Foldable Phones Was Klapp-Handys können – und was nicht

Marco Ammer, Technik-Journalist und Technik-Experte für MDR um 4
Bildrechte: Marco Ammer

Einfache Klapp-Handys waren bis Anfang der 2000er-Jahre modern. Mittlerweile gibt es sie auch als Smartphone. Technikexperte Marco Ammer klärt auf, welche Schwachstellen sie haben und ob sich der Kauf der sehr teuren Geräte lohnt.

Anfang der 2000er-Jahre hatten viele Menschen Handys zum Klappen in der Hosentasche. Sie waren klein, kompakt und konnten trotzdem alles, was die anderen "Knochen" auch konnten. Dann kamen die Smartphones und plötzlich mussten die Geräte und Displays wieder möglichst groß sein. Es sollte schließlich viel zu sehen sein. Also Klapp-Handys adé. Und jetzt "klappts" doch wieder.

Horizontal zusammenklappen: Flip Phones

Dabei unterscheiden sich die heutigen Klapphandys allerdings sehr von den damaligen. Das beginnt schon damit, dass es unterschiedliche Klapprichtungen gibt. Früher gab es Geräte, die ließen sich über die horizontale Achse öffnen und schließen. Das ist auch heute eine der Varianten, wie Smartphones zu "flippen" sind. Das hat den Vorteil, dass aus einem recht großen Gerät, ein kompaktes werden kann und es anschließend in nahezu jede Tasche passt.

Vorstellung des Klapphandys Huawei P50 Pocket
Zusammengeklappt ist ein Flip Phone unschlagbar klein. Bildrechte: imago images/VCG

Im zusammengeklappten Modus verfügen die Smartphones dann über ein kleines Display auf der Vorderseite. Darüber lassen sich ähnlich wie bei einer Smartwatch verschiedene Daten und Informationen anzeigen. So können dort natürlich Nachrichten gelesen werden, das Wetter, die Uhrzeit und viele weitere Inhalte angezeigt werden.

Die womöglich am häufigsten verwendete Funktion ist aber wahrscheinlich der Selfimodus. Denn im zusammengeklappten Zustand befindet sich die Hauptkamera plötzlich vorne. Und das Fotomotiv ist auf dem kleinen, äußeren Display zu erkennen.

Das kosten die Flip Phones So genannte Flip Phones sind zum Beispiel das "Samsung ZFlip3" (ab 599 Euro), das "Huawei P50 Pocket" (ab 1.299 Euro) oder das "Motorola Razr"  (ab 1.189 Euro).

Vertikal zusammenklappen: Foldable Phones

In der zweiten Variante lassen sich die Geräte über die vertikale Achse klappen. So wird aus einem gewöhnlichen Smartphone ein kleines Tablet. Das bietet neue Möglichkeiten für das Arbeiten mit den Geräten, aber auch für Multimedia-Inhalte. Vor allem Videos lassen sich so natürlich viel besser sehen.

Samsung Galaxy Z Fold3
Bisher können nur wenige Apps mit dem doppelten Bildschirm der Foldable Phones umgehen. Bildrechte: imago images/UPI Photo

Bisher ist das aber auch der einzige, wenn auch große, Vorteil, den die Geräte haben. Bisher gibt es nur sehr wenige Apps, die auch wirklich auf beiden Displays gleichzeitig sinnvolle Anwendungen anbieten. Die Youtube-App ist zum Beispiel so erweitert worden, dass das Smartphone dann auf dem Tisch stehen kann. In Display A ist dann der Videoinhalt zu sehen, während der Nutzer in Display B die Mediathek durchsuchen kann. Diese Funktion ist in der ARD-Mediathek zum Beispiel nicht möglich. Darüber hinaus gibt es noch einige Apps zum bearbeiten von Multimedia-Inhalten, die auch beide Displays sinnvoll zu nutzen wissen.

Das kosten die Foldable Phones Beispiele für so genannte Foldable Phones sind zum Beispiel das "Oppo Reno" (ab 399 Euro – VORSICHT: Nicht mit deutscher Menüsprache erhältlich), das "Samsung Galaxy Z Fold3" (ab 1.089 Euro) oder das "Huawei Mate XS" (ab 1.947 Euro).

Probleme an der Faltstelle

Die klappbaren Geräte sind mittlerweile seit gut zweieinhalb Jahren auf dem Markt. In der Anfangszeit waren die Displays allerdings nicht nur Knick- sondern häufig auch die Knackstelle. Huawei hatte sein erstes Modell daher zum Beispiel wieder zurückgezogen. Auch Samsung musste an der Faltstelle deutlich nachbessern.

Mittlerweile sind die Displays aber wohl so stabil, dass sie je nach Hersteller um die 200.000 Klappvorgänge bewältigen können. Umgerechnet bedeutet das, das Display würde fünf Jahre lang halten, wenn es pro Tag 100 Mal geklappt würde.

Inwieweit an den Faltstellen Wasser und Taschenstaub in das Gehäuse eindringen kann, konnte von uns nicht überprüft werden. Laut der Hersteller soll das allerdings kein Problem sein.

Vor- und Nachteile

Grundlegend sollten Sie vor dem Kauf eines der klappbaren Smartphones klären, ob Sie ein "Flip"- oder ein "Fold"-Gerät brauchen. Da es nämlich für die "Fold"-Smartphones noch keine exklusiven Inhalte gibt, erscheinen sie bisher eher als nette Spielerei. Dafür sind sie leider noch sehr teuer.

Der Sinn der "Flip"-Smartphones lässt sich hauptsächlich mit der Kompaktheit erklären. Hier liegt tatsächlich ein großer Vorteil. Allerdings sind auch die "Flip"-Phones noch sehr teuer. Möglicherweise lohnt sich für beide Varianten daher auch ein Blick in Elektronik-Second-Hand-Plattformen wie "asgoodasnew.de", "refurbished.de" oder "backmarket.de".

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Quelle: MDR um 4

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 11. April 2022 | 17:00 Uhr

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