Tipps für Einsteiger Aktienfonds als Geldanlage

Hermann-Josef Tenhagen von Finanztip
Hermann-Josef Tenhagen von Finanztip Bildrechte: Finanztip

Aktienfonds sind praktisch, weil sie das Risiko breit streuen können. Aber oft sind sie teuer, intransparent und für den kleinen Anleger nicht zu verstehen. Dennoch verkaufen Banken und Sparkassen gerne Fonds, weil sie kräftig daran verdienen. Finanzexperte Hermann-Josef Tenhagen erklärt, welche Fonds für Kleinanleger geeignet sind, worauf Sie bei der Auswahl achten sollten und wie es überhaupt funktioniert, in Fonds zu investieren.

Börsenanalyse auf Monitor.
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Aktienanlage in Indexfonds

Zinsen, vergessen Sie es. Vorläufig wird es keine hohen Zinsen geben. Und auch in der Vergangenheit haben Zinsen auf einem Sparkonto selten eine hohe reale Rendite abgeworfen. Bei drei Prozent Inflation nutzt ein Tagesgeldkonto, das 2,5 Prozent abwirft, eben auch nur bedingt.

Aber Aktien: Ist das nicht zu riskant? Ja, es gibt ein Risiko, aber das können Sie gut im Zaum behalten.

Was Sie bei einem Aktienfonds beachten müssen

  1. Sie richten sich ein kostenloses Depot ein, also ein Konto auf dem Ihre Aktien und anderen Wertpapiere gelagert werden, das sie für die Lagerung aber nichts kostet.
  2. Sie kaufen nicht eine Aktie sondern 1500. Zu aufwändig? Gar nicht. Das geht heute mit weltweiten Aktienindexfonds, in denen von vornherein mehr als 1500 Aktien enthalten sind. Und bei denen die Kosten für die Auswahl und das Management dieser vielen Aktien ganz niedrig sind. Also deutlich unter einem halben Prozent pro Jahr. Die Kosten sind deshalb niedrig, weil die Manager gar keine Auswahl vornehmen müssen, sie nehmen einfach die großen Aktiengesellschaften, die in den Aktienindizes wie zum Beispiel dem DAX oder dem Dow Jones enthalten sind. Viele andere nicht Index- sondern gemanagte Fonds verlangen für die eigene Auswahl und dieses Management bis zu zwei Prozent im Jahr. Indexfonds können Sie oft auch mit einem Sparplan schon für 25 Euro im Monat kaufen.Sie können aber gleich auch 25.000 Euro so anlegen.
  3. Sie haben Zeit, denn an den Börsen geht es rauf und runter. Und es wäre doch ungünstig, wenn sie ihre Aktien zu einem Zeitpunkt verkaufen müssten, an dem sie weniger wert sind als beim Einkauf. Bei Finanztip haben wir nachgeschaut. Nach 15 Jahren gibt es diesen Zeitpunkt nicht mehr, oder besser gesagt, gab es ihn jedenfalls in den vergangenen 40 Jahren nicht. Egal ob die platzende Dot-Com Blase der ersten Internetfirmen, die große Finanzkrise vor 12 Jahren, die viele Menschen ins Unglück stürzte oder während des Börsencrash zu Beginn der Corona-Krise, in der die Aktien schneller in den Keller rauschten als je zuvor. Wenn Sie also so lange ausharren, können Sie keine Verluste machen.

Welche Rendite können Sie erwarten?

Und was noch schöner ist. Sie hätten in der Vergangenheit im Schnitt über 7 Prozent Rendite gemacht. Bei einem besonders glücklichen Ablauf, sie kaufen besonders preiswert und verkaufen auf Börsenhöchstständen, wären sogar mehr als zehn Prozent drin gewesen.

Ein Aktienhändler beobachtet auf dem Parkett der Frankfurter Wertpapierbörse vor der Tafel mit der fallenden Dax-Kurve seine Monitore.
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Noch ein lebenspraktisches Beispiel: Wenn Sie dieser Tage 100 Anteile eines Indexfonds auf den MSCI World für 65 Euro pro Anteil kaufen und die Rendite über die kommenden 15 Jahre wäre nur 1 Prozent, hatten sie in 2036 ungefähr 7.500 Euro. Wenn Sie total mutig gewesen wären und hätten diese 100 Anteile im vergangenen März nach dem Börsencrash für nur 40 Euro gekauft und würden 2036 diese 7.500 Euro erreichen, hätten sie gut 4 Prozent Rendite bekommen.

Wenn Sie 5.000 Euro heute für 15 Jahre anlegen und am Ende für ein gutes Festgeld oder einen unglücklichen Verlauf an der Börse 1 Prozent Rendite im Jahr bekommen haben, werden daraus nach 15 Jahren 5.800 Euro. Mit 7 Prozent Rendite, dem in der Vergangenheit durchschnittlichen Börsenverlauf, würden es 13.800 Euro und bei Glück an der Börse und 11 Prozent knapp 24.000 Euro.

Wie machen Sie das?

Suchen Sie sich zunächst ein gutes kostenloses Depot. Finanztip empfehlt Depots bei vier Direktbanken: ING, DKB, Consors und Comdirekt. Wenn Sie das nicht wollen, fragen Sie bei Ihrer Hausbank nach dem Online-Depot. Online muss schon sein, sonst wird das Depot zu teuer. Das ist genau wie bei ihrem Girokonto. Bei den Sparkassen z.B. heißt das S-Broker, bei den Volksbanken und bei der Deutschen Bank Maxblue. 

Wenn Sie gern online sind und Ihre Bankgeschäfte auch mit dem Smartphone machen, können Sie das Depot auch beim Onlinebroker eröffnen. Der bietet nicht die Dienstleistungen einer Bank, ist aber beim Kaufen und Verkaufen ihrer Fonds noch günstiger. Finanztip empfiehlt Scalable, Trade Republic oder Smartbroker.

Dann kaufen Sie entweder für einige tausend Euro dort einen günstigen weltweit anlegenden Aktienindexfonds. Eine Liste mit passenden Fonds, die sich wirklich wie der Index verhalten und die wenig laufenden (Verwaltungs)Kosten haben, finden Sie hier.

Die einmaligen Kaufkosten sind niedrig, manchmal sogar einstellig.

Das Risiko streuen

Wichtig: Wählen Sie einen Fonds, der einen weltweiten Index wie den MSCI World nachbaut, dann sind Sie von der wirtschaftlichen Entwicklung in einzelnen Ländern, auch in Deutschland, unabhängig.

Oder sie richten einen Sparplan für einen solchen Indexfonds ein. Meistens müssen Sie für jede Rate einen kleinen Prozentsatz (1-2 Prozent) Kaufkosten bezahlen, es gibt aber bei den günstigen Direktbanken und Brokern auch gute Fonds, bei denen die einzelnen Sparplanraten erstmal keine Einkaufskosten mitbringen.

Und dann warten sie ab und freuen sich über die Rendite. Solche Pläne und Depots können sie auch bis weit in Ihre Rentenzeit hinein weiterlaufen lassen. Solange sie sich Bankgeschäfte prinzipiell zutrauen und solange sie das Geld nicht kurzfristig brauchen.

Quelle: MDR um 4

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 23. März 2021 | 17:00 Uhr

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