Service | 03.11.2021 Handys und Fernseher für Kinder - Das sollten Eltern wissen

Ab welchem Alter ist ein Handy für Kinder sinnvoll? Wieviel Fernsehen ist erlaubt? Tipps für die kindgerechte Nutzung von Smartphone und Co. gibt es in der Servicestunde von MDR THÜRINGEN - Das Radio am Mittwoch. Zu Gast ist Medien-Coach Dr. Iren Schulz von der Initiative "Schau hin!".

Werden Kinder zu früh und zu lange mit dem Handy, dem Tablet oder dem Fernseher allein gelassen, kann sich das negativ auf die sprachliche und geistige Entwicklung auswirken. Feinmotorik und andere Sinneserfahrungen wie Tasten, Schmecken oder Riechen werden vernachlässigt. Schon die Kleinsten schlafen schlecht ein oder nicht durch.

Porträts von Dr. Iren Schulz und Prof. Gerald Hüther 38 min
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38 min

MDR FERNSEHEN Di 01.12.2020 15:21Uhr 37:38 min

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Dauerdaddeln führt oft zur Mediensucht

Daher haben Kinder- und Jugendärzte einen Flyer entwickelt, der bereits bei den ersten Vorsorge-Untersuchungen den Eltern mitgegeben werden soll. Er enthält Erklärungen und Tipps, wie Eltern ihre Kinder an einen achtsamen und gesunden Umgang mit digitalen Medien beziehungsweise Bildschirm-Medien (Smartphone, Tablet, Spielekonsole) heranführen und ihre Medienkompetenz schulen können.

Eltern sollten den Konsum von Bildschirm-Medien zeitlich begrenzen und zeigen, welche Freude es macht, mit allen Sinnen die reale Welt und das reale Miteinander mit Freunden zu erleben. Denn vor dem Smartphone oder dem Tablet sitzen die Kinder regungslos und steigern sich möglicherweise in die Spielwelt hinein.

Kind mit Smartphone am Esstisch
Regel Nummer Eins: Am Tisch legen alle das Handy beiseite. Bildrechte: IMAGO

Empfehlungen für Eltern

  • Gehen Sie achtsam mit Bildschirm-Medien um. Legen Sie das Handy beim Essen weg. Auch vor dem Einschlafen. Seien Sie Vorbild.
  • Setzen Sie Bildschirm-Medien nicht als Erziehungshelfer ein, also zur Beruhigung oder Belohnung.
  • Die Wirklichkeit hat Vorfahrt. Spielen und bewegen Sie sich mit Ihrem Kind an der frischen Luft.
  • Sprechen Sie mit Ihrem Kind über seine Erfahrungen, wenn es Filme (zum Beispiel auf dem Tablet) ansieht. Lassen Sie es nicht alleine.
  • Begrenzen Sie die Nutzungszeit des Bildschirm-Mediums. Halten Sie auch Altersbeschränkungen ein.
  • Vermitteln Sie Ihren Kindern, dass ein Smartphone ähnlich wie ein PC in erster Linie ein Gebrauchsgegenstand ist.
  • Sorgen Sie für eine sexuelle Aufklärung Ihres Kindes, bevor es sich diese aus dem Internet holt.
  • Erlauben Sie sich (und Ihrem Kind), auch unerreichbar zu sein. Das Leben geht trotzdem weiter.

Ein Kleinkind mit Smartphone
Für sehr kleine Kinder ist ein Handy noch nicht geeignet. Bildrechte: IMAGO / Westend61

Ab wann ein Handy für Kinder?

Nutzung, Umgang und auch bewusste Ablehnung von Informationen müssen von Kindern erst gelernt werden. Medienexperten raten daher zu einem einfachen Handy für Kinder ab neun Jahren. Den richtigen Zeitpunkt für ein Smartphone setzen sie auf ab zwölf Jahre fest. Denn ein Smartphone mit all seinen technischen Möglichkeiten überfordert die sozialen und geistigen Fähigkeiten eines Grundschülers.

Achten Sie auf altersgerechte Inhalte! In Chats gehen oftmals Pädophile auf die Suche nach Opfern, indem sie sich als gleichaltrig ausgeben. Experten nennen das "Cybergrooming". Unabhängige Portale wie klick-tipps.net, das Deutsche Jugendinstitut e.V. oder auch "Schau hin" helfen bei der App-Auswahl.

Ab wann ein Fernseher für Kinder?

Eltern sollten ihr quengeliges Kleinkind nicht vor dem Fernseher "parken", um Ruhe zu haben. In diesem Alter sind die Kleinen von der "sprechenden Lampe" komplett überfordert. Einige Kinderpsychologen erlauben täglichen Fernsehkonsum schon für Kinder ab drei Jahren - dann allerdings nicht länger als zehn Minuten und nur für kindgerechte Sendungen, zum Beispiel vom KiKa. Auch das "Sandmännchen" oder die "Sendung mit der Maus" kann Grundschulkindern Spaß machen.

Die Initiative "Schau hin!" empfiehlt einen eigenen Fernseher im Kinderzimmer nicht für Kinder unter zwölf Jahren. Eltern sollten feste Zeiten für die TV-Nutzung festlegen.

Experte Dr. Iren Schulz ist promovierte Medienpädagogin. Sie lehrt u.a. an der Uni Erfurt im Masterstudiengang Kinder- und Jugendmedien. Im Bereich Medienkompetenz und Medienbildung gibt die deutschlandweit Workshops zu Cybermobbing, Mediensucht und Datenschutz sowie Fake News, YouTube und Sexualisierung an.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Vormittag mit Haase und Waage | 03. November 2021 | 11:10 Uhr