Service | 10.01.2022 Zusatzbeiträge steigen: Geld sparen beim Wechsel der Krankenkasse

Die Corona-Pandemie sorgt bei den Krankenversicherungen für leere Kassen. Zum Jahreswechsel haben viele deshalb die Beiträge angehoben. Doch mit einem Wechsel zu einer günstigeren Kasse lässt sich viel Geld sparen. Wann der sich lohnt, klärt die Servicestunde von MDR THÜRINGEN - Das Radio am Montag.

Mit dem Jahreswechsel haben einige Krankenkassen ihre Beiträge erhöht. Andere wiederum haben ihre Beiträge gesenkt. Unter Umständen lässt sich durch einen Wechsel ein kleines Sümmchen sparen. Das ist natürlich vor allem abhängig vom Monatseinkommen. Doch nicht nur die Beiträge sind entscheidend, sondern auch Service und Zusatzleistungen. Wie einfach oder kompliziert der Wechsel ist, ob man auch bei einer eher unbekannteren Kasse zuverlässig versichert ist, das erklärt Sabine Baierl-Jona von Stiftung Warentest.

Sie und ihre Kollegen haben 69 Krankenkassentarife verglichen. Das Ergebnis: Die deutliche Mehrheit der abgefragten Kassen lässt ihren Beitragssatz zunächst unverändert. Acht Kassen senken ihren Beitragssatz und 14 Krankenkassen erhöhen diesen ab Januar 2022.

Seit 2015 können die Krankenkassen die Höhe ihrer Beiträge selbst bestimmen. Zwar gilt für alle Kassen der allgemeine Beitragssatz von 14,6 Prozent. Dazu kommt bei den meisten Kassen aber ein Zusatzbeitrag. Wie hoch die Zusatzbeiträge ausfallen, kann jede Krankenkasse für sich festlegen.

Einsparungen von mehreren hundert Euro pro Jahr sind möglich

Einige Kassen haben keinen Zusatzbeitrag oder einen sehr niedrigen. Für den einzelnen Versicherten sind theoretisch bis zu 446 Euro Einsparungen möglich - wenn er 4.125 Euro brutto pro Monat verdient und von einer Kasse mit 15,5 Prozent zu einer Kasse wechselt, die keinen Zusatzbeitrag verlangt und nur 14,6 Prozent vom Lohn abzieht. Das ist aber nur bei vereinzelten, kleinen Kassen der Fall, die regional tätig sind.

Es gibt aber einige Kassen, die ihren Beitrag auf 14,9 Prozent festgelegt haben. Wer zu ihnen wechselt und 2.000 Euro brutto im Monat verdient, kann immerhin 144 Euro im Jahr sparen, bei 2.500 Euro brutto beläuft sich die jährliche Ersparnis dann auf 180 Euro.

Sonderkündigungsrecht macht Kassenwechsel jetzt möglich

Wer von den günstigeren Konditionen anderer Kassen profitieren möchte, sollte sein Sonderkündigungsrecht nutzen. Das ist möglich, wenn die Krankenkasse einen Zusatzbeitrag erhebt oder diesen Beitrag erhöht. Das Sonderkündigungsrecht sieht vor, dass der Versicherte bis zum Ende des Monats kündigen darf, in dem erstmals der neue Beitragssatz erhoben wird.

Heißt also: Wenn die Kasse im Januar den neuen Satz einfordert, hat der Versicherte bis zum 31. Januar Zeit, die Mitgliedschaft zu kündigen und sich eine neue Kasse zu suchen. Allerdings erfolgt der Wechsel nicht sofort, sondern erst zum Ende des übernächsten Monats - in der aktuellen Situation also zum 31. März. So lange wird auch noch der neue Beitragssatz der bisherigen Krankenkasse abgezogen und man bleibt dort Mitglied. Am 1. April beginnt dann die Mitgliedschaft in der neuen Kasse zu deren Konditionen.

Formalien bei der Kündigung beachten

Seit 2021 genügt es, eine neue Kasse auszuwählen und dort einen Mitgliedsantrag zu stellen. Die neue Krankenkasse informiert dann die Alte über den Wechsel. Wichtig: Mit der Kündigung nicht bis zum letzten Tag warten, denn die Kündigung gilt erst, wenn die neue Kasse die bisherige über den Wechsel informiert hat. Probleme kann es beim Wechsel allerdings geben, wenn der Versicherte über 55 Jahre alt ist. Manche Krankenkassen verweigern dann die Aufnahme. Wer allerdings aktuell Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse ist, sollte problemlos in einer anderen gesetzlichen Krankenkasse aufgenommen werden.

Wichtig ist es laut Stiftung Warentest noch, die neue Kasse zu informieren, wenn zur Zeit eine größere Behandlung läuft. Außerdem muss der Arbeitgeber über den Wechsel informiert werden, denn er führt ja Krankenkassenbeiträge ab.

Vor Wechsel: über Leistungen der neuen Kasse informieren

Wer in eine günstigere Kasse wechselt muss keine Angst haben, schlechter versorgt zu sein. Weil es der Gesetzgeber so will, sind rund 95 Prozent der Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen identisch. Spielräume haben die Kassen also nur bei einem sehr kleinen Teil ihrer Angebote, etwa bei Zusatzleistungen wie Gratisangeboten oder Kostenübernahmen für besondere Behandlungen. Es lohnt sich, die jeweiligen Leistungen zu vergleichen und nicht allein aufgrund der möglichen Einsparung zu wechseln, z.B.

  • Werden z.B. Zahnreinigung oder Ostheopathie bezahlt?
  • Gibt es tolle Bonusprogramme?
  • Habe ich einen gut erreichbaren Ansprechpartner, der mir schon (öfter) geholfen hat (Service)?

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Vormittag mit Haase und Waage | 10. Januar 2022 | 11:10 Uhr

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