote * Wenn Sie daran denken, sich das Leben zu nehmen, oder jemanden kennen, der suizidgefährdet ist, suchen Sie Hilfe.

* Die Telefonseelsorge ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr erreichbar.

* Die Telefonnummern sind 0800/111 0 111 und 0800/111 0 222. Auch ein Kontakt per Chat und E-Mail ist möglich.

Rückzug und Isolation

Verwitwet - Wie das Leben weitergeht
Besonders der Garten erinnert Matthias an seine Frau - es war ihr Revier. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Matthias fühlt sich nach dem Tod seiner Frau, als "sei das halbe Herz" weggerissen. Wochenlang zieht er sich komplett zurück. Er will niemanden sehen, mit niemandem reden. Trost geben ihm nur die Enkelkinder und die Spaziergänge mit seinem Hund, abends, um keinem zu begegnen. Eine Trauerbegleiterin hilft ihm schließlich, seinen Lebensmut wiederzufinden. Ein halbes Jahr später versucht Matthias zaghaft, wieder Kontakt zu Freunden aufzunehmen. Er hofft, dass der Schmerz so erträglicher wird.

Ich will und ich muss alleine lernen, die Situation zu bewältigen und klarzukommen. Wenn ich das im Griff habe, kann ich auch wieder bewusst auf andere zugehen.

Matthias
Verwitwet - Wie das Leben weitergeht 2 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Nah dran | 15. August 2019 | 22:35 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. August 2019, 13:31 Uhr

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