MDR | 05.11.2021 Zwischen Heimatgefühlen und Vorurteilen: MDR-Dokumentation beleuchtet das Leben schwarzer Deutscher in Mitteldeutschland

Deutschland ist ihre Heimat, sie haben einen deutschen Pass, einen Beruf und Familien gegründet. Nur eines unterscheidet sie von anderen – ihre Hautfarbe. Die Dokumentation „Respekt! Deutsch. Schwarz. Erfolgreich.“ vermittelt anhand persönlicher Eindrücke, was es bedeutet, in Mitteldeutschland zuhause zu sein und doch nicht ganz dazuzugehören – ab 6. November in der ARD Mediathek und am 11. November um 22.40 Uhr im MDR-Fernsehen.

Filmemacher Ared Hubert und Juliana Gombe
Filmemacher Ared Hubert und Juliana Gombe Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ihre Eltern kamen als Studierende oder Vertragsarbeiterinnen und Vertragsarbeiter in die DDR, z. B. aus Angola oder Mosambik. Andere fanden in Deutschland Zuflucht und eine neue Heimat. Sie sind hier zuhause. Mit einem Unterschied: Sie sind schwarz. Filmemacher Ared Hubert kennt das Gefühl, von hier zu sein und doch nicht dazuzugehören, es ist Teil seiner eigenen Lebensrealität. Sein Vater kam als Student aus Guinea in die DDR. Auf einer Reise durch Mitteldeutschland trifft Hubert Menschen, die wie er schwarze Deutsche sind.

Manuel Rost
Manuel Rost Bildrechte: MDR/FC Rot-Weiß Erfurt

So wie Manuel Rost, Trainer der ersten Herrenmannschaft des FC Rot-Weiß-Erfurt. Er wurde in einem kleinen Dorf bei Gotha geboren. Die verwunderten Blicke, Fragen nach der Herkunft und der häufige Hinweis, dass er „anders“ aussieht, begleiten ihn seit der Kindheit: „Der Moment, in dem es passiert, der ist immer unangenehm und immer mit Schmerzen verbunden. Zumindest mit emotionalen Schmerzen. Und das ist der Punkt, den ich auch immer wieder Leuten zu vermitteln versuche, dass das sehr weh tut. Dass man das nur sehr schwer beschreiben kann, was das innerlich mit einem macht.“

Auch Doreen Denstädt ist in Thüringen geboren und arbeitet dort als Polizistin. Dabei war die Polizei für sie als Jugendliche ein rotes Tuch. Sie erlebte die Nachwendejahre, in denen in Ostdeutschland vielerorts Hass, Rassismus und Gewalt aufflammten, in Erfurt-Nord. Als schwarzes Mädchen musste sie nach Halt, Zuflucht und Schutz suchen: „… Die hatten Springerstiefel an, die hatten weiße Schnürsenkel. Da hat man schon von weitem erkannt, von dem halte ich mich fern. Heute ist es so, dass sich gerade dieser Alltagsrassismus und das rechtspopulistische Auftreten auch hinter einer normalen Person verstecken können. Und ich glaube, das ist das Anstrengende: Wenn man zum Bäcker geht, dass man es mit Alltagsrassismus zu tun bekommen kann, obwohl man nicht damit rechnet.“

Die Dokumentation ist ab 6. November in der ARD Mediathek abrufbar und wird am 11. November, 22.40 Uhr im MDR-Fernsehen ausgestrahlt.

Bildergalerie Respekt! Deutsch. Schwarz. Erfolgreich.

Doreen Denstädt
Sie sind hier zuhause, haben einen deutschen Pass, einen Beruf, Familien gegründet und lieben ihren Kleingarten, ihren Fußballverein. Ein Detail allerdings trübt die Idylle: Sie sind Schwarz und erleben Rassismus. Sie erzählen sehr persönlich von ihren Träumen, Ängsten, Enttäuschungen, Ausgrenzungen und Glücksmomenten. Bildrechte: MDR/Ared Hubert
Doreen Denstädt
Sie sind hier zuhause, haben einen deutschen Pass, einen Beruf, Familien gegründet und lieben ihren Kleingarten, ihren Fußballverein. Ein Detail allerdings trübt die Idylle: Sie sind Schwarz und erleben Rassismus. Sie erzählen sehr persönlich von ihren Träumen, Ängsten, Enttäuschungen, Ausgrenzungen und Glücksmomenten. Bildrechte: MDR/Ared Hubert
Ared Hubert und Juliana Gombe
Die Wurzeln von Regisseur Ared Hubert (re.) liegen in Afrika. Sein Vater kam als Student aus Guinea in die DDR. Er ist in Dresden geboren und lebt heute mit seiner Familie in Leipzig.  Bildrechte: MDR/Susann Reich
Juliana Luisa Gombe
Juliana Luisa Gombe stammt aus Angola und ist heute in Magdeburg zu Hause. Menschen, die sie wegen ihrer Hautfarbe rassistisch beschimpfen, anfeinden und attackieren, versucht sie davon zu überzeugen, dass das der falsche Weg ist. Bildrechte: MDR/Ared Hubert
Manuel Rost
Manuel Rost trainiert seit Sommer 2020 die erste Herrenmannschaft von Rot-Weiß-Erfurt. Wie hat ihn die Anfeindung, die er schon als kleiner Junge auf dem Fußballfeld erfahren musste, geprägt? Wie begegnet er heute rassistischen Beleidigungen? Der Film erzählt eindrucksvoll wie es sich anfühlt, hinterfragt, ausgegrenzt und benachteiligt zu werden auf Grund der Hautfarbe. Bildrechte: MDR/FC Rot-Weiß Erfurt
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