Das Ökosystem Wald kippt. Besonders im Harz sind die Ausmaße deutlich. Aber auch andere Wälder leiden unter dem sogenannten Trockenstress - Waldsterben 2.0? Die Doku beobachtet Forschungen zur Waldgesundheit.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

MDR | 04.10.2019 Waldsterben 2.0 – Unsere Wälder vor dem Kollaps?

Unsere Wälder haben sich verändert. Nach Stürmen, zwei heißen Sommern und massivem Schädlingsbefall sterben vor allem Kiefern, Fichten und Buchen. Über Ursachen, Folgen und mögliche Lösungen diskutiert die Runde bei „Fakt ist!“ aus Magdeburg am Montag, 7. Oktober 2019, um 22.05 Uhr im MDR-Fernsehen.

Das Ökosystem Wald kippt. Besonders im Harz sind die Ausmaße deutlich. Aber auch andere Wälder leiden unter dem sogenannten Trockenstress - Waldsterben 2.0? Die Doku beobachtet Forschungen zur Waldgesundheit.
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Auf ihre Wälder sind die Deutschen besonders stolz – immerhin knapp 32 Prozent der Landesfläche sind bewaldet. Als in den 1980er Jahren saurer Regen und Schadstoffemissionen den Bäumen schwer zu schaffen machten, wurde umgesteuert – Katalysatoren und Filter in Industrieanlagen sorgten dafür, dass der Wald sich erholte und überlebte.

Doch droht jetzt, 30 Jahre später, die neue Katastrophe? Vom Waldsterben 2.0 ist die Rede. Bilder aus dem Harz und Hainich zeigen unzählige tote Bäume. Schilder an Wanderwegen warnen vor umstürzenden Bäumen. Stürme, Dürren, Schädlinge sind die Gefahren unserer Zeit. Binnen zwei Jahren sind 180.000 Hektar Wald verloren gegangen – die doppelte Fläche von Berlin oder auch zwei Drittel des Saarlandes. Und ein Ende ist nicht abzusehen, denn längst ist nicht mehr nur der „Brotbaum“ der Forstwirtschaft, die Fichte, betroffen. Selbst die „urdeutsche“ Buche stirbt in großem Maßstab, vor allem auch in mitteldeutschen Wäldern.

Schuld, da sind sich viele einig, ist der Klimawandel. Lange hat die Politik das Problem ignoriert. Mit einem „Klimapaket“ und einem „Nationalen Waldgipfel“ beginnt nun ein Umdenken – Geld soll fließen, eine Milliarde Bäume sollen neu gepflanzt, 800 Millionen Euro in den Erhalt des Waldes gesteckt werden. Wer aber soll den Wald retten? Allein in Sachsen-Anhalt ist die Zahl der Forstbediensteten in den zurückliegenden 20 Jahren auf nur noch knapp ein Zehntel gesunken. Der Personal- und Fachkräftemangel ist längst im Wald angekommen und wird in der aktuellen Krisensituation besonders deutlich.

Reicht es, Hilfsprogramme ins Leben zu rufen und politische Willensbekundungen abzugeben? Oder brauchen unsere Wälder, die immerhin 14 Prozent des in Deutschland ausgestoßenen CO2 aufnehmen, eine ganz andere Art der Rettung? Und welche kann das sein? Ist der Kollaps unserer Wälder noch zu verhindern?

Darüber diskutiert Moderatorin Anja Heyde bei „Fakt ist!“ aus Magdeburg mit folgenden Gästen:

  • Ralf Peter Weber, Staatssekretär im Umweltministerium von Sachsen-Anhalt,
  • Hermann Onko Aeikens, Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium,
  • Franz Prinz zu Salm-Salm, Vorsitzender des Waldbesitzerverbandes Sachsen-Anhalt,
  • Prof. Michael Gunter Müller, Professor für Waldschutz an der TU Dresden und
  • Fee Christiane Brauwers, Forstwirtschaftlerin.

Die Auswirkungen der aktuellen Waldsituation auf andere Wirtschaftszweige wie zum Beispiel den Tourismus wird Bürgerreporter Stefan Bernschein mit Gästen im Publikum diskutieren. Auch Sachsen-Anhalts Waldkönigin Christiane Heinrichs-Vogel wird an seiner Seite sein. Als Betreiberin von Sachsen-Anhalts größter Baumschule muss sie sich auf neue Baumarten einstellen.

Zuletzt aktualisiert: 04. Oktober 2019, 14:29 Uhr