MDR | 03.05.2021 Framo und Barkas - Vom Arbeitstier zum Kultobjekt

"Der Osten - Entdecke wo du lebst" macht ein Stück deutscher Automobilgeschichte lebendig: Bereits jetzt in der ARD-Mediathek und am 04.05.2021, 21.00 Uhr im MDR-Fernsehen.

Jens Scheunert und Bernd Schulze neben diversen Bauteilen eines "Framo".
Jens Scheunert und Bernd Schulze Bildrechte: MDR/Daniela Posern

Im Sommer 2020 trifft ein Gespann mit Anhänger auf dem Rittergut Kauschwitz in Plauen ein. Die Fuhre ist ein Haufen alter Fahrzeugteile. „Oh, das sieht spannend aus!" - Jens Scheunert alias „Framo-Jens" betrachtet das, was für viele wohl ein Fall für den Schrottplatz wäre, mit anderen Augen. Der Framo aus Haldensleben, komplett zerlegt, ist das Familienerbstück von Bernd Schulze. „Meine Großeltern sind mit dem Auto noch gefahren, ich saß als Steppke drin", erzählt er und zeigt alte Fotos.

Jens Scheunert braucht keine Phantasie, um sich das fertige Fahrzeug vorzustellen. Der 52jährige gilt als der Framo-Experte in Deutschland. Seine Kunden kommen aus ganz Europa. Denn keiner baut die alten Kleinlaster so originalgetreu und detailverliebt wieder auf wie er. Keiner hat so eine Logistik rund um das Kultauto, das heute als Liebhaberstück gilt. Auf drei Etagen befinden sich Werkstatt, Ersatzteillager, Teileproduktion und Museum.

Der Film begleitet mit der Kamera, wie in zehn Monaten aus dem vermeintlichen Schrotthaufen wieder ein Kleintransporter Marke Framo wird.

In der Garage: Ein umgangssprachlich als "Framo" bezeichneter Kleintransporter.
In der Garage: Ein umgangssprachlich als "Framo" bezeichneter Kleintransporter. Bildrechte: MDR/Daniela Posern

Framo - das steht für Frankenberger Motorenbau. Gegründet 1923 als „Metallwerke Frankenberg GmbH" von DKW-Patriarch Jørgen Skafte Rasmussen. Damals arbeitete der Betrieb noch für das Zschopauer Motorenwerk und stellte nur Motorradteile her. Mit wachsendem Erfolg produzierte man schließlich auch einen Personenkraftwagen der untersten Klasse - einfach, billig und doch leistungsfähig. Der Framo war geboren. Er verbindet  die Einfachheit des Motorrads mit den breiteren Einsatzmöglichkeiten des Autos. Ein echtes Arbeitstier und der Vorgänger des bekanntesten Kleintransporters der DDR, dem Barkas B 1000. Der lief 1961 erstmals vom Band und galt für damalige Verhältnisse als absolut moderner Lieferwagen, der sich locker mit dem VW-Bus messen konnte. Doch die Plan- und Mangelwirtschaft der DDR tat ihr Übriges. Der B 1000 verlor den Anschluss, nach der Devise „ausbessern statt weiterentwickeln".

Doch wie die ehemaligen Barkas-Werker Horst Klautke und Jürgen Rehm erzählen, ist das nur der eine Teil der Geschichte. Sie erinnern sich an ein hochspannendes und sehr geheimes Projekt aus dem Jahr 1968: Die Modernisierung des B 1000 mit Viertaktmotor und neuem Design. Leider ging der Wagen nie in Serie. Die Gründe dafür und wie die einzigen drei Prototypen an der Parteiführung vorbei heimlich gerettet wurden – auch davon erzählt dieser Film.

Mit Siegfried Bülow, dem letzten Leiter der Barkas-Werke, wird an das Ende dieser Ära erinnert. Der spätere Chef des Leipziger Porsche-Werks schildert seinen Aufstieg vom Werkzeugmacher zum Betriebsleiter und erzählt vom schmerzlichsten Tag seiner Karriere: Als er vor 1000 Mitarbeitern das Aus des Betriebes und hunderter Jobs verkündet. Die überraschende Reaktion seiner Belegschaft rührt ihn noch heute zu Tränen.

Die Geschichte von Framo und Barkas ist also nicht nur ein Stück deutsche Automobilgeschichte. Sie ist eine Geschichte voller Emotionen. Daniela Posern trifft Menschen, denen die Gefährte echte Gefährten fürs Leben wurden. Menschen, denen beim Anblick ihres neuen Oldtimers die Tränen in die Augen steigen.