Cyberkriminalität Anlagebetrug mit Bitcoin: So erkennen Sie die Angebote von Kriminellen

Auch Kriminelle versuchen, den Boom von Bitcoins zu nutzen und mit einer speziellen "Cybertrading-Masche" Millionen abzuzocken: mit geschickt gefälschten Onlinetrading-Portalen. Wir erklären, woran Sie diese erkennen!

Screenshot
Wer hier seine Daten eingibt und Geld überweist, ist in die Falle getappt. Was unterm Strich bleibt, ist ein Totalverlust. Bildrechte: LKA Niedersachsen

Steigendes Interesse – auch bei Betrügern

Die erheblichen Bitcoin-Kursgewinne der Vergangenheit und die aktuelle Niedrigzinsphase für konventionelle Geldanlagen führen zu einem gestiegenen Interesse an dieser Form von virtuellem Geld, auch bei sonst eher konservativ orientierten Anlegern. Das machen sich international organisierte Betrügerbanden zu Nutze.

Aggressive Fake-Werbung

Diese werben im Internet und über Phising-Mails aggressiv für angebliche Kapitalanlagen in Kryptowährungen wie Bitcoin, Ethereum und Co. In bunten Online-Werbeanzeigen, die oft als gefälschte News-Artikel aufgemacht sind, wird mit extrem hohen Renditen dieser Anlagen geworben.

Mit den Logos von Nachrichtenanbietern wie ARD, ZDF, RTL, Pro7 oder BBC, sowie Fotos und erfundenen Statements von Prominenten (die davon nichts wissen), wird Glaubwürdigkeit vorgetäuscht. Unklar bleibt dabei, wie und womit diese Gewinne verdient werden sollen.

Screenshot
Betrüger sind hier sehr erfinderich, um Seriösität vorzugaugeln. Gesichter Prominenter und Seitenlayout renomierter Medienunternehmen werden dafür missbraucht. Bildrechte: LKA Niedersachsen

Vorsicht Falle!

Wer auf die Links in den Werbeanzeigen klickt und als Interessent seine Daten angibt, ist den Betrügern bereits ins Netz gegangen. Per Telefon oder Mail wird von ihnen schnell zu dem potentiellen Anleger Kontakt aufgenommen und für diesen der Zugang zu einer vermeintlichen Tradingplattform eingerichtet.

Diese Cybertrading-Plattformen, die unter verschiedenen, immer wieder neuen Domains betrieben werden, sind echten Onlinehandelsplätzen täuschend echt nachempfunden.

Der Betrug folgt einem Schema

Der Ablauf gestaltet sich fast immer gleich: Die Täter geben sich als Anlageberater aus, bauen ein enges Vertrauensverhältnis auf und suggerieren dem potenziellen Kunden, ihm die digitalen Plattformen für den Handel mit Bitcoins und anderen, unterschiedlichsten Anlageformen zur Verfügung zu stellen. Daraufhin überweisen die gutgläubigen Opfer ihr Geld auf Auslandskonten der Betrüger. Hier wird es innerhalb kürzester Zeit aus der EU hinaus weitertransferiert.

Auf den gefälschten Cybertrading-Plattformen werden den Anlegern daraufhin Zahlungseingänge und stark steigende Kurse vorgegaukelt. Doch eine Investition erfolgt nicht, die eingezahlten Gelder werden zu keinem Zeitpunkt einer Kapitalanlage zugeführt. Die Handelsplattform und das angebliche Kundenkonto sind reine Täuschungen.

Screenshot
Auch dies ist eine Fake-Seite, die nur eines will: das Geld ihrer Opfer. Bildrechte: LKA Niedersachsen

Was am Ende bleibt: der Totalverlust

Der Betrug wird oft erst dann bemerkt, wenn der Betrogene sein Geld ausgezahlt haben möchte. Dann werden Gelder vom Betrugsopfer verlangt. Die Täter verlangen Zollgebühren, Wechselgebühren, Steuern oder ähnliches, bevor der vermeintliche Gewinn zur Auszahlung kommen kann. Eine Aufrechnung wird nicht akzeptiert.

Man soll immer neues Geld reinvestieren. In der Regel kommt es zu einem Totalverlust des eingesetzten Kapitals. Alleine in Deutschland sind mehrere tausend Anleger betroffen. Auch in anderen europäischen Ländern finden sich unzählige weitere Geschädigte. 

Wer steckt hinter dem Anlagebetrug?

Der Zentralstelle Cybercrime Bayern und der Kripo Bamberg gelangen, gemeinsam mit Unterstützung des Bundeskriminalamts und internationalen Strafverfolgungsbehörden nach umfangreichen Ermittlungen, Schläge gegen einige der international agierenden mutmaßlichen Anlagebetrüger. Darüber informierte die Generalstaatsanwaltschaft Bamberg.

Ermittlungserfolge in Albanien, im Kosovo und in Deutschland

18 Verdächtige sind in der Republik Kosovo festgenommen worden. Die Ermittler stellten dort sieben Fahrzeuge und circa 160.000 Euro Bargeld sicher. Mehrere Konten mit Guthaben in Höhe von rund 700.000 Euro wurden zudem beschlagnahmt. Die Internet-Betrüger sollen nach Deutschland ausgeliefert werden. Die Männer zwischen 22 und 45 Jahren stammen aus dem Kosovo, aus Albanien und Deutschland.

Ein weiterer Fahndungserfolg gelang in Bulgarien am 16. März 2021. Hier nahmen die Ermittler vier Männer und eine Frau aus Bulgarien, Tschechien und Montenegro im Alter zwischen 30 und 43 Jahren fest. Bei der Durchsuchung von sieben Objekten, insbesondere in der Hauptstadt Sofia, konnte umfangreiches Beweismaterial sichergestellt werden.

Bereits im Dezember 2020 führte die Generalstaatsanwaltschaft Kiew in der Ukraine einen groß angelegten Zugriff durch, bei dem es zur vorläufigen Festnahme mehrerer Personen, zur Durchsuchung von Privat- und Geschäftsräumen und zur Beschlagnahme von Immobilien kam. Die Polizei fand dort Luxusautos und Bargeld im geschätzten Gesamtwert von bis zu 50 Millionen Euro.

Gesprächsleitfaden
Anlagebetrug mit Bitcoins wird oft systematisch betrieben. Hier ist eine Anleitung für mögliche Gesprächsverläufe zu sehen, die zeigt, wie potentielle Kunden etwa am Telefon umgarnt werden sollen, damit sie in die Falle tappen. Bildrechte: Generalstaatsanwaltschaft Bamberg

Namen bereits entdeckter Fake-Plattformen

Allein die Mitglieder dieser Tätergruppe sollen in den vergangenen Jahren tausende Anleger, insbesondere aus dem deutschsprachigen Raum, um dutzende Millionen Euro betrogen haben. Dafür wurden im Zeitraum vom Jahr 2018 bis April 2020 unter anderem die Fake-Plattformen Trade Capital, Fibonetix, Nobel Trade, Forbslab und Huludox betrieben. Doch ständig entstehen unter anderen Phantasienamen neue, unechte Onlinehandelsplattformen.

Wie kann ich mich schützen?

Hohe Renditen sollten stutzig machen

Schon das Versprechen einer extrem hohen Rendite mit Bitcoin & Co. sollte misstrauisch machen. Solche Erträge sind nicht real und ohne Totalverlustrisiko zu erzielen.

Zudem sollte man prüfen, ob erkennbar ist, wo das Unternehmen herkommt. Gibt es ein Impressum, lässt sich genau erkennen, wer namentlich verantwortlich ist? Und auch, wenn es sich um ein bekanntes Unternehmen handelt, so gibt das noch keine hundertprozentige Sicherheit, denn immer wieder gibt es täuschend echt aussehende "Klone" von Webseiten seriöser Unternehmen.

Das Virenschutzprogramm kann helfen

Gute Virenschutzprogramme können erkennen, ob derartige Internetseiten eine potentielle Sicherheitsgefährdung darstellen. Zudem lassen sich Links derart gefälschter Seiten nicht mit Dritten teilen.

Skeptisch sollte man spätestens bei aggressiven Vertriebsmethoden der Scheinunternehmen werden. Die Interessenten werden nach dem ersten Kontakt mit häufigen Telefonanrufen psychologisch geschickt unter Druck gesetzt.

Was, wenn die Falle zugeschnappt hat?

Wenn man einem Anlagebetrug mit Kryptowährungen zum Opfer gefallen ist, sollte man schnellstmöglich die eigenen Konten sperren und Strafanzeige bei der Polizei stellen. Für eine Wiederbeschaffung des Geldes muss der Zivilrechtsweg beschritten werden, was langwierig und nicht immer Erfolg versprechend ist.

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), der Bundesverband Deutscher Banken (BVB) und die Verbraucherzentralen weisen auf ihren Internetseiten auf die Risiken für Anleger und das Betrugspotenzial hin.

Quelle: Umschau und Kripo Live, mck

Aktienkurse in einer Zeitung 9 min
Bildrechte: imago/blickwinkel

Dubiose Geldanlage-Angebote gibt es viele, vor allem im Internet oder über das Telefon. Mit Stiftung Warentest sprechen wir über deren Warnliste und worauf Anleger achten sollten.

MDR THÜRINGEN - Das Radio Mo 08.02.2021 11:10Uhr 08:51 min

https://www.mdr.de/mdr-thueringen/service/audio-geldanlage-betrug-stiftung-warentest-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Umschau | 04. Mai 2021 | 21:00 Uhr

Mehr zum Thema Finanzen

ARCHIV - 04.11.2014, München: Gestapelte Geldmünzen liegen auf Geldscheinen. 10 min
Bildrechte: dpa

Pflegepauschbetrag, Behindertenpauschbetrag, Arztrechnungen - es gibt viele Ausgaben, die Senioren absetzen können. So müssen sie weniger Steuern zahlen.

MDR THÜRINGEN - Das Radio Di 20.04.2021 10:05Uhr 09:53 min

https://www.mdr.de/ratgeber/finanzen/audio-steuer-sparen-rentner-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio

Weitere Ratgeber-Themen