Dispositionskredit Dispo-Zinsen bei vielen Banken noch immer zu hoch

Bei einem Vergleich von Girokonten hat die Stiftung Warentest auch die Dispozinsen bei fast 1.300 Banken in Deutschland gecheckt. Das Ergebnis: Viele Kunden zahlen immer noch zu viel drauf, wenn sie den Dispo nutzen.

Geldautomat
Am Ende des Geldes ist noch viel Monat übrig? Hier rutschen viele in den Dispo. Bildrechte: IMAGO

Maximal acht Prozent für den Dispo – so viel wäre angemessen, sagt Stephanie Pallasch von der Stiftung Warentest. In Wirklichkeit zahlen die Kundinnen und Kunden aber oft viel höhere Zinsen für einen Dispositionskredit. Laut Stiftung Warentest sind es im Schnitt fast zehn Prozent.

Dabei gibt es große Unterschiede zwischen den Banken. Pallasch zufolge liegen die günstigsten Anbieter bei etwa fünf Prozent, die teuersten bei etwa zwölf.

Regelung mit Referenzwert ineffektiv

Die Dispozinsen in Deutschland sind nach der Finanzkrise 2008 stark gestiegen. Auch wegen Protesten von Verbraucherzentralen und vielen Medienberichten gab es 2010 eine neue gesetzliche Regelung. Seitdem müssen Banken ihren Dispozins an einen Referenzwert koppeln.

Die Regelung erweist sich aber als zahnloser Tiger, denn Pallasch zufolge ist jede Bank völlig frei in der Wahl des Referenzwerts und ebenfalls völlig frei darin, wie oft sie überprüft, ob die Zinsen gestiegen oder gefallen sind. Außerdem sei nicht vorgeschrieben, wie hoch der Abstand zum Referenzwert sein müsse.

Banken nutzten Dispozinsen in Finanzkrise zum Verlustausgleich

Ein solcher Referenzwert könnte zum Beispiel der Leitzins der Europäischen Zentralbank sein. Dieser liegt schon seit März 2016 bei null Prozent. Davon sind die Dispozinsen bei den meisten Banken meilenweit entfernt.

Dass die Dispozinsen überhaupt so hoch seien, erklärt Pallasch damit, dass die Banken die Dispozinsen in der Finanzkrise offensichtlich auch nutzten, um Verluste in anderen Geschäftsbereichen auszugleichen.

Banken ohne konkrete Erklärungen

Welche Rolle spielen die Dispozinsen bei den Einnahmen der Banken? Auf Nachfrage von MDR AKTUELL antwortet die Deutsche Kreditwirtschaft – ein Zusammenschluss der deutschen Bankenverbände –, dass sich das pauschal nicht beantworten lasse. Außerdem heißt es, die Zinsen bei Dispokrediten seien höher, weil das Geld so kurzfristig zur Verfügung gestellt werde. Außerdem sei die Überwachung eines solchen Kredits aufwendiger als bei anderen Kreditarten.

Wechsel der Bank nicht immer sinnvoll

Was also bleibt Kunden, denen die Dispozinsen zu hoch sind? Ein Wechsel der Bank sei manchmal sinnvoll, aber nicht immer, meint Pallasch. Der Dispozins selbst sollte demnach grundsätzlich nicht das Kriterium für die Wahl eines Girokontos sein.

Sie empfiehlt, in erster Linie drauf zu achten, was das Konto an sich koste. Wichtig sei auch, Geldautomaten in der Nähe zu haben, an denen man kostenlos Bargeld abheben könne. Sonst könne auch ein günstiges Konto schnell teuer werden. Der Dispozins sei dann der nächste Punkt, auf den man achten sollte. "Es sollte sozusagen das Gesamtpaket stimmen", sagt Pallasch.

Langfristig eher auf Ratenkredit setzen

Pallasch weist außerdem darauf hin, dass ein Dispokredit kein guter Weg sei, um sich langfristig Geld bei der Bank zu leihen. In jenem Falle sei es immer sinnvoll, den Dispo, den man vielleicht schon in Anspruch genommen habe, oder Geld, das man noch brauche, in einem Ratenkredit in Anspruch zu nehmen. "In der Regel liegen die Zinssätze für die Ratenkredite deutlich unter dem Dispozins", sagt Pallasch.

Außerdem habe man durch monatliche Raten einen festen Plan, wie die Schulden zurückgezahlt werden. Auch das helfe vielen dabei, nicht immer wieder den Dispo zu rutschen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 16. August 2020 | 08:35 Uhr

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