Daten und Informationen Sicher im Netz surfen

Wir nutzen es ständig, wenn wir mal schnell etwas wissen wollen: das Internet. Aber manchmal kann uns die Informationsflut schlicht überfordern. Wie also schaffen wir es, mehr Durchblick zu bekommen. Wie schütteln wir Datensammler ab, können Fakten von Fake-News unterscheiden, welche Cookies sind sinnvoll und was ist eigentlich ein Algorithmus?

Computer-Nutzer 2012 in einer Wohnung, Internetverbindung über W-Lan-Router
Bildrechte: imago/Jochen Tack

Fast alle sind mittlerweile im Internet unterwegs, suchen nach Informationen, Wegbeschreibungen oder erledigen Bankgeschäfte. Das Internet und unsere Smartphones sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Umso wichtiger, dass wir vorsichtig mit dem Verbreiten persönlicher Daten und Gewohnheiten sind.

Und dazu gehören nicht nur viele verschiedene und vor allem sichere Passwörter, sondern auch das Wissen, wie das Internet eigentlich funktioniert. Ein Phänomen sind Webseiten, die im sogenannten "Dark Patterns Design" programmiert sind.

Dark Patterns – Wie Webseiten uns mit manipulativem Design steuern

Ein Hacker sitzt vor einem Computer.
Bildrechte: imago images / Panthermedia

Wer im Internet unterwegs ist, kennt sie als den Bestätigungs-Button, den man niemals anklicken sollte, oder als das Feld, das dem Nutzer mit einem unüberlegten Klick ein ungewolltes Probe-Abo oder einen lästigen Newsletter beschert. "Dark Patterns" – auf Deutsch dunkle Muster oder Schemata - werden von Betreibern diverser Webseiten eingesetzt, um Nutzer zu einem bestimmten, für ihre (Geschäfts-)Zwecke günstigen Surfverhalten zu verleiten.

Was sind Dark Patterns?

Ein Mann vor einem Laptop mit einer aufgerufenen ebay-Seite.
Bildrechte: imago/Rüdiger Wölk

"Dark Patterns" nutzen oft von Nutzern erlernte Bedienmuster und konditionierte Reaktionen aus. Das hat viel mit Verhaltenspsychologie zu tun: Die Oberflächengestaltung einer Website oder App ist oft deshalb so intuitiv, weil das Design auf psychologischen Erkenntnissen über das Nutzerverhalten im Internet beruht. Die Gestaltung einer Webseite spricht also instinktive Reaktionen an: Besuchen Nutzer häufig Websites, haben sie beispielsweise gelernt, einen farbig hinterlegten Text als Button zu erkennen. Sie wissen, dass dadurch eine Aktion ausgelöst wird.

Genau diese gelernten Verhaltensmuster nutzen Internetbetreiber aber, um über gezielt eingesetzte Dark Patterns Handlungen herbeizuführen, die Nutzer vielleicht gar nicht tätigen wollten. Durch unterbewusste Beeinflussung und gezieltes Design wollen sie Menschen dazu verleiten, mehr zu kaufen oder bestimmte Dienste in Anspruch zu nehmen, die sie ursprünglich nicht wollten. So können insbesondere weniger internetaffine Nutzer wie Senioren, Kinder und Jugendliche leicht manipuliert und getäuscht werden können.

Wie erkenne ich manipulative Designs?

"Nur noch ein Artikel verfügbar!" Diese oder ähnliche Einblendungen bekommt man häufig in Online-Shops oder auf Buchungsportalen zu sehen, wenn man nach bestimmten Produkten, Pauschalreisen oder Unterkünften sucht. Während dieser Versuch, eine Art "Torschlusspanik" beim Nutzer zu erzeugen, noch vergleichsweise plump ist, funktionieren andere Dark Patterns subtiler. So werden beispielsweise Buttons zur Abmeldung von Abonnements besonders klein gehalten und auf der Website versteckt, während die Verlängerung automatisch passiert.

Derzeit werden "Dark Patterns" auch häufig bei der Gestaltung von Cookie-Bannern eingesetzt. Mit diesen holen Nachrichtenseiten, Verlagsangebote und viele andere Online-Dienste die Erlaubnis ihrer Nutzer ein, deren Surfverhalten aufzuzeichnen. Mit den so gewonnenen Daten können umfangreiche, individuelle Profile erstellt und an Drittfirmen der digitalen Werbewirtschaft weitergegeben werden.

Was bezwecken Dark Patterns?

Manipulatives Design auf Webseiten wird häufig verwendet, um an die persönlichen Daten von Nutzern zu kommen. Immer mehr Geschäftsmodelle im Internet basieren darauf, Daten von Nutzern zu sammeln, auszuwerten und zu verkaufen. Deshalb werden auch digitale Oberflächen so gestaltet, dass Nutzer möglichst viele Daten mit den Unternehmen teilen und die Verarbeitung erlauben.

"Dark Patterns" werden auch dazu eingesetzt, um Verbrauchern Abonnements und andere Verträge unterzujubeln. Und schließlich werden sie benutzt, um Menschen zur besonders langen und intensiven Nutzung von Apps zu bringen.

Warum ist das problematisch?

Bei vielen in der Praxis auftretenden "Dark Patterns" handelt es sich um "sanfte" und isolierte Formen der Einflussnahme, die häufig vertretbare Marketing-Praktiken eines Unternehmens sind. Sie sind für Nutzer zwar störend, gleichzeitig aber mit vergleichsweise überschaubaren Nachteilen oder Schäden für Verbraucher verbunden. Hierzu können beispielsweise sprachliche Formulierungen wie "Wollen Sie wirklich auf Rabattaktionen und Gutscheine verzichten?" oder ein schwer auffindbarer "Abmelden-Button" in einer Werbe-Email gezählt werden.

Genauso existieren aber auch extrem problematische Dark Patterns, die viele verschiedene Techniken der Einflussnahme kombinieren. Sie führen beispielsweise dazu, dass Menschen Schwierigkeiten haben, kostspielige Abos oder Verträge zu kündigen – wodurch ihnen wiederum finanzielle Verluste entstehen. Werden diese Praktiken durch Anbieter eingesetzt, auf deren Webseiten Millionen von Nutzern zugreifen, verschärft sich das Problem.

Wie schütze ich mich vor Manipulationsversuchen?

Rechtlich bewegen sich Dark Patterns in einer Grauzone. Internetnutzer können jedoch bestimmte Vorsichtsmaßnahmen einhalten, um sich von ihnen nicht zu ungewollten Handlungen verleiten zu lassen:

  1. Nicht zu schnell auf Buttons klicken: Schauen Sie sich bei jedem Pop-Up genau an, welche Optionen Sie haben. Zur Sicherheit nutzen Sie einen Pop-Up-Blocker.
  2. Checkboxen überprüfen: Achten Sie bei Formularen genau auf die Formulierungen von Texten.
  3. Warenkorb überprüfen: Sehen Sie sich alle Produkte in Ihrem Warenkorb vor Abschluss der Bestellung noch einmal an.
  4. Übereilen Sie die Kaufentscheidung nicht: Auch wenn angeblich nur noch wenige Artikel vorhanden sind oder anscheinend gerade viele Nutzer sich den gleichen Artikel anschauen, sollten Sie sich nicht zu einem Kauf drängen lassen.
  5. Lassen Sie sich kein schlechtes Gewissen machen. Das ist etwa bei Sonderangeboten der Fall. Auch der unschlagbare Preisvorschlag kann zu teuer sein, wenn Sie das Produkt eigentlich gar nicht brauchen. Dasselbe gilt für Newsletter: Natürlich spricht es für Sie, wenn Sie gut informiert sein wollen. Doch zu viele Newsletter zu Themen, die Sie eigentlich gar nicht interessieren, bringen das Email-Postfach leicht zum Überlaufen.

Quelle: MDR um 4

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 23. August 2021 | 17:00 Uhr

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