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Service | 12.01.2022Wie wird man mit Briefmarkensammeln reich?

von MDR THÜRINGEN

Stand: 12. Januar 2022, 13:37 Uhr

"Soll ich dir meine Briefmarkensammlung zeigen?" ist wohl heute als Dating-Spruch nicht mehr ganz so aktuell. Die Zahl der Markensammler in Thüringen sinkt. Doch vielleicht sind Briefmarken ein gutes Investment? Wir klären das in der Servicestunde mit Melchior Lemke, dem Vorsitzenden des Landesverbandes der Thüringer Philatelisten.

Wie viele Briefmarkensammler in Thüringen sind in Ihren Verein versammelt?

Wir sind in Thüringen so etwa 450 organisierte Sammler und damit einer der kleinsten Verbände im Bund Deutscher Philatelisten, der 16 Verbände hat und auf insgesamt 25.000 organisierter Sammler in der ganzen Bundesrepublik kommt. Viele Sammler sind aber auch nicht im Verein. Es gibt viele, die sich nicht organisieren wollen, aber trotzdem sammeln. Das merkt man zum Beispiel, wenn man die Sammelbörsen beobachtet.

Kann man mit diesem Hobby reich werden?

Ich kann mir durchaus sagen ja, man kann - aber, es ist wie beim Lotto spielen. Auch mit dem Lottospielen kann man reich werden, sehr reich, aber das sind die wenigsten, die das schaffen.

Ob die beiden durchs Sammeln reich wurden? Jedenfalls haben die Magier Siegfried & Roy 2012 eine besondere Briefmarke zum Schutz bedrohter Tiere vorgestellt. Bildrechte: imago/APress

Also ist es auch ein Hobby, das kostet?!

Das Ganze ist ja aus meiner Sicht eine Sache, die Spaß machen soll. Man kann natürlich auch sammeln, weil man Reichtum anhäufen will. Aber damit das klappt, muss man erst mal selber ein bisschen Reichtum mitbringen, weil man die teuren Sachen nie billig kaufen kann! Und einen Grundstock braucht man ja auch. Also ja, man braucht ein bisschen Geld, um eben sich Marken anzulegen. Und man braucht viel Wissen und viel Zeit. Wie ein Aktiensammler muss man vergleichen. Sogar mehr: Welche Sammelgebiete sind denn im Moment jetzt günstig zu haben und haben die Chance, in Zukunft teuer zu werden?

Die ist nicht so günstig zu kriegen (man sollte schon die ein oder andere Million über haben) und wenn doch: Vorsicht! - "One Cent"-Marke aus dem Jahr 1861 mit US-Präsident Franklin. Bildrechte: Gwillhickers/US Post Office/dapd

Was, wenn ich Briefmarken erbe?

Das ist eine schwierige Frage, die oft gestellt wird. Das Wichtigste ist, sich keine allzu großen Hoffnungen zu machen. Meistens ist es so, dass das Geld, das der Vorbesitzer reingesteckt hat, sich nicht wieder realisieren lässt. Der Nachwuchs bricht weg und damit bricht auch der Markt weg. Das sind alles Preisfaktoren, die die Sache nach unten regeln. Und deswegen sollte man sich bei dem Sammeln sagen: Solange es Spaß gemacht hat, war es wichtig, richtig und gut. Und wenn man es jetzt einfach geerbt hat, sollte man es als schönes Familienerbstück betrachten oder vielleicht selbst anfangen zu sammeln. In Thüringen gibt es (wenn nicht gerade Corona-Zeit ist) zwei bis vier Börsen im Jahr. Manche konnten jetzt unter 2G+ stattfinden.

DDR-Briefmarke Halle-Neustadt Bildrechte: Colourbox.de

Und weshalb besuchen Sie und andere Sammler diese Börsen?

Der erste Anreiz ist natürlich ich suche noch eine bestimmte Marke oder einen bestimmten Stempel oder bestimmten Beleg. Man lernt Leute kennen, man kann netzwerken - und so tauschen oder an Marken kommen.

Ist das denn sicherer als z.B. im Internet?

Man sollte schon vorsichtig sein - zum Beispiel, wenn sehr wertvolle Marken sehr billig angeboten werden. Dann sollte man am besten gleich die Hände weglassen. Der Verkäufer will daran verdienen, aber möglicherweise hat er sie selbst billig aufgekauft und eventuell sind es keine echten, wertvollen Marken, sondern sehr wahrscheinlich gefälschte. Und manchmal sind die Gefälschten so gut gefälscht, dass es unheimlich schwer ist, das zu erkennen. Dafür gibt es Prüfer, die sich darum kümmern - das kostet aber auch wieder Geld.

Aber: Die meisten Anbieter im Internet sind seriös. Also nicht bei jedem Kauf sollten die Alarmglocken läuten. Wenn aber jemand Rücknahme ausschließt z.B. auf einem Versteigerungsportal, dann heißt es halt, ich kann die Ware nicht zurückgeben, auch wenn etwas damit "ist".

Infos zum ExpertenMelchior Lemke ist Vorsitzender des Landesverbandes der Thüringer Philatelisten. Er hat schon in der ersten Klasse gesammelt: Marken aus der DDR und dem Ostblock, also Mitte der 1950er-Jahre.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm:MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Vormittag mit Haase und Waage | 12. Januar 2022 | 11:50 Uhr