Wohnen Warum Verbraucherschützer jetzt zur Wärmepumpenheizung raten

Wärmepumpen können eine Alternative zu Gas- und Ölheizungen sein: Sie werden mit Strom angetrieben und nutzen Umgebungswärme für Heizung und Warmwasser. Wir haben Verbraucherschützer Reinhard Loch gefragt, was Hausbesitzer bei der Anschaffung beachten sollten und welche Fördermöglichkeiten es gibt.

Wärmepumpe neben einem Haus
Wärmepumpen können sowohl in Neu- als auch in Altbauten eingesetzt werden. Bildrechte: dpa

Hauptsache weg vom teuren Gas und Öl: So lautet momentan das Ziel vieler Immobilienbesitzer. Sie fragen sich, ob es sich lohnt, auf alternative Heizsysteme umzusteigen.

Eine Option sind Wärmepumpen. Diese Anlagen entnehmen Umweltwärme aus dem Erdreich, aus dem Grundwasser oder aus der Luft. Über einen Kältekreislauf und einen strombetriebenen Kompressor lassen sich damit Gebäude beheizen und Warmwasser für Dusche, Badewanne und die Armaturen in Bad und Küche erzeugen. Dafür braucht eine Wärmepumpe nur wenig Strom, der in Deutschland immer häufiger aus erneuerbaren Energien stammt.

Umweltfreundliche Wärmepumpen

Im Jahr 2030 sollen hierzulande 80 Prozent des verbrauchten Stroms mit Windrädern, Photovoltaik- und Biogasanlagen oder Wasserkraftwerken erzeugt werden. Wärmepumpen sind also nicht nur in puncto Umwelt vorteilhaft gegenüber anderen Heizsystemen.

Reinhard Loch, Energieexperte bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, sagt, dass Wärmepumpen außerdem effizient sind: Im Gesamtjahr kommen sie auf einen Nutzungsgrad von drei bis vier. Das heißt, sie produzieren aus einer Kilowattstunde Strom drei bis vier Kilowattstunden Wärme. Damit ist die Wärmepumpe deutlich effizienter als ein Gas- oder Ölkessel, die allenfalls 1:1 schaffen.

Eine Mitarbeiterin lötet an einem Luftwärmetauscher, dem Herzstück einer Wärmepumpe
Wärmepumpen sind die Heizsysteme der Zukunft, weil sie effizienter sind als Gas- oder Ölheizungen. Bildrechte: dpa

Einbau im Neu- und Altbau

Um diese Effizienz der Wärmepumpen beizubehalten, sollte das Gebäude isoliert sein, so Reinhard Loch. Wenn sich das betreffende Haus also nicht in einem sehr schlechten energetischen Zustand befindet, sollte der Einsatz der Wärmepumpentechnik durchaus möglich sein - also auch in Altbauten. Loch sagt, während im Neubau eine Wärmepumpe auf jeden Fall die Option Nummer eins sei, wären im Altbau zunächst die Rahmenbedingungen zu prüfen. In der Regel könnten Wärmepumpen auch dann genutzt werden, wenn bereits Heizkörper in der Immobilie vorhanden sind. 

Diese staatliche Förderung gibt es

Allerdings liegen die Kosten für eine Wärmepumpe deutlich höher als beispielsweise die einer Gasheizung. Nach Aussage des Experten ist die Luftwärmepumpe unter Immobilienbesitzern momentan das beliebteste Gerät. Diese kostet Eigenheimbesitzer bis zu 28.000 Euro bei einem klassischen Ein- oder Zweifamilienhaus. Doch der Einbau von Wärmepumpen wird gefördert.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck von den Grünen will den Umstieg mit staatlichen Subventionen massiv vorantreiben. Für ihn ist es durchaus vorstellbar, die staatliche Fördersumme pro Gerät von derzeit 35 Prozent weiter zu erhöhen. Wer von einer Ölheizung wechselt, erhält sogar noch einmal zehn Prozentpunkte mehr Zuschuss und somit eine Fördersumme von 45 Prozent. Womit eine Wärmepumpe am Ende etwa so teuer wäre wie eine Öl- oder Gasheizung.

Aber: Die Förderung vom Bund erhält nur, wer die Energieeffizienzstandards einhält. Hierfür müssen die Hersteller einen Wirkungsgrad angeben, den "Coefficient of Performance".

Wärmepumpen - das Heizsystem der Zukunft?

Experten gehen davon aus, dass Wärmepumpen für die allermeisten das Non-Plus-Ultra ist bei weiter steigenden Energiekosten. Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland 150.000 Wärmepumpen eingebaut. 2024 müssen es bereits 500.000 sein, so Robert Habeck. Ziel sei es, bis 2030 sechs Millionen Wärmepumpen in Betrieb zu haben.

Nach Angaben von Reinhard Loch gibt es einige weitere Alternativen, die besonders im ländlichen Bereich öfter zum Einsatz kommen. Hierzu zählt unter anderem die Holzfeuerung, etwa mithilfe von Holzpellets.

Pellets werden in einen Pelletsofen geschüttet.
Pelletöfen heizen klimaneutral, erzeugen aber Feinstaub. Bildrechte: IMAGO / Action Pictures

Diese hätten den Vorteil, dass sie klimaneutral sind, aber den Nachteil, dass die Verbrennung von Holz Feinstaub-Emissionen verursacht. In größeren Städten gäbe es auch die Möglichkeit des Fernwärmeanschlusses.

Experten gehen davon aus, dass die aktuell steigenden Gas- und Ölpreise viele Menschen dazu anregen, auf die Wärmepumpentechnik umzusteigen. Weil die Wärme aus der Umwelt kostenlos und unbegrenzt verfügbar ist, bleiben die Heizkosten stabil. Durch den darüber hinaus sehr geringen Stromverbrauch der Wärmepumpen sind steigende Strompreise für Immobilienbesitzer weniger relevant.

MDR (mbr)

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