Die wahren Kosten Preise von Lebensmitteln müssten noch höher sein

Seit Monaten kennen die Preise für Lebensmittel in Deutschland nur eine Richtung: nach oben! Dabei müssten die Preise noch höher sein, wenn man alle Kosten mit einrechnet. Wieviel müssten wir am Ende wirklich für Lebensmittel bezahlen? Diese Frage geht an Professor Tobias Gaugler von der Technischen Hochschule Nürnberg, der sich genau mit diesem Thema beschäftigt.

Wie setzen sich die Lebensmittelpreise zusammen?

Professor Tobias Gaugler: Die Preise, die man an der Kasse bezahlen muss, setzen sich zusammen aus Kosten für die Produktion, die Veredelung, die Verarbeitung, den entsprechenden Handel, wo sie verkauft werden. Aber diese aktuellen Preise greifen zu kurz.

Welche Kosten müssten in den Preis eigentlich einfließen?

Das sind insbesondere Umwelt- und auch soziale Folgekosten, ganz plakativ gesprochen. Es entstehen Treibhausgase bei der Produktion von Lebensmitteln, aber auch Probleme aus der Düngung oder auch Landnutzungsänderungen. Es fallen Energiepunkte an. Und die müsste man als Umwelt-Folgeschäden eigentlich verursachergerecht auf diesen Lebensmittelpreis aufschlagen, also diese sogenannten externen Kosten mit einbeziehen.

Was wäre der wahre Preis für Äpfel?

Wir müssten auf den Preis von einem Kilogramm gerechnet, einige Cent aufschlagen, um die Umweltfolgekosten hier mit einzubeziehen. Bei einem biologisch angebauten Apfel etwa zwölf Cent pro Kilogramm Preisaufschlag, im konventionellen Anbau etwa 17 Cent pro Kilo. Das heißt, es würde im niedrigen Centbereich pro Kilo sein.

Äpfel mit Bio-Siegel
Äpfel wie gemalt: Das Obst wird auf der ganzen Welt hin und her gehandelt. Die Umwelt- und Transportkosten sind enorm. Auf den Apfelpreis umgeschlagen, werden diese Kosten nicht. Bildrechte: dpa

Was würden Fleisch und andere tierische Produkte kosten?

Bei tierischen Produkten gilt es zuerst einmal, das Tier zu füttern und dieses Tierfutter zunächst einmal anzubauen. Dadurch entstehen teilweise Landnutzungsänderungen im großen Stil. Aktuell wird auch Regenwald abgeholzt, beispielsweise in Brasilien, um dort Tierfutter anzubauen. Dieses Tierfutter muss über weite Strecken zu uns nach Deutschland importiert werden. Und das heißt, wir müssen diesen tierischen Produkten entsprechend hohe Folgeschäden zuordnen und da müsste jetzt mal ganz grob gesprochen ein Kilo Hackfleisch in etwa zehn Euro teurer werden.

Lebensmittel, vor allem Fleisch, müsste deutlich teurer werden.

Professor Tobias Gaugler | Fakultät Betriebswirtschaft an der Technischen Hochschule Nürnberg

Wer kann sich das noch leisten?

Das ist eine wichtige Frage. Man müsste eher aus einer staatlichen Perspektive regulatorisch eingreifen und sagen: Stopp! Wir müssen bereits in der Foodchain, in der vorgelagerten Prozesskette, Umweltfolgen einfach teurer machen und damit unattraktiver für den Handel, für die Produzenten, auch schlussendlich für den Landwirt. Dass dort einfach andere Lebensmittel auch entsprechend produziert werden. Und zum anderen ist es Aufgabe des Staates, finanzielle soziale Härten abzufedern. Insbesondere Menschen mit wenig Einkommen müssen genauso satt werden, wie jemand, der reich ist.

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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | 20. Juni 2022 | 10:40 Uhr

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