Interview mit Finanzexperten Tenhagen: Benzinpreise werden nicht wieder sinken

Dass die Benzinpreise im Sommer wegen der Ferien steigen, daran haben sich Autofahrerinnen und Autofahrer längst gewöhnt. Anders ist in diesem Jahr, dass die Preise auch nach dem Ferienende oben bleiben – auf einem Rekordhoch. Woran das liegt, wie die Preise sicht weiter entwickeln könnten und was das etwa für den Kauf eines neuen Autos bedeutet, erklärt Finanzexperte Hermann-Josef Tenhagen.

Hermann-Josef Tenhagen 1 min
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MDR um 4: Warum ist der Benzinpreis im Moment so teuer?

Hermann-Josef Tenhagen: Der Benzinpreis ist höher als im letzten Jahr aus drei Gründen. Erstens ist der Rohölpreis gestiegen, der war letztes Jahr so günstig wie ewig nicht. Zweitens haben wir eine CO2-Abgabe, die den Sprit teurer macht. Und drittens haben wir auch noch mehr Mehrwertsteuer, die obendrauf kommt. Das macht den Benzinpreis teuer.

Ein Mann bedient ein Telefon.
Der Experte rät zur Tank-App. Die gibt es für Verbrenner, aber auch für E-Autos, wie hier im Bild. Bildrechte: imago images/Shotshop

Wie kann ich an der Tanksäule sparen?

An der Tanksäule spare ich, indem ich eine Tank-App habe und mir tatsächlich die preiswerteste Tankstelle auf meinem Weg zur Arbeit oder zum Kino oder wo ich auch immer hinfahre raussuche.

Klassische Verbrenner sind verhältnismäßig günstig in der Anschaffung, Treibstoff aber momentan sehr teuer. Elektroautos hingegen sind teuer in der Anschaffung aber günstig aufzuladen. Worauf sollte man beim Neukauf setzen?

Wenn ich jetzt einen Neukauf habe, das Auto lange fahren will und habe die Möglichkeit, selber auf dem eigenen Dach zum Beispiel mit der Solaranlage Strom zu tanken, dann würde ich heute schon über ein E-Auto nachdenken und womöglich eines kaufen. Es gibt ja eine ordentliche Förderung dazu.

Ein elektrischer Porsche Taycan Turbo S steht im Porsche Zentrum Stuttgart hinter einer angedeuteten Ladesäule.
Wann lohnt sich der Kauf eines E-Autos? Bildrechte: dpa

Habe ich diese Voraussetzungen nicht, kaufe ich mir heute einen gebrauchten Benziner und fahre den mal runter in der Hoffnung, dass, wenn ich den runtergefahren habe, als nächstes Auto dann aber ein E-Auto kommt.

Am E-Auto selber geht kein Weg vorbei. Die Frage ist einfach, wann ist das für mich gescheit? Und wenn ich gerade noch ein Auto habe, dann fahre ich das halt runter und überlege mir zu dem Zeitpunkt, kann ich denn jetzt, wenn das Auto kaputt ist, ein E-Auto kaufen. Vor allen Dingen kann ich womöglich schon ein gebrauchtes E-Auto bekommen, weil das macht den Preis ja deutlich niedriger.

Benzinpreise und Klimaziel scheinen wie Gegenspieler zu sein. Wie könnten sich die Preise auch mit Blick auf die Wahl entwickeln?

Das ist ziemlich egal, in welches Wahlprogramm man reinschaut, da steht überall irgendwie drin: Der Benzinpreis wird steigen nach der Wahl. Bei der Union ist es am verklausuliertesten. Da heißt es dann, der "Aufwachspfad der CO2-Bepreisung" werde steiler – damit man auch nicht Benzinpreis beim Googeln in dem Programm findet.

Bei den anderen ist es ein bisschen klarer. Die sagen alle, der Benzinpreis wird steigen, weil am Ende des Tages müssen wir künftig weniger CO2 ausstoßen, 2045 wollen wir ja gar keins mehr verbrauchen.

Was müsste passieren, damit die Preise wieder sinken?

Die Preise werden nicht wieder sinken. Also es könnte sein, dass irgendwann in 20 oder 30 Jahren sozusagen für ganz bestimmte Spezialanwendungen noch ein bisschen Öl gebraucht wird und dass das dann günstig wird. Aber für den Massenverbrauch kann man davon ausgehen, dass in den kommenden Jahrzehnten die Preise nicht sinken werden.

Die Fragen für MDR um 4 stellte Jens Trocha.

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Quelle: MDR um 4

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | 07. September 2021 | 16:20 Uhr

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