Nähen Reißverschluss einnähen leicht gemacht: So klappt es

So ein Reißverschluss hat es in sich! Manchmal findet sich kein Stück in der richtigen Länge, manchmal hat man Schwierigkeiten, den Reißverschluss einzunähen – und manchmal kriegt man den Schlitten einfach nicht eingefädelt. Nähbloggerin Ina Fischer alias "pattydoo" gibt Tipps um Nähen, Kürzen und Einfädeln von Reißverschlüssen

Hier hakt es (nicht) – alles Wichtige zum Reißverschluss

Eines gleich vorweg: DEN Reißverschluss gibt es nicht, sondern eine reiche Typenvielfalt. Manche Modelle besitzen Plastik-Krampen oder -zähne. Manche werden mit Zähnen oder Rippen aus Metall hergestellt (Messing oder Aluminium) – und wieder andere haben gar keine Zähne, sondern zwei spiralförmige Fäden aus Nylon, die sich beim Schließen ineinander verhaken.

Reißverschluss nähen
Bildrechte: MDR/Thomas Schwarz

Daneben gibt es teilbare und unteilbare Reißverschlüsse. Die teilbaren befinden sich beispielsweise an Jacken, die Unteilbaren sind für Hosen, Taschen oder Bettwäsche geeignet. Eine besondere Form ist der sogenannte Zwei-Wege-Reißverschluss. Er besitzt zwei Schieber und lässt sich beidseitig öffnen und schließen.

Verschiedene Reißverschlüsse

Metallreißverschlüsse sind wesentlich stabiler als Plastik- oder Nylonmodelle. Sie eignen sich z.B. für Jeanshosen. Nylon-Exemplare sind fein und biegsam. Sie bestehen aus zwei gegenläufigen Wendeln. An der Stelle, an der sie sich ineinander verhaken wollen, sind sie geknickt, so dass eine Verdickung entsteht. Wird der Reißverschluss geschlossen, haken diese Verdickungen ineinander ein.

Notwendiges Material für pattydoos Federmäppchen

  • 2 Stoffquadrate: 22 x 22 cm (fester Webstoff)
  • 25 cm Endlos-Reißverschluss mit einem Schieber
  • optional: 12 cm Webband
  • Nähmaschine mit Kantennähfuß

Nylon-Modelle machen sich besonders gut bei Kosmetiktaschen und anderen filigranen Nähwaren. Der Vorteil von Nylonspiralen: Sollte mal ein Häkchen "ausrasten", genügt es meist, den Reißverschluss auf- und zuzuschieben, um es wieder in Form zu bringen.

Reißverschluss nähen
Plastik-, Nylon- und Metall-Reißverschlüsse (von links nach rechts). Bildrechte: MDR/Thomas Schwarz

Manchmal soll der Reißverschluss gar nicht zu sehen sein – etwa bei luftigen Sommerkleidern. Für solche Fälle eignet sich ein verdeckter oder auch nahtverdeckter Reißverschluss. Bei ihm liegen die Nylonspiralen auf der Rückseite und verschwinden im geschlossenen Zustand unter dem Stoff.

Wer längenmäßig flexibel sein will, für den bieten sich Endlos-Reißverschlüsse an. Es gibt sie mit Zähnen und auch mit Nylonspiralen. Sie lassen sich in der gewünschten Länge zuschneiden, sind jedoch nicht teilbar. Anwendungsbereiche sind Taschen, Beutel oder auch Federmäppchen.

Auch Reißverschlüsse aus Metall lassen sich kürzen – allerdings benötigen Sie hierbei einige Extra-Teile, eine Zange – und kräftige Hände.

Reißverschlüsse einnähen und einfädeln

Beim Einnähen von Reißverschlüssen eignet sich ein sogenannter Kantennähfuß besonders gut. Mit dem kann man mit der Nähmaschine sehr nah an den Zähnen entlangnähen.

Schritt für Schritt: Reißverschluss einfädeln

Reißverschluss nähen
Endlosreißverschlüsse müssen eingekürzt werden. Dann kann das Einfädeln beginnen. Bildrechte: MDR/Thomas Schwarz
Reißverschluss nähen
Endlosreißverschlüsse müssen eingekürzt werden. Dann kann das Einfädeln beginnen. Bildrechte: MDR/Thomas Schwarz
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Der kleine Trick mit dem einfädeln im Video

Tipp Die Form folgt der Funktion. Überlegen Sie sich zuerst, wofür Sie Ihren Reißverschluss benötigen. Dann wählen Sie das schönste Modell.

Will man einen Reißverschluss einfädeln, gibt es mehrere Möglichkeiten. Entweder man nutzt eine Gabel – auf den man den Schieber oder Schlitten setzt. Dann fädelt man beide Seiten des Reißverschlusses ein. Oder man schneidet eine Ecke eines Reißverschlusses schräg an. Danach wird der Schieber zunächst auf der einen – dann auf der anderen Reißverschluss-Seite eingefädelt.

Reißverschluss nähen
Beim Einnähen von Reißverschlüssen eignet sich ein sogenannter Kantennähfuß besonders gut Bildrechte: MDR/Thomas Schwarz

Geschichte der Reißverschlüsse

Reißverschluss nähen
Zu DDR-Zeiten wurden Reißverschlüsse vom VEB Kombinat Solidor Heiligenstadt hergestellt – erkennbar am Kürzel "SO" auf dem Anhänger. Bildrechte: MDR/Thomas Schwarz

Die ersten Reißverschlüsse datieren zurück bis ins Jahr 1851. Elias Howe aus den USA ließ sich eine Schließvorrichtung patentieren, die aus zwei wulstförmigen Verstärkungen bestand, welche an zwei Stoffkanten angenäht wurden. An diesen Verstärkungen befanden sich kleine Metallklammern, die entlang der Wulstrichtung verschiebbar waren.

Im Jahr 1890 erfand Max Wolff in Moskau den Spiral-Reißverschluss. Der fand seine Verbreitung jedoch erst in den 1950er-Jahren. Denn dann wurden die Metallspiralen durch Nylonfäden ersetzt.

1893 meldete der US-Amerikaner Whitcomb Judson ein Patent auf einen Klemmöffner für Schuhe an. Es handelte sich um einen Hakenverschluss, der zum Öffnen von Stiefeln gedacht war. Er gründete die "Universal Fastener Company", um die Hakenverschlüsse herzustellen. Die Firma wurde unter dem Namen "Talon" in den 1960ern zum Weltmarktführer für Reißverschlüsse.

Untrennbar mit dem Reißverschluss verbunden ist der Name Gideon Sundbäck. Der schwedisch-amerikanische Ingenieur stieß 1906 zu dem von Whitcomb Judson gegründeten Unternehmen. Er entwickelte den Hakenverschluss so weiter, dass er auch für Textilien und andere Anwendungsbereiche geeignet war. 1909 meldete er in Deutschland ein Patent an für den "VERSCHLUSS FUER KLEIDUNGSSTUECKE JEDER ART UND FUER GEBRAUCHSGEGENSTAENDE, BESTEHEND AUS AN DEN VERSCHLUSSKANTEN DES KLEIDUNGSSTUECKES O. DGL. KETTENARTIG ANGEORDNETEN OESEN UND HAKENGLIEDERN". 1914 meldete er das Patent hierfür auch in den USA an.

1923 erwarb der Schweizer Industrielle Martin Othmar Winterhalter das Reißverschlusspatent für Europa von Sundbäck. Auch er entwickelte den Verschluss weiter und führte die noch heute üblichen Rippen und Rillen ein. Sein Modell nannte er "RiRi", ebenso wie das dazugehörige Unternehmen. Das siedelte sich zunächst in Halle an der Saale an, dann in Wuppertal und schließlich in der Schweiz. "RiRi" stellte die weltweit ersten serienmäßig gefertigten Reißverschlüsse her.

Ihren ersten großen "Mode-Auftritt" hatten die Reißverschlüsse ab 1917 in wetterfester Lotsenbekleidung bei der US Navy. Ab 1930 begannen sie ihren Siegeszug auch in der Alltagskleidung. So gab es in den 1930ern eine Verkaufskampagne in den USA für Kindersachen. Sie bewarb die Möglichkeit, dass sich auch die Kleinsten dank des Reißverschlusses selbständig anziehen konnten.

Der der US-amerikanische Begriff "Zipper" wurde um 1923 auch von der "B. F. Goodrich Company" geprägt. Der damalige Reifen- und Gummiproduzent stellte neuartige Galoschen, also Überschuhe aus Gummi her – und nannte sie "Zipper". Für diese Schuhe nutzte die Firma die Reißverschlüsse von Gideon Sundbäck.

Zu DDR-Zeiten wurden Reißverschlüsse vom VEB Kombinat Solidor Heiligenstadt hergestellt – erkennbar am Kürzel "SO" auf dem Anhänger. Nach der Wiedervereinigung wurde der Betrieb privatisiert und aufgespalten. Eine Nachfolgefirma, die "Heiligenstädter Reißverschluß GmbH & Co. KG" produziert die Kurzwaren bis heute im thüringischen Eichsfeld.

Die weltweit größten Reißverschlusshersteller sind derzeit die japanische YKK-Gruppe sowie das Unternehmen SBS aus China.

Unsere Expertin

Nähen mit Ina Fischer
Bildrechte: pattydoo

Ina Fischer

Ina Fischer

Autorin und YouTuberin Ina Fischer leitet den erfolgreichsten deutschsprachigen Nähblog. Als "pattydoo" hat sie bei YouTube mehr als 280.000 Abonnenten und bei Facebook mehr als 120.000 "Gefällt mir"-Angaben.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 01. April 2021 | 00:00 Uhr

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