MDR I 20.05.2022 MDR-Talk „Fakt ist!“ zum Thema: „Das Neun-Euro-Ticket – ein Sommermärchen?“

Unterwegs mit Bus, Straßenbahn oder Zügen des Nahverkehrs – und das für nur neun Euro pro Monat. Ab Juni soll das in Deutschland ein Vierteljahr lang möglich sein. Doch nicht alle freut das. Über Sinn und Nutzen des Neun-Euro-Tickets diskutiert die Runde bei „Fakt ist!“ aus Magdeburg am 23. Mai 2022. Zu sehen ist der MDR-Talk ab 20.30 Uhr im Livestream auf mdr.de/tv und auf dem MDR-YouTube-Kanal sowie um 22.10 Uhr im MDR-Fernsehen und im Anschluss in der ARD Mediathek.

9-Euro-Monatsticket
9-Euro-Monatsticket Bildrechte: IMAGO/Wolfgang Maria Weber

Es ist eine Maßnahme, die in Zeiten steigender Energie- und Rohstoffpreise vor allem Berufspendler entlasten soll. Preiswert reisen im Nahverkehr, noch dazu durch ganz Deutschland – das soll Leute dazu bringen, ihr Auto öfter stehen zu lassen. Diese Maßnahme hätte auch einen ökologischen Effekt: wer umsteigt, senkt den CO2-Ausstoß. Der Bundesregierung ist das immerhin 2,5 Milliarden Euro wert.

Doch am Neun-Euro-Ticket regt sich Kritik. Befürchtet wird ein Massenansturm auf Bus und Bahn, der die Verkehrsunternehmen überfordern könnte. Vor allem aber wird bemängelt, dass das Ticket und seine entlastende Wirkung viele Menschen gar nicht erreichen. Es funktioniert vor allem dort, wo es bereits einen gut ausgebauten und attraktiven Nahverkehr gibt. Auf dem Land – wo es weit ist bis zum nächsten Bahnhof und der Bus nur ein paar Mal am Tag fährt – werden die Menschen wohl weiter in die Röhre schauen. Oft ist das Auto zeitlich nicht zu schlagen und das Neun-Euro-Ticket keine Alternative.

Auch die MDRfragt-Gemeinschaft sieht das kritisch. Nur 14 Prozent der Befragten glauben, dass die Menschen dank des Tickets dauerhaft auf Bus und Bahn umsteigen. Gut zwei Drittel von ihnen finden deshalb, dass man die Milliarden dafür sinnvoller in den Ausbau des Nahverkehrs investiert hätte.

Hinzu kommt ein großer Verwaltungsaufwand, um das gut gemeinte Vorhaben der Politik in die Tat umzusetzen. Schon werden Stimmen laut, die fragen, ob man den Nahverkehr für das Vierteljahr nicht gänzlich kostenlos hätte anbieten können. Dass das geht, zeigt das Beispiel Luxemburg: seit zwei Jahren ist dort der ÖPNV völlig kostenfrei. Und in Österreichs Hauptstadt Wien kostet er einen Euro pro Tag.

Wem nützt also das Neun-Euro-Ticket? Ist es eine gerechte und faire Maßnahme oder ein unüberlegter Schnellschuss? Und was können Staat und Verkehrsplaner aus dem Feldversuch lernen?

Darüber diskutiert Anja Heyde mit folgenden Gästen:

Lydia Hüskens, Vorsitzende der FDP Sachsen-Anhalt, steht am Eingang eines Bürogebäudes.
Bildrechte: dpa

Lydia Hüskens, FDP

Lydia Hüskens, FDP

Ministerin für Infrastruktur und Digitales

"Das Ticket ist Teil eines Pakets, um die Menschen in unserem Land – angesichts sprunghaft gestiegener Energiepreise – zu entlasten."

Blonde, junge Frau in Anzug
Bildrechte: studioline Fotostudio Leipzig

Vivian Draschoff

Vivian Draschoff

Deligierte für Sachsen-Anhalt für den Bereich Mobilität und Verkehr (Die Grünen)

"Das Ticket verfehlt das Ziel, eine breite Masse der Bevölkerung, insbesondere im ländlichen Raum, tatsächlich zu entlasten und zur dauerhaften Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs zu bewegen."

Mann mit Brille, Bart und Halbglatze in Anzug
Bildrechte: Michael Kretzschmar

Prof. Georg Hirte

Prof. Georg Hirte

Verkehrsexperte an der TU Dresden

"'Ich nehme das Schnäppchen dann mal mit' – nachhaltige Wirkungen sind sehr unwahrscheinlich."

Mann mit schwarzer Brille und sehr kurzen Haaren in Anzug
Bildrechte: Stefan Dietrich

Stefan Dietrich

Stefan Dietrich

Pressesprecher Abellio Rail Mitteldeutschland

"Das Ticket bietet eine große Chance, noch mehr Menschen vom ÖPNV zu überzeugen. Es braucht aber langfristig mehr Engagement beim Ausbau eines attraktiven Nahverkehrs."

Bürgerreporter Stefan Bernschein war selbst mit der Bahn im Nahverkehr unterwegs und spricht mit Pendlern sowie Vertretern von Verkehrsunternehmen und der Eisenbahnergewerkschaft EVG.

Im Anschluss an den Talk werden Peter Panitz von der Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt GmbH und Birgit Münster-Rendel von den Magdeburger Verkehrsbetrieben von ca. 21.30 bis 22.00 Uhr im Stream und auf dem Facebook-Kanal von MDR SACHSEN-ANHALT live User- und Zuschauerfragen beantworten. Vorab können diese bereits über faktist@mdr.de sowie auf der Facebook-Seite von MDR SACHSEN-ANHALT gestellt werden.