Einbruchschutz Schutz vor Einbrechern: Tipps für ein sicheres Zuhause

Sie fühlen sich in der Dunkelheit wohl: Einbrecher. Oft haben die Langfinger leichtes Spiel. Kriminalrätin Ilona Wessner gibt Tipps, wie sich das Zuhause schützen und Langfingern das Handwerk legen lässt.

Ein Mann demonstriert in der polizeilichen Beratungsstelle in Frankfurt am Main, wie einfach es für einen Einbrecher wäre, mit Hilfe eines stabilen Schraubenziehers ein geschlossenes Fenster von außen zu öffnen.
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Ein Einbruch in den eigenen vier Wänden bedeutet für viele Menschen, ob jung oder alt, einen großen Schock. Dabei machen den Betroffenen die Verletzung der Privatsphäre, das verlorengegangene Sicherheitsgefühl oder auch schwerwiegende psychische Folgen, die nach einem Einbruch auftreten können, häufig mehr zu schaffen, als der rein materielle Schaden.

Dass man sich davor schützen kann, zeigt die Erfahrung der Polizei: Über ein Drittel der Einbrüche bleibt im Versuch stecken, nicht zuletzt wegen sicherungstechnischer Einrichtungen. Aber auch durch richtiges Verhalten und durch aufmerksame Nachbarn werden Einbrüche verhindert.

Einbruchschutz: Tipps der Polizei

  • Bewusst auf gefährdende oder verdächtige Situationen achten.
  • Den Hauseingang in Mehrfamilienhäusern auch tagsüber geschlossen halten. Prüfen Sie, wer ins Haus will, bevor Sie den Türöffner drücken.
  • Auf Fremde im Haus oder auf dem Nachbargrundstück achten und diese ansprechen.
  • Dafür sorgen, dass in Mehrfamilienhäusern Keller- und Bodentüren stets verschlossen sind.
  • Die Wohnung länger abwesender Nachbarn betreuen, in dem Sie z.B. den Briefkasten leeren. Es geht darum, einen bewohnten Eindruck zu erwecken.
  • Bei Gefahr (Hilferufe, ausgelöste Alarmanlage) und in dringenden Fällen sofort die Polizei über Notruf 110 alarmieren.

Technische Sicherungsmaßnahmen schrecken Täter ab

  • Türblattverstärkung aufschrauben, Glaseinsätze vergittern
  • Sicherheitsschließblech oder ein Winkelschließblech mit Mauerankern
  • Einsteckschloss für Profilzylinder
  • Schutzbeschlag mit zusätzlicher Abdeckung des Profilzylinders, von innen verschraubt, zum Schutz des Zylinders gegen Abbrechen, Abdrehen und Herausreißen
  • Zusatzschloß (Kastenschloss mit Sperrbügel, Stangenriegelschloss, andere Mehrfachverriegelung)
  • Türspion mit Weitwinkeloptik (min. 180°)
  • Hintergreifhaken oder Sicherheitstürbänder

Die acht "goldenen" Verhaltensregeln

  • Fenster, Balkon- und Terrassentüren auch bei kurzer Abwesenheit verschließen.
  • Wenn der Schlüssel verloren geht, umgehend den Schließzylinder auswechseln lassen.
  • Auch wenn Sie Haus oder Wohnung nur kurzzeitig verlassen: Ziehen Sie die Tür nicht nur ins Schloss, sondern schließen Sie immer zweifach ab.
  • Haus- oder Wohnungsschlüssel niemals draußen verstecken, denn Einbrecher kennen jedes Versteck.
  • Rollläden sollten nur zur Nachtzeit – und keinesfalls tagsüber – geschlossen werden; schließlich wollen Sie ja nicht auf den ersten Blick Ihre Abwesenheit signalisieren.
  • Bei einer Tür mit Glasfüllung den Schlüssel nicht innen stecken lassen.
  • Vorsicht! Gekippte Fenster sind offene Fenster und von Einbrechern leicht zu öffnen.
  • Öffnen Sie auf Klingeln nicht bedenkenlos und zeigen Sie gegenüber Fremden ein gesundes Misstrauen. Nutzen Sie den Türspion und den Sperrbügel.

Häufig hören Polizisten bei Beratungen zur Sicherheit folgende Argumente:

"Bei mir ist nichts zu holen ..."

Viele unterschätzen den Wert ihres Besitzes und denken, ihr Haus oder ihre Wohnung wäre für Einbrecher uninteressant. Irrtum! Einbrecher hoffen auf lohnende Beute. Sie nutzen günstige Gelegenheiten wie schlecht gesicherte Türen, Fenster oder Terrassentüren rigoros aus. Aber auch die Anonymität, z.B. in Hochhäusern oder Wohnanlagen, kommt ihnen vielfach zu Gute.

Einbrecher haben Wertgegenstände in einem Kleiderschrank gesucht und ein Chaos hinterlassen
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"Einbrecher kommen überall rein ..."

Die polizeiliche Erfahrung zeigt, dass die wenigsten Einbrecher gut ausgerüstete "Profis" sind. Meist handelt es sich vielmehr um Gelegenheitstäter, die sich oft schon durch eine einfache, aber wirkungsvolle technische Sicherung von ihren Absichten abhalten lassen. Faktum ist: Sichtbare Sicherungstechnik wirkt auf den Täter eher abschreckend als anziehend. Denn Sicherungstechnik bedeutet eine längere "Arbeitszeit", und je mehr Zeit verstreicht, desto größer wird das Entdeckungsrisiko.

"Einbrecher kommen nachts ..."

Irrtum! Einbrecher kommen oft tagsüber, wenn üblicherweise niemand zu Hause ist, nämlich zur Schul-, Arbeits- und Einkaufszeit, am frühen Abend oder an den Wochenenden. In der dunklen Jahreszeit nutzen Einbrecher oft die frühe Dämmerung aus.

"Einbrecher muss man aufhalten ..."

Vorsicht! Einbrecher wollen nicht entdeckt werden und vermeiden nach Möglichkeit jede Konfrontation. Wenn Sie einen Einbrecher bemerken: Stellen Sie sich ihm keinesfalls in den Weg! Spielen Sie nicht den Helden, denn das könnte schlimm für Sie ausgehen. Verständigen Sie stattdessen sofort die Polizei und geben Sie ihr eine möglichst gute Beschreibung des Täters und seines eventuell eingesetzten Fluchtfahrzeuges.

"Ich kaufe mir am besten eine Alarmanlage ..."

Mechanische Sicherungen sollten auch in Ihren Sicherungsplanungen an oberster Stelle stehen. Sie sind die wesentliche Voraussetzung für einen wirksamen Einbruchschutz. Einbruchmeldeanlagen dagegen verhindern keinen Einbruch, sondern melden ihn nur. Dennoch gilt auch hier: Für Einbrecher wird das Risiko entdeckt zu werden wesentlich erhöht.

"Ich bin ja versichert ..."

Sich nach dem Motto "Ich bin ja versichert und bekomme alles ersetzt" auf seinen Versicherungsschutz zu verlassen, kann verhängnisvoll sein. Schon viele Betroffene mussten nach einem Einbruch feststellen, dass sie unterversichert waren. Abgesehen davon, kann auch die beste Versicherung keine ideellen Werte, z.B. liebgewonnene Erinnerungsstücke, ersetzen und schon gar nicht das verlorene Sicherheitsgefühl zurückbringen oder psychische Folgen lindern.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 10. November 2020 | 17:00 Uhr

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