Aus dem Leben Nach der Trennung: Wie sehen Kinder das Wechselmodell?

Eine Trennung ist immer schwierig, vor allem dann, wenn eine Familie mit Kindern unterschiedliche Wege geht. Immer mehr Paare bevorzugen das sogenannte Wechselmodell, bei dem die Kinder zu gleichen Teilen, Woche um Woche, entweder bei Mama oder bei Papa verbringen. Klingt fair, aber wie fühlt sich dieses Leben auf Zeit an? Manja Kraus hat eine Familie getroffen, die seit vier Jahren dieses Modell erfolgreich lebt.

Geschwisterpaar 2 min
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Seit vier Jahren leben die siebenjährige Vicki und ihre zehnjährige Schwester Elli nach der Trennung der Eltern abwechselnd bei Mama und Papa. Ganz unterschiedlich sind die Gefühle der Mädchen. Die Vierjährige fasst es so zusammen: "Für mich ist es eigentlich schön, weil man eine Woche Zeit mit seiner Mama verbringen kann und eine Woche mit seinem Papa. Heute waren wir baden."

Das zehnjährige Mädchen sieht es so: "Ich fand es am Anfang gar nicht schön, weil das ganz ungewohnt war. Ich habe auch manchmal geweint, weil ich Mama oder Papa vermisst habe. Jetzt habe ich mich schon daran gewöhnt. Ich vermisse schon manchmal auch immer noch die beiden. Aber ich freue mich dann auch desto mehr auf den anderen. Die Mama hat halt manchmal mehr zu tun als der Papa. Leider. Aber das ist jetzt auch nicht so schlimm. Beim Papa ist es auch schön, der baut auch mal was mit uns."

Mann trägt Mädchen huckepack
Vorteil fürs Kind: In der Papa-Woche nimmt sich der Vater ganz bewusst Zeit. Bildrechte: Colourbox.de

Mehr Zeit für die Kinder

Mama Marlene nimmt sich in ihrer Kinderwoche mehr Zeit für die Mädchen. Überstunden macht sie vor allem in der Papa-Woche. Um die Kinder auch in ihrer Woche nicht aus ihrem gewohnten Umfeld zu reißen, hat sie sich ein Haus ganz in der Nähe, im gleichen Ortsteil, gesucht. Die Kinder sind und bleiben der Mittelpunkt von Mama und Papa.

"Also, wir können uns auch immer anrufen. Wir sprechen uns ab, wir ziehen da an einem Strang. Ich sag mal so, die Kinder haben wir ja nicht gemacht, weil wir uns nicht mögen, sondern weil wir, was die Kinder angeht, absolut auf einer Wellenlänge sind. Aber trotzdem sind die Leben jetzt bei Papa und Mama verschieben", sagt Mama Marlene.

Zwei komplette Haushalte

Es gibt in jedem Haushalt zwei komplett eingerichtete Kinderzimmer - für jedes Mädchen eins. Zwei Kleiderschränke, zweimal Spielzeug. Nur einer darf immer mit wechseln - Ellis Maus, Linus. "Die war erst nur bei der Mama, aber die nehme ich seit neuestem mit, so wie ich immer wechsele. Weil ich dachte, die ist immer so allein."

Allein ist auch das jeweilige Elternteil, das gerade nicht dran ist. Für Mama Marlene war das lange eine schwierige Situation: "Ich habe bestimmt fast zwei Jahre gebraucht, um mich wirklich daran zu gewöhnen. In den Wochen ohne Kinder habe ich mich in meine Arbeit gestürzt. Und in den Wochen mit Kindern habe ich dann umso mehr Zeit mit ihnen verbracht."

Man hat mehr Zeit für die Kinder als regulär.

Mama Marlene

Kinder übereichen einer Frau ein Geschenk.
Das ist das Wechselmodell: Eine Woche nur Mama. In der Woche darauf ist der Papa dran. Bildrechte: imago/Westend61

Der Sonntag ist heilig

Heilig ist allen jeweils auch ihr Sonntag mit Mama oder Papa. "Was ich schon immer ganz schlimm fand: Sonntagabend-Übergaben, 18 Uhr irgendwo sein zu müssen. Da habe ich gleich gesagt, das machen wir gar nicht. Jeder für sich sollte am Sonntag mit den Kindern einen schönen Tag haben und nicht im Kopf haben, oh, heute 18 Uhr Übergabe", sagt Marlene. "Das geht bei uns immer bis Montagfrüh. Der, der die Kinder hat, der schafft sie in die Einrichtung oder in die Schule. Und der, der sie bekommt, holt sie ab."

Besondere Tage, wie Kindertag oder Geburtstag oder auch Ausflüge verbringt die Familie auch gern komplett zusammen, immer zum Wohle der Kinder.

Denr Expertenrat zum Thema "Trennungskinder" können Sie sich hier anhören:

Ein Kind hält sich die Ohren zu, im Hintergrund streiten ein Mann und eine Frau 28 min
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Quelle: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio/Manja Kraus/in

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Der Tag | 28. Juni 2021 | 10:00 Uhr

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