MDR Sinfonieorchester
Bildrechte: MDR/Christiane Höhne

MDR | 06.12.2018 Zeitdokument aus sächsischem Braunkohle-Tagebau: MDR-Sinfonieorchester spielt live zum Stummfilm „Sprengbagger 1010“

MDR Sinfonieorchester
Bildrechte: MDR/Christiane Höhne

Ein seltener Glücksfall ist die Überlieferung der Originalmusik Walter Gronostays zum Stummfilm „Sprengbagger 1010“ – gedreht im westsächsischen Braunkohle-Tagebaugebiet im Sommer 1929. Anlässlich des Bauhaus-Jubiläums 2019 begleiten das MDR-Sinfonieorchester und Dirigent Ernst Theis den Streifen um Fluch und Segen der modernen Technik live in der Schaubühne Lindenfels. Dabei ist am 10. Januar um 20 Uhr nicht nur ein Sinfonieorchester gefragt, sondern auch ein Sprechchor und besondere Musikinstrumente.

In den Leuna-Werken stampfen die Maschinen, durch die westsächsische Landschaft gräbt sich ein monströser Bagger – beeindruckende Bilder findet Regisseur Carl Ludwig Acház-Duisberg für Fluch und Segen des technischen Fortschritts des 20. Jahrhunderts. Dass ein Tagebau Lebensräume zerstört und tiefe Narben im Ökosystem hinterlässt, klingt aktuell, ist aber hier bereits Fazit eines der letzten deutschen Stummfilme aus dem Jahr 1929. Ein junger Ingenieur entwickelt darin einen neuen und leistungsstarken Braunkohlebagger, der großen Profit für einen skrupellosen Industriemogul (Heinrich George) verspricht. Doch der erfolgreiche Braunkohleabbau fordert einen hohen Tribut vom jungen Ingenieur: den Verlust von Familie und Heimat. „Ein großes Thema“, urteilte die Presse bereits vor 90 Jahren über den Plot von „Sprengbagger 1010“.

Aber nicht nur deshalb ist dieser Streifen zwischen Industriefilm und Melodram ein beeindruckendes Dokument aus einer Zeit, in der neue Einfachheit propagiert wird und Technikbegeisterung einen vorläufigen Höhepunkt findet: Der Schönberg-Schüler Walter Gronostay (1906 – 1937) komponierte die Begleitmusik und gab den Bildern den passenden Breitwandsound. Zur Vorführung des Stummfilms spielt das MDR-Sinfonieorchester die vollständige Originalpartitur in der Einrichtung des Mainzer Komponisten Bernd Thewes. Nicht nur ein Sinfonieorchester kommt hier zum Einsatz, sondern auch ein achtköpfiger Sprechchor. Mit Windmaschinen, Sirenen und Megaphone nimmt Gronostay auf die Geräusche der Maschinen Bezug und stärkt den Ausdruck des Films mit den Mittel der Moderne. Schon früh beschäftigte er sich intensiv mit den noch jungen Massenmedien Rundfunk und Film – sowohl als Komponist als auch mit der Gestaltung von Radiosendungen.

Am Pult des MDR-Sinfonieorchesters steht in der Schaubühne Lindenfels der österreichische Dirigent Ernst Theis, dessen Repertoireschwerpunkte von Wiener Klassik über arteigene Rundfunkmusik bis Avantgarde reichen. Nach Stationen bei den Österreichischen Kammersymphonikern und als Kapellmeister der Wiener Volksoper war er von 2003 bis 2013 Chefdirigent der Staatsoperette Dresden.

Ticketszu 22 Euro sind erhältlich unter Tel.: (0341) 94 67 66 99, unter www.mdr-tickets.de und bei der Ticketgalerie (Hainstraße 1, Barthels Hof).

Weitere Informationen: www.mdr-klassik.de

Zuletzt aktualisiert: 06. Dezember 2018, 12:17 Uhr