MDR | 20.11.2020 Deutsch-tschechische Aufarbeitung in der MDR-Koproduktion „Vertreibung. Odsun. Das Sudetenland“

Die deutsch-tschechisch-österreichische Koproduktion beleuchtet das Verhältnis von Tschechen und Deutschen von 1918 bis heute und bemüht sich um eine gemeinsame Aufarbeitung. Es geht um Gewaltherrschaft, Vertreibung und schließlich Versöhnung. Die zweiteilige Dokumentation ist am 24. November und am 1. Dezember jeweils um 22.10 Uhr im MDR-Fernsehen zu sehen. In der ARD Mediathek sind beide Teile bereits ab 24. November abrufbar.

„Vertreibung. Odsun. Das Sudetenland“ Die zweiteilige Dokumentation ist am 24. November und am 1. Dezember jeweils um 22.10 Uhr im MDR-Fernsehen zu sehen. In der ARD Mediathek sind beide Teile bereits ab 24. November abrufbar.
„Vertreibung. Odsun. Das Sudetenland“ Bildrechte: MDR

„Jahrzehntelang war die Vertreibung der Sudetendeutschen 1945 in Tschechien ein Tabu-Thema, das bis heute nachwirkt. 75 Jahre nach Kriegsende hat sich ein tschechisch-deutsches Autorenteam an die Arbeit gemacht, dieses schwierige historische Kapitel gemeinsam aufzuarbeiten. Ich möchte die Offenheit und Bereitschaft der Verantwortlichen des Öffentlich-rechtlichen Fernsehens in Prag hierbei besonders hervorheben. Dieses Projekt ist ein Ergebnis der seit Jahren engen und vertrauensvollen Zusammenarbeit zwischen dem MDR und Ceská televize, auch in der tagesaktuellen und grenzüberschreitenden Berichterstattung“, unterstreicht MDR-Intendantin die Bedeutung der gemeinsamen Produktion.

Der erste Teil des Filmes schaut aus der Gegenwart zurück auf die Vertreibung nach 1945 und ihre Vorgeschichte, die nationalsozialistische Gewaltherrschaft in der Tschechoslowakei.

Durch die Vertreibung, auf Tschechisch „Odsun“, mussten drei Millionen Sudetendeutsche ihre Heimat verlassen. Orte wie Königsmühle (Kraluv mlýn) im Erzgebirge sind zu einem Symbol für diese Geschichte geworden. Alle 53 Bewohner wurden nach dem Krieg Opfer der sogenannten wilden Vertreibungen. Rosemarie Ernst, vermutlich die letzte in Königsmühle geborene Deutsche, erzählt von dem Trauma, das die monatelange Odyssee nach Deutschland bei ihr und vielen der Vertriebenen hinterließ. Heute lebt Rosemarie Ernst in Oberwiesenthal, in Sichtweite zu ihrem Heimatort Königsmühle.

Mittlerweile sorgen junge Tschechen und Deutsche dafür, dass die Erinnerung an Königsmühle erhalten bleibt. Dafür haben sie ein jährlich stattfindendes Festival ins Leben gerufen. Im Film kommen neben Zeitzeugen die tschechische Schriftstellerin Katerina Tucková oder Petr Miksícek, Mitbegründer der Gruppe Antikomplex, zu Wort. Historiker aus beiden Ländern geben einen Einblick in den Stand der Aufarbeitung. Teil eins läuft am 24. November um 22.10 Uhr im MDR-Fernsehen.

Der zweite Teil der Dokumentation „Vertreibung. Odsun. Das Sudetenland“ schlägt einen Bogen von den Vertreibungen unmittelbar nach Kriegsende bis ins Heute. Ein Überlebender erinnert sich an „Todesmarsch von Brünn“. 27.000 deutschsprachige Einwohner wurden am 1. Juni 1945 aus der Stadt getrieben. Wie viele von ihnen den über 50 Kilometer langen Fußmarsch überlebt haben, ist bis heute nicht bekannt. 2015 hat sich die Stadt Brünn (Brno) bei allen Opfern dieser Jahre entschuldigt, auch bei den Deutschen. Ausgestrahlt wird der zweite Teil der Dokumentation am 1. Dezember 2020 um 22.10 Uhr im MDR-Fernsehen.

Das deutsch-tschechische Autoren-Duo Matthias Schmidt und Vít Polácek hat einen Film erarbeitet, der emotional, ungeschönt und dennoch versöhnlich von einem schwierigen Kapitel der europäischen Geschichte erzählt, das bis heute nachwirkt.

Das Projekt ist eine internationale Koproduktion von LOOKSfilm, dem Mitteldeutschen Rundfunk, Ceská televize und dem ORF in Zusammenarbeit mit Arte. Gefördert wurde es von der Mitteldeutschen Medienförderung, Creative Europe Media und dem Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds.