Klimaaktivistin im Interview "Wir haben ein fettes Problem."

Was können wir selber für den Klimaschutz tun? Die Klimaaktivistin und Sprecherin von "Fridays for Future" Pauline Brünger spricht über ihr Engagement und darüber, was man im Alltag für ein gutes Klima tun kann.

Fridays for Future Aktivistin Pauline Brüner
Bildrechte: Pauline Brünger

Sie haben mal gesagt, die Forderungen der „Fridays for Future“-Bewegung basieren einzig und allein auf wissenschaftlichen Erkenntnissen. Macht es Sie dann umso wütender, wenn doch nichts in Sachen Klimaschutz passiert?

Pauline Brünger:

Wir wollen eigentlich wirklich nur, dass ein Vertrag eingehalten wird, den wir selber beschlossen haben. Das Pariser Klimaschutzabkommen wurde international 2015 verhandelt. 2016 haben das dann damals alle Parteien im Deutschen Bundestag mitgetragen und unterstützt. Und trotzdem sind wir jetzt in dieser misslichen Lage, wo wir auf eine fast ungebremste Klimakatastrophe zu schlittern. Und das ist natürlich dramatisch.

Warum tut keiner was?

Pauline Brünger:

Ich wünschte, ich wüsste es so ganz genau, weil ich glaube, bis zu einem gewissen Grad kann ich es mir nicht erklären. Also, dass man sagt, die Fakten liegen auf dem Tisch, und es sind nicht mehr nur Studien. Es sind nicht mal mehr nur Prognosen, sondern wir wissen ja jetzt schon, wie die Welt aussieht, wenn sie gerade ein bisschen mehr als ein Grad heißer ist. Und was da jetzt noch kommt, also ich möchte mir das gar nicht vorstellen. Und natürlich muss man sagen, es gibt auch ganz ganz viele Interessen, nichts gegen die Klimakrise zu machen. Also zum Beispiel große Unternehmen, die immer noch ihren Profit damit machen, dass sie weiter Kohleverstromung vorantreiben.  Und wenn wir jetzt auf den Wahlkampf gucken, die letzten Wochen: Dann sind das immer so Debatten, was kostet das denn jetzt, wenn wir Klimaschutz machen und wie sehr leiden die Menschen darunter? Es ist ja natürlich, dass Menschen auch so ein bisschen sagen, es geht mir ein bisschen zu schnell oder es macht mir Angst. Das kann ich auch nachvollziehen. Aber es gibt niemanden, der sich mal hinsetzt und sagt, Leute, wir stecken in der riesig großen Krise. Wir haben ein fettes Problem. Und es wird auch anstrengend, da raus zukommen. Das gehört zu der Wahrheit dazu. Aber wenn wir das zusammen machen, wenn wir uns gerechte Lösungen überlegen, dann klappt das auch. Und ich glaube, das ist das, was wir jetzt eigentlich bräuchten.

Wann ging das bei Ihnen los, dieses Engagement fürs Klima?

Pauline Brünger:

Ich kann es gar nicht mehr so ganz zurückverfolgen. Ich glaube, dieses große Thema hat mich schon interessiert, als ich im Grundschulalter war. Damals aber auch nur so auf eine sehr kindliche naive Art. Damals habe ich festgestellt, Sachen laufen vielleicht nicht ganz so, wie sie laufen sollten. Und man hat ja auch damals auch als Kind das mitbekommen, also große Naturkatastrophen überall in der Welt. Und die Menschen, die auch darunter leiden. Und dann sieht man, niemand macht was dagegen. Und das ist dann, je älter ich geworden bin, immer stärker so geworden. Die Prognosen waren da, die Wissenschaft war da und in die Politik fällte weiter eine Entscheidung nach der nächsten, die eigentlich genau das befeuert hat, was am Ende unsere Lebensgrundlagen zerstört.

Gab es so was, wie eine Initialzündung, sich zu interessieren. Was ist gut? Was ist schlecht?

Pauline Brünger:

Ich bin Vegetarierin geworden, da war ich noch im Grundschulalter. Weil ich dachte, wie kann das sein, dass wir den Tieren so weh tun.  Das war, glaube ich damals wirklich so eine total kindliche Überzeugung. Aber Kinder haben auf einer Ebene auch ein gutes Verständnis, was einem vielleicht doch irgendwie abhanden kommt, je älter man wird. Also fühlt sich das richtig an, dass wir zum Beispiel einen großen Ölkonzern haben und der macht seine Geschäfte und Millionen Menschen und Tiere leiden darunter? Nein.

Sind Sie manchmal ein bisschen frustriert von der Politik oder von dem, was eigentlich getan werden müsste und nicht passiert?

Pauline Brünger:

Unsere Ansprüche sind natürlich sehr, sehr hoch. Wir schlittern auf diese Katastrophe zu, und es ist nur noch ganz, ganz wenig Zeit da, um was zu ändern. Und gemessen an dieser Dringlichkeit macht halt niemand genug. Aber trotzdem kann man, glaube ich, anerkennen, dass in den letzten zweieinhalb Jahren sich sehr, sehr viel klimapolitisch bewegt hat, auch weil junge Menschen auf die Straßen gegangen sind.

Ist es manchmal auch ein bisschen so eine Wut auf die ältere Generation, nicht genug gemacht zu haben?

Pauline Brünger:

Also ich glaube zur Wahrheit gehört natürlich auch, dass wahnsinnig viel verschlafen wurde. Aber ich glaube eher von den mächtigen Menschen in dieser Gesellschaft, von Menschen in der Wirtschaft, von Menschen in der Politik. Und ich glaube, es bringt uns nicht weiter, wenn wir da jetzt einen Konflikt draus machen und sagen, du hast Schuld.  Am Ende müssen wir es ja alle irgendwie gemeinsam angehen. Und ich glaube, da ist es wichtig, einen Blick in die Zukunft zu richten.

Infos zu Pauline Brünger: Sie unterstützte schon als Kind die Umweltorganisation Greenpeace. Von Beginn an demonstriert sie bei "Fridays for Future" mit. 2020 übernimmt sie das Social Media Management und wird die Sprecherin der Klimaschutzbewegung in Deutschland.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 04. Oktober 2021 | 17:00 Uhr

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