Steuern auf Alterseinkünfte Wie Renten besteuert werden

Warum müssen Rentner Steuern zahlen? Wie wirken sich Rentenerhöhungen aus? Bin ich steuerpflichtig und muss ich mich als Rentner selbst um die Steuererklärung kümmern? Und wie werden im Gegenzug die Rentenbeitragszahler entlastet. Fragen und Antworten zur Besteuerung der gesetzlichen Rente.

Geld und Spielfiguren auf dem jährlichen Schreiben zur Renteninformation
Gesetzliche Rente und auch Betriebsrenten werden immer stärker besteuert. Warum ist das so und was kommt unter dem Strich bei den Rentnern und Rentnerinnen an? Bildrechte: imago/Schöning

Warum wurde die Rentenbesteuerung geändert?

Die rot-grüne Bundesregierung hat 2004 die Besteuerung von Vorsorgeaufwendungen und Altersbezügen reformiert. Seit 2005 gilt das sogenannte Alterseinkünftegesetz. Auslöser war eine Forderung des Bundesverfassungsgerichts, die Besteuerung von gesetzlichen Renten und Beamtenpensionen anzugleichen.

Hintergrund war, dass Beamte vom Bund oder den Ländern nach Ausscheiden aus dem Arbeitsleben eine Pension beziehen. Diese Altersversorgung wird - wie auch Leistungen aus Pensionsfonds - voll besteuert. Dagegen zahlen gesetzlich Rentenversicherte Beiträge in die Rentenversicherung, die unmittelbar versteuert werden. Von der Rente wird nur ein Teil versteuert.

Mit dem Alterseinkünftegesetz von 2005 soll die Steuerlast grundsätzlich ins Alter verlegt werden – schrittweise wird für alle die sogenannte nachgelagerte Besteuerung eingeführt. Ab 2040 sollen Renten und Pensionen steuerlich gleichgestellt sein. Doch schon jetzt müssen Millionen Rentner eine Steuererklärung machen und Steuern zahlen.

Wie werden Renten besteuert?

Die Neuregelung betrifft alle Rentner. Für Rentenbezieher vor dem Stichtag 1. Januar 2005 gilt dauerhaft ein Freibetrag von 50 Prozent ihrer Jahresbruttorente. Für Neurentner richtet sich die Besteuerung nach dem Jahr des Rentenbeginns und bleibt danach konstant.

Bis 2020 steigt die Besteuerung jährlich um zwei Prozentpunkte, ab 2020 um einen Punkt pro Jahr bis 2040 auf 100 Prozent. Entsprechend sinkt der Rentenfreibetrag dann auf Null. Aktuell liegt der Besteuerungsanteil bei 76 Prozent, der Freibetrag bei 24 Prozent.

Rentenbesteuerung und Freibetrag

Rentenbeginn Besteuerungsanteil in Prozent Rentenfreibetrag
bis 2005 50 50
...    
2010 60 40
...    
2018 76 24
...    
2020 80 20
...    
2030 90 10
...    
ab 2040 100 0

In der Praxis bleibt laut Deutscher Rentenversicherung weiter ein Großteil aller Rentnerhaushalte steuerfrei. Zudem handele es sich bei vielen Rentensteuern um relativ geringe Summen. Laut Bundesfinanzministerium sind aktuell etwa 4,4 Millionen Rentner steuerpflichtig. Im Juli kommen durch die Rentenerhöhung noch einmal mehr als 50.000 neue dazu.

Ab wann zahlen Rentner Steuern?

Steuerfrei bleiben alle, deren steuerpflichtiger Anteil der Rente unterhalb des Grundfreibetrags von aktuell rund 9.000 Euro liegt. Dazu kommt noch eine Werbungskostenpauschale von gut 100 Euro. So werden derzeit für Neurentner- und innen ab einer Monatsrente von etwa 1.200 Euro (Bruttojahresrente rund 14.000 Euro) Steuern fällig. Das ist jedoch eine Modellrechnung mit durchschnittlichen Beiträgen zur Gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung, die steuerlich absetzbar sind.

Auch Aufwendungen zum Beispiel bei einer Schwerbehinderung wirken steuermindernd, ferner Zuzahlungen für Ärzte, Haftpflicht- oder Unfallversicherung, Handwerkerkosten oder gemeinnützige Spenden. Es gelten die gleichen Regelungen wie für Arbeitnehmer. Bei zusätzlichen Einkünften wie Mieteinnahmen, Betriebsrenten und Zinsen, eigenem oder einem Einkommen des erwerbstätigen Partners sinken die Freibeträge.

Wer hingegen bereits seit 2005 Rente bezieht, zahlt erst ab einer Grenze von etwa 1.500 Euro im Osten und 1.600 Euro (West) aufwärts Steuern.

Wie wirkt sich eine Rentenerhöhung aus?

Rentenerhöhungen werden gemäß Alterseinkünftegesetz zu 100 Prozent besteuert.

  • Beispiel 1: Frau Bauer bezieht seit dem Jahr 2000 die gesetzliche Altersrente. Für die Ermittlung des Rentenfreibetrages gilt ein Besteuerungsanteil von 50 Prozent. Bei einer Jahresrente von 10.000 Euro im Jahr 2005 ergab sich mit Inkrafttreten des Alterseinkünftegesetzes ein Freibetrag von 5.000 Euro - dieser gilt für die gesamte Rentenlaufzeit. Der steuerpflichtige Teil der Rente betrug 2006 ebenfalls 5.000 Euro. Seitdem gab es mehrere Rentenerhöhungen, die voll besteuert werden. Entsprechend wuchs der steuerpflichtige Teil der Rente auf über 50 Prozent und der steuerfreie Anteil sank auf unter 50 Prozent.

  • Beispiel 2: Herr Bauer ist seit 2010 gesetzlicher Rentner, er startete mit einer Jahresrente von 15.000 Euro. Davon waren gemäß der Anpassung seit 2006 noch 40 Prozent steuerfrei und 60 Prozent steuerpflichtig. Sein Rentenfreibetrag liegt seitdem fest bei 4.500 Euro. Der besteuerte Anteil lag anfangs bei 10.500 Euro, steigt jedoch mit jeder jährlichen Rentenerhöhung. Entsprechend schrumpft der steuerfreie Rentenanteil.

Steuerfreie Rentenleistungen

Jedoch unterliegen nicht alle Renten der Besteuerung. So sind etwa Rentenzahlungen aus der gesetzlichen Unfallversicherung (Berufsgenossenschaft), einer privaten Pflegeversicherung oder auch Rentenzahlungen an Wehrdienst- oder Zivildienstbeschädigte (oder Hinterbliebene) steuerfrei. Ebenso werden auf Rentenleistungen zur Wiedergutmachung nationalsozialistischen Unrechts und SED-Opferrenten nicht besteuert.

Wie werden Rentenbeitragszahler entlastet?

Parallel zur höheren Rentenbesteuerung werden die Arbeitnehmer bei den Altersvorsorgebeiträgen (GRV oder berufliche Versorgungswerke und private Vorsorge wie Rüruprente) steuerlich entlastet. Seit 2005 erhöhte sich der Freibetrag von einem Startsatz von damals 60 Prozent jährlich um zwei Punkte. 2025 wären dann 100 Prozent erreicht. Aktuell liegt der Satz bei 86 Prozent des Höchstbetrags, also 20.392 Euro für Alleinstehende und 40.784 Euro für Paare.

Beispielrechnung für 2018  
Einzahlung GRV (je 3.250 Euro Arbeitnehmer/Arbeitgeber): 6.500 Euro
Private Basis-Rüruprente 1.500 Euro
Summe: 8.000 Euro
Davon 86 Prozent: 6.880 Euro
Minus steuerfreier Arbeitgeberanteil: 3.250 Euro
Der Arbeitnehmer kann 3.630 Euro steuerlich absetzen  

Wie werden Betriebsrenten und sonstige Einkünfte besteuert?

Es gibt unterschiedliche Formen der betrieblichen Altersvorsorge wie Direktversicherung, Pensionskassen oder Pensionsfonds, die unterschiedlich besteuert werden. Der Fiskus gewährt einen Versorgungsfreibetrag und einen Zuschlag, die Höhe richtet sich nach dem Beginn des Versorgungsbezugs. Bei Verträgen bis 2005 beträgt der Freibetrag 40 Prozent der Versorgungsbezüge, höchstens jedoch 3.000 Euro jährlich, plus einen Zuschlag von 900 Euro.

Für jeden ab 2006 in den Ruhestand tretenden Rentnerjahrgang sinken die Freibeträge für Betriebsrenten. 2017 betrug der Freibetrag nur noch knapp 21 Prozent des Versorgungsbezugs, maximal 1.560 Euro plus 468 Euro Zuschlag. Der Freibetrag für die betriebliche Versorgung bleibt dann wie auch der GRV-Freibetrag in den Folgejahren konstant.

Beispielrechnung Freibetrag für Betriebsrente

Verheirateter | 450 Euro Werkspension | Ruhestand ab Januar 2017
12 x 450 Euro = 5.400 Euro | Bei 20,8 Prozent Freibetrag sind 1.124 Euro steuerfrei, hinzu kommt ein Zuschlag von 468 Euro.
Damit sind 1.592 Euro jährlich steuerfrei.

Sonderfall DDR-Betriebs- und "Intelligenz"-Rente

Auch in der DDR gab es Betriebsrenten, die nach der deutschen Wiedervereinigung jedoch nur teilweise ausgezahlt wurden. Ein Sonderfall sind dabei die Betriebsrenten für mehr als 100.000 ehemalige Beschäftigte der DDR-Reichsbahn, die ihre vorgesehene "Altersversorgung Deutsche Reichsbahn" nie erhielten. Ähnlich sieht es für ehemalige DDR-Bergleute und -Chemiker aus.

Andere Sonderrentenansprüche von DDR-Bürgern wurden pauschal geregelt. Der Bund übernahm 40 Prozent der Kosten, das jeweilige Bundesland 60 Prozent. Auch da ergaben sich Unwuchten und Probleme, gab es doch in der DDR mehr als 20 Zusatzversorgungssysteme - für Lehrer, Apotheker, die sogenannte technische Intelligenz bis hin zu Künstlern. Das betraf mehr als eine Million Bürger - und führte im Nachhinein zu einer starken Belastung der Landeshaushalte.

Müssen Rentner eine Steuererklärung machen?

Grundsätzlich wird laut Bundesfinanzministerium eine Einkommensteuererklärung verlangt, wenn die Gesamteinkünfte von Rentnern den jährlichen Grundfreibetrag überschreiten. Für 2017 lag dieser Grundfreibetrag bei 8.820 Euro. Das bedeutet, Rentnerinnen und Rentner mit höheren Einnahmen sind in der Bringpflicht.

Doch die Rechnung ist kompliziert, denn die Steuerlast steigt seit 2005 schrittweise an. Weitere Faktoren sind eine mögliche Betriebsrente oder private Rentenversicherung. Wer unsicher ist, ob er eine Einkommensteuererklärung machen muss, sollte sich Hilfe bei einem Lohnsteuerhilfeverein oder einem Steuerberater suchen.

Auch die Rentenversicherung hilft, sie stellt Rentnern auf Wunsch kostenlose Bescheinigungen aus, die beim Ausfüllen der Steuervordrucke helfen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL FERNSEHEN | 14. Mai 2018 | 21:45 Uhr

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