Hintergrund Fahrräder gegen Diebstahl versichern

Rund 278.000 Fahrräder wurden vergangenes Jahr bundesweit gestohlen. Gut die Hälfte davon war versichert. Um bei Diebstahl eine Entschädigung zu erhalten, gibt es aber ein paar Dinge zu beachten.

Unkraut wuchert zwischen Fahrrädern an einer Abstellanlage am Hauptbahnhof Dresden.
Fahrrad abgeschlossen und später ist es weg? Ermittlungen bei Fahrraddiebstahl laufen oft ins Leere. Versicherungen kommen aber in bestimmten Fällen für den Schaden auf. Bildrechte: dpa

Was Versicherer bei Diebstahl zuletzt zahlten

Bundesweit wurden laut Polizeilicher Kriminalstatistik 2019 rund 278.000 Fahrräder gestohlen. Nach der aktuellen Statistik des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) waren davon rund 155.000 versichert, 5.000 weniger im Vergleich zum Vorjahr. Der versicherte Schaden liegt auf Vorjahresniveau bei rund 110 Millionen Euro. Beliebt bei Dieben sind nach wie vor teure Räder: Im Schnitt zahlten die Versicherer 720 Euro pro gestohlenem Fahrrad - so viel wie nie zuvor (Vorjahr 650 Euro). Vor 10 Jahren betrug die Entschädigung für ein gestohlenes Rad im Schnitt 410 Euro, 2019 waren es 75 Prozent mehr.

Wie Fahrräder versichert werden

Die Hausratversicherung übernimmt den Schaden, wenn ein Fahrrad aus verschlossenen Abstellräumen, Kellern oder Wohnungen gestohlen wird. Geklaut wird jedoch meistens auf offener Straße. Dagegen kann man sich mit einer Zusatzklausel in der Hausratpolice versichern. Die wichtigste Hausratversicherung in Sachsen ist laut GDV die Sparkassen Versicherung Sachsen.

Was die Hausratversicherung mit Fahrradklausel ersetzt

Der Versicherer kommt für den Diebstahl auf, wenn das Fahrrad durch ein verkehrsübliches Schloss gesichert wurde. Ersetzt wird der Wiederbeschaffungswert, also der Betrag, um ein neues gleichwertiges Rad zu kaufen. Die Höchstentschädigung wird in der Regel auf einen bestimmten Prozentsatz des gesamten versicherten Hausrates festgelegt. Gerade für Besitzer höherwertiger Räder und E-Bikes kann es sich daher lohnen, die Versicherungssumme zu erhöhen oder eine spezielle Fahrradversicherung abzuschließen.

Was passiert üblicherweise, wenn ein gestohlenes Fahrrad wiedergefunden wird?

Wird etwa anhand der eingravierten Rahmennummer der ursprüngliche Besitzer ermittelt, erhält der Bestohlene eine Nachricht über den Fund. Er ist dann verpflichtet, seinen Versicherer unverzüglich darüber zu informieren. Dafür ist es unerheblich, ob die Polizei dem Besitzer das Fahrrad schon übergeben hat oder ihm nur die Möglichkeit einräumt, es an einem Ort abzuholen. Unterlässt der Eigentümer die Meldung über den Verbleib seines Fahrrads, macht er sich wegen Versicherungsbetrugs strafbar.

Hat der Fahrradbesitzer inzwischen eine Entschädigung von seiner Versicherung erhalten, ist er nicht verpflichtet, das Geld zurückzuzahlen. Er kann der Versicherung stattdessen das Diebesgut überlassen. Dieses Wahlrecht hat der Verbraucher aber nur innerhalb von zwei Wochen, nachdem er vom Versicherer schriftlich zu einer Entscheidung aufgefordert wurde. Lässt er diese Frist verstreichen, geht das Wahlrecht auf den Versicherer über. Dann kann der Versicherer entscheiden, ob er das Fahrrad zurücknimmt oder die Entschädigung zurückverlangt.

Rad zurück oder Entschädigung? Was ist günstiger?

Das Wahlrecht für zwei Wochen hat der Versicherte auch, wenn er für den Verlust seines Fahrrads nur teilweise entschädigt wurde. Denn bei Fahrraddiebstahl ist die Entschädigung mitunter auf einen bestimmten Prozentsatz des versicherten Hausrats begrenzt. Liegt das Limit zum Beispiel bei zwei Prozent und der Hausrat wurde mit 20.000 Euro taxiert, bekommt der Versicherte für das gestohlene Fahrrad nur 400 Euro zurück – selbst wenn es 800 Euro gekostet hat.

Für den Versicherten kann es in diesen Fällen günstiger sein, die Entschädigung zurückzuzahlen und das wieder aufgetauchte Fahrrad zu behalten. Entscheidet er sich dennoch für das Geld, weil er sich möglicherweise bereits ein neues Fahrrad angeschafft hat, willigt er damit zugleich ein, sein altes meistbietend öffentlich verkaufen zu lassen. Den Erlös muss er sich mit dem Versicherer teilen. Im obigen Beispiel behält der Besitzer die Hälfte des Verkaufspreises, da ihm die Hälfte des Fahrradwerts ersetzt wurde.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 19. Juli 2020 | 06:00 Uhr

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