Neue EU-Richtlinie Für wen ein Drohnenführerschein jetzt Pflicht ist

Am 31. Dezember tritt die neue EU-Drohnenverordnung in Kraft. Welche Drohnenpiloten sich dann zwingend registrieren lassen müssen oder einen Drohnenführerschein benötigen, erklären wir hier.

Drohne
Wer eine Kamera mitfliegen lässt, muss sich in jedem Fall registrieren lassen. Es sei denn, das Flugobjekt wird als Spielzeug klassifiziert. Bildrechte: Colourbox.de

Drohnen erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. In der Vergangenheit kam es auch immer wieder vor, dass der Flugverkehr wegen des Einsatzes von Drohnen zum Erliegen kam. Die neue EU-Drohnenverordnung, die am 31. Dezember 2020 in Kraft tritt, soll hier für mehr Sicherheit bei der Verwendung der Flugobjekte im zivilen Bereich sorgen: Viele Drohnenbesitzer müssen sich nun registrieren lassen – und zwar EU-weit.

Ist das der Fall, muss die Drohne mit der Registrierungsnummer des Piloten (e-ID) gekennzeichnet werden. "Die e-ID ist sowohl physisch an der Drohne anzubringen, als auch in das Fernidentifizierungssystem, sofern vorhanden, zu laden. Die Fernidentifizierung wird es ermöglichen, den Betreiber der Drohne auch im Fluge zu identifizieren", erklärt das Luftfahrt-Bundesamt.

Wenn trifft nun die Registrierungspflicht?

Eine Registrierungspflicht besteht dann für Piloten, deren Flugobjekte 250 Gramm oder mehr wiegen. Die Registrierung erfolgt beim Luftfahrt-Bundesamt und soll ab dem 31.12.2020 über dessen Homepage möglich sein. Registriert werden muss nur der Pilot selbst, nicht jede einzelne Drohne. Das gilt sowohl bei privater als auch bei gewerblicher Nutzung.

Ohne Registrierung dürfen dann nur noch Drohnen geflogen werden, die leichter als 250 Gramm und nicht mit einem "Sensor zur Erfassung personengebundener Daten" (z.B. einer Kamera) ausgestattet sind oder als handelsüblich erhältliche Spielwaren gelten.

Kleiner und großer Drohnenführerschein

Wer Drohnen über 250 Gramm fliegen lassen will, benötigt nach der neuen Verordnung auch einen "EU-Drohnenführerschein". Hier werden zwei Klassen unterschieden: Der sogenannte "kleine Drohnenführerschein", für den ein EU-Kompetenznachweis erbracht werden muss und der "große Drohnenführerschein", der das EU-Fernpiloten-Zeugnis beinhaltet.

Für beide Drohnenführerscheine gilt ein Mindestalter von 16 Jahren. Sie sind jeweils fünf Jahre gültig. Danach müssen sie durch Wiederholungsprüfungen oder Auffrischungskurse verlängert werden. Für den alten "Drohnenführerschein" gibt es eine Übergangsregelung: Der Kenntnisnachweis oder die Einweisungsbescheinigung sind noch bis zum 31.12.2021 gültig – allerdings gelten sie nur in Deutschland.

Der EU-Kompetenznachweis (kleiner Drohnenführerschein) soll sicherstellen, dass ein Drohnenpilot das nötige Grundwissen hat, um eine Drohne sicher zu steuern. Dabei lernt man auch, wo geflogen werden darf und was dabei beachtet werden muss. Der EU-Kompetenznachweis kann relativ einfach von zu Hause erworben werben. Es genügt ein kompaktes Online-Training mit einer anschließenden Prüfung. Die Prüfung besteht aus 40 Multiple-Choice-Fragen aus verschiedenen Fachbereichen. Davon müssen mindestens 30 Fragen richtig beantwortet werden. Wer das nicht schafft, kann das Training und die Prüfung einfach wiederholen. Aktuell ist der Test noch nicht online. Das Luftfahrt-Bundesamt plant den Start für den 31.12.2020. Unklar ist noch, ob der Test kostenlos sein wird oder ob eine Gebühr fällig wird.

Das EU-Fernpiloten-Zeugnis (großer Drohnenführerschein) stellt höhere Anforderungen an den Drohnenpiloten. Voraussetzung ist hier zunächst der EU-Kompetenznachweis. Zusätzlich muss jeder ein praktisches "Selbst-Training" (am besten auf offenem Feld) durchführen. Dabei genügt es, die Durchführung des Trainings selbst schriftlich zu bestätigen. Sind die Voraussetzungen erfüllt, kann man bei einer zertifizierten Stelle eine theoretische Prüfung ablegen. Dabei werden Fragen zu den Themen Meteorologie, Flugleistung und Technische und Betriebliche Minderung von Risiken am Boden gestellt. Diese Prüfungen werden in jedem Fall kostenpflichtig sein. Welche Stellen den Test anbieten und was er genau kostet, ist noch unklar.

Nahaufnahme einer fliegenden Drohne 30 min
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Exakt - Die Story Mi 08.07.2020 20:45Uhr 29:53 min

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Wann brauche ich welchen Drohnenführerschein?

Welcher der beiden EU-Führerscheine benötigt wird, hängt im Wesentlichen davon ab, mit welcher Drohne man wo fliegen will. Dazu werden die Drohnen in fünf Klassen eingeteilt (C0 – C5). Nur die kleinsten Drohnen in der Klasse C0 (bis 250 Gramm) darf man führerscheinfrei fliegen. Für alle anderen Drohnen braucht man ab dem 31.12.2020 den EU-Kompetenztest.

Wer mit einer Drohne der Klasse C2 über Erholungs-, Industrie-, Gewerbe- & Wohngebieten oder in der Nähe von Menschen fliegen will, benötigt zusätzlich das EU-Fernpiloten-Zeugnis. Die Einteilung ist relativ komplex. Deshalb sollte man sich schon vor dem Kauf einer Drohne genau informieren, wo man überhaupt fliegen will und welchen der beiden Führerscheine man dazu benötigt.

Drohnenklassen

Die Hersteller müssen ihre Drohnen zukünftig in einer der Klassen ( C0, C1, C2, C3 und C4) zertifizieren lassen und kennzeichnen. Für den Käufer ist dann schnell zu sehen, welche Klasse die Drohne hat, welchen Führerschein er dafür braucht und wo damit geflogen werden darf.

Die neue Klassifizierung

  • C0: unter 250 Gramm und Höchstgeschwindigkeit von 19 m/s

Die einzige Klasse für die kein "Drohnenführerschein" erforderlich ist.

  • C1: unter 900 Gramm

Es wird ein EU-Kompetenznachweis benötigt.

  • C2: unter 4 Kilogramm

In der Unterkategorie A3 reicht der EU-Kompetenznachweis. Damit darf die Drohne nur in einem Abstand von 150 Meter zu Erholungs-, Industrie-, Gewerbe- & Wohngebieten und einen großen Abstand zu allen unbeteiligten Personen geflogen werden.

In der Unterkategorie A2 benötigt man das EU-Fernpiloten-Zeugnis. Damit dürfen Erholungs-, Industrie-, Gewerbe- und Wohngebieten auch überflogen werden. Zu unbeteiligten Personen muss ein horizontaler Mindestabstand von 30 Metern (oder 5 Meter im Langsam-Flugmodus) eingehalten werden.

  • C3 oder C4: unter 25 Kilogramm

Hier reicht ein EU-Kompetenznachweis aus, da die Drohne nur in der Unterkategorie A3 betrieben werden darf. (150 Meter Abstand zu Erholungs-, Industrie-, Gewerbe- und Wohngebieten und einen großer Abstand zu allen unbeteiligten Personen).

Übergangsregelung

Derzeit gibt es noch gar keine klassifizierten Drohnen zu kaufen. Für alle Drohnen, die bereits im Umlauf sind oder die noch keine Klassifizierung besitzen, gibt es deshalb folgende Übergangsregelung.

  • unter 250 Gramm und Höchstgeschwindigkeit  von 19 m/s

Es ist kein Drohnenführerschein nötig.

  • unter 500 Gramm

Bis zum 31.12.2022 wird kein "Drohnenführerschein" benötigt, ab dem 1.1.2023 wird der EU-Kompetenznachweis verlangt.

  • unter 2 Kilogramm

In der Unterkategorie A3 reicht der  EU-Kompetenznachweis. Damit darf die Drohne nur in einem Abstand von 150 Meter zu Erholungs-, Industrie-, Gewerbe- und Wohngebieten und einem großen Abstand zu allen unbeteiligten Personen geflogen werden.

In der Unterkategorie A2 benötigt man das EU-Fernpiloten-Zeugnis. Damit dürfen Erholungs-, Industrie-, Gewerbe- und Wohngebieten auch überflogen werden. Zu unbeteiligten Personen muss hier ein horizontaler Mindestabstand von 50 Metern eingehalten werden.

  • unter 25 Kilogramm

Hier reicht ein EU-Kompetenznachweis aus, da die Drohne nur in der Unterkategorie A3 betrieben werden darf. (150 Meter Abstand zu Erholungs-, Industrie-, Gewerbe- und Wohngebieten und einen großer Abstand zu allen unbeteiligten Personen.)

Was viele nicht wissen Wer ein unbemanntes Flugobjekt abheben lassen will, braucht eine Haftpflichtversicherung für die Drohne. Diese Pflicht besteht bereits schon länger.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR AKTUELL | 30. November 2020 | 17:45 Uhr

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