Ökologisch Wie Technik nachhaltig wird

Marco Ammer, Technik-Journalist und Technik-Experte für MDR um 4
Bildrechte: Marco Ammer

Nachhaltigkeit ist ein Thema, das in der nächsten Zeit immer mehr im Fokus der Verbraucher stehen wird. Aber ist das auch bei der Technik, die wir nutzen, umsetzbar? Technikexperte Marco Ammer klärt, welche Hersteller bereits nachhaltig produzieren.

Ein DAB-Radio und Kopfhörer aus recyceltem Plastik, ein Lautsprecher aus schnell nachwachsendem Bambusholz und modulare Smartphones zum einfach selber reparieren. Technikunternehmen haben erkannt, dass es für ihre Branche nicht immer nur höher, schneller und weiter gehen kann. Einige Firmen haben sich daher den verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen und das Thema Nachhaltigkeit ganz groß auf die Fahnen geschrieben.

Behandschuhte Hände reparieren ein Handy.
Ein Handy wird auseinandergeschraubt. Bildrechte: imago/Panthermedia

In einem Smartphone, einem Computer oder Fernseher stecken unglaublich viele wertvolle Ressourcen. Allein 30 Metalle sind es in einem Handy, z.B. Kupfer, Eisen, Aluminium aber auch Gold und Silber. Daher ist es sinnvoll, nicht jedes Jahr ein neues Handy zu kaufen, nur weil der Hersteller ein neues Modell auf den Markt bringt oder weil das Display einen Kratzer hat.

Einige Hersteller, wie Fairphone oder Shiftphone, haben es sich daher zum Ziel gemacht ihre Geräte so nachhaltig und langlebig wie möglich herzustellen. Das bedeutet vor allem, dass Einzelteile wie Akku oder Display im Schadfall auch von Laien problemlos gewechselt werden können. Somit muss das Gerät nicht sofort in den Müll wandern, nur weil zum Beispiel die maximale Akkukapazität nur noch bei 50 Prozent liegt.

Dieses modulare Prinzip kann also die Nutzungsdauer der Smartphones verlängern. Im Schnitt werden Handys in Europa derzeit 40 Monate genutzt, also knapp dreieinhalb Jahre. Mit Hilfe einfach austauschbarer Module könnte die Nutzungsdauer auf vier oder viereinhalb Jahre steigen.

Elektronik-/Elektroschrott auf einem Wertstoffhof in Erfurt
Elektroschrott, der recycelt werden kann. Bildrechte: IMAGO/DATA73

Das Modul-Prinzip ist allerdings nicht der einzige Ansatz zur Nachhaltigkeit. Sowohl Shiftphone als auch die Hersteller anderer Geräte, wie zum Beispiel Kreafunk (die Firma stellt Radios, Lautsprecher und Kopfhörer her), verbauen in ihren Geräten kurzerhand recycelte Materialien. Das heißt, sie entnehmen Elektroschrott die wertvollen Materialien wie seltene Erden oder andere der 30 verbauten Metalle und verwenden sie neu. Zudem sind die Kunststoffgehäuse zum Teil oder komplett aus recyceltem Plastik hergestellt.

Andere Hersteller setzten darauf Materialien zu verwenden, die schnell nachwachsen. Der Lautsprecherhersteller House of Marley stellt die Gehäuse zum Beispiel aus nachhaltigem Bambusholz her. Für die Soundqualität sind sowohl recyceltes Plastik als auch Bambusholz kein Problem. Und auch optisch können die Geräte es mit gewöhnlich hergestellten locker aufnehmen.

Tipp

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat bis 2017 untersucht, welche Technik Unternehmen nachhaltig produzieren. Das Fairphone hat dabei tatsächlich am besten abgeschlossen. Überraschenderweise ist Apple dabei auf Platz 2 gelandet, also direkt hinter Fairphone, aber deutliche vor anderen Tech-Giganten wie Dell, Samsung oder Sony. Shiftphone wurde in dem Bericht nicht berücksichtigt.

Es gibt also diverse Unternehmen, die sich dafür einsetzen, dass unsere Alltagsgadgets etwas umweltverträglicher hergestellt werden und wir sie damit ruhigen Gewissens nutzen können. Aber natürlich können wir als Nutzer auch einiges dafür tun. Der einfachste Ansatz, spart auch noch eine Menge Geld: Produkte so lange nutzen wie möglich. Denn das nachhaltigste Gadget ist das, was die längste Nutzungsdauer hat.

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Quelle: MDR um 4

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 28. Februar 2022 | 17:00 Uhr

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