MDR | 25.06.2020 Die Westmark kommt – MDR erinnert an 30 Jahre Währungsunion

Müntzer, Zetkin, Goethe, Engels und Marx: Sie zierten die 5 bis 100 Mark-Scheine der DDR – bis sie am 1. Juli 1990 aus Millionen Portemonnaies, Sparstrümpfen und Konten verschwanden. Die „MDR Zeitreise“ erinnert am 28. Juni, 22.10 Uhr im MDR-Fernsehen, an die turbulente Einführung der D-Mark und den größten Geldtransfer in der deutschen Geschichte.

Tag der Währungsunion Deutschland, Berlin, 01.07.1990, Mann mit D-Mark und DDR Ausweis.
Tag der Währungsunion Deutschland, Berlin, 01. Juli 1990. Bildrechte: imago/Rolf Zöllner

Die Regale sind geplündert. Das Fleisch haben die Arnstädter in ihren Kühltruhen gebunkert. Seit einigen Tagen gibt es Hamsterkäufe auch an den Tankstellen, wo sich endlos lange Trabbi-Schlangen bilden. Es gibt nicht mal mehr Toilettenpapier. In Eisenach ist vielfach weder Brot, Milch noch Zucker zu bekommen. Alles ist ausverkauft. Was ein wenig an die Corona-Hamsterkäufe vom März 2020 erinnert, war vor 30 Jahren DDR-weit gelebte Realität.

Auslöser der großen Welle von Hamsterkäufen in den letzten Junitagen des Jahres 1990, ist die D-Mark, die ab 1. Juli neues Zahlungsmittel der DDR wird. Ein Drittel aller Spar-Einlagen werden von einem Tag auf den anderen zum Kurs eins zu eins „umgerubelt“.  Wochenlang laufen für diesen gewaltigen Geldtransfer und den größten Geldtransport der deutschen Geschichte die Vorbereitungen. 

In Dresden agiert dabei ein Mann mit besonders unbändigem Organisationstalent: Sparkassen-Direktor Manfred Wenzel wird im Sommer 1990 unerwartet Herr über hunderte Millionen D-Mark. Er muss plötzlich Interviews geben, Gabelstapler fahren und Maschinenpistolen für den Ernstfall im Hinterhof bereithalten. Erstmals zu Wort kommt auch der letzte DDR-Regierungssprecher und späterer Chefredakteur und Hörfunkchef von MDR THÜRINGEN, Matthias Gehler, der von einem kuriosen Werbe-Trickfilm erzählt, der den Ostdeutschen die neue Marktwirtschaft erklären sollte.

Die „MDR-Zeitreise“ erzählt neben turbulenten Geschichten auch von den Schattenseiten der Währungsreform. Denn mit dem neuen Geld kommen nicht nur Kaufkraft und eine bunte Warenwelt, sondern auch abgewickelte Betriebe und Massen-Arbeitslosigkeit. Die Ostmark und damit auch die meisten Ostprodukte sind praktisch über Nacht wertlos.

Das von Janett Eger moderierte Geschichtsformat „MDR Zeitreise“ behandelt jeden Sonntagabend spannende Gegenwartsfragen in historischer Perspektive.