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Maestro und VPay sind die am weitesten verbreiteten Zahlungssysteme bei Girokarten. Bildrechte: Colourbox

GirokartenDarum kommt das Aus der Bezahl-Funktion Maestro

von MDR-Wirtschafstredaktion

Stand: 15. November 2021, 09:36 Uhr

2023 soll die Bezahl-Funktion Maestro abgestellt werden. Was bedeutet das für Besitzer betroffener Girokarten? Welche Alternativen gibt es? Und wieso kommt das Aus? Finanzexperte Hermann-Josef Tenhagen beantwortet es.

Die Maestro-Funktion soll auf der Mastercard ab Juli 2023 abgestellt werden. Warum?

Hermann-Josef Tenhagen: Die Firma hinter Maestro, Mastercard, hat letztlich gesagt, dass sie das nicht weiter betreiben will. Das ist für sie nicht so spannend. Man kann bisher mit der Maestro-Funktion nicht im Internet einkaufen. Da lohnt es sich also nicht. Mastercard würde gerne eigene Debit-Karten, eine Art Giro-Karte, im Land verkaufen.

Natürlich geht es ums Geschäft. Die Giro-Karte, die wir eigentlich alle haben, ist total praktisch. In Deutschland kann man damit überall bezahlen. Man kann auch im Ausland damit bezahlen. Ich habe schon in Kuba auf dem Marktplatz damit Geld gezogen. Wir können damit aber bislang nicht im Internet einkaufen. Das ist ein großer Nachteil. Da sind die Kreditkartenfirmen im Vorteil. Die versuchen jetzt, den Markt zu bereinigen und sich den ganzen Markt zu greifen. Die deutschen Banken sind noch ein bisschen schläfrig.

Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur des Online-Portals finanztip.de. Bildrechte: Finanztip

Was ändert sich künftig beim Bezahlen mit der Mastercard im Ausland?

Hermann-Josef Tenhagen: In der EU kann ich als Kunde bislang überall einkaufen. Außerhalb der EU kann ich mit der Maestro-Card Geld ziehen. Das könnte ich dann künftig nicht mehr, weil das die Girocard (Anm.: der Redaktion: ohne Maestro-Funktion) alleine nicht hergibt.

"Visa", "VPay und "Paypal" - das sind alles amerikanische Anbieter. Wie sieht es mit einem eigenen System aus?

Hermann-Josef Tenhagen: Es wäre sehr interessant aus Sicht der europäischen Banken, wenn man ein eigenes System hätte. Bisher sind sie noch nicht so weit. Die Deutschen haben bisher gedacht, das Girocard-System funktioniert wunderbar. Es funktioniert ja wunderbar in Deutschland. Es ist in vielen Teilen moderner, als das, was man sonst in der Welt hat. Aber es reicht eben nicht über die deutsche Ländergrenze raus, ohne einen großen Partner.

Ohne Partner geht es nicht?

Hermann-Josef Tenhagen: Letztlich hätten die deutschen Banken das überall auch selber hochziehen können. Aber da haben sie natürlich auch aufs Geld geguckt und gesehen, da ist schon eine Organistation wie Mastercard oder Visa. Dann machen wir das halt mit denen zusammen und lassen uns von denen diesen internationalen Zweig bauen.

Was müssen Verbraucher nun bis 2023 beachten?

Hermann-Josef Tenhagen: Aus Verbrauchersicht ist das alles ganz einfach. Ich bekomme meine nächste Girocard. Die benutze ich auch. Entweder ist da noch was drauf, mit dem ich im Ausland bezahlen kann oder ich brauche eine Kreditkarte. Kostenlose Kreditkarten gibt es auf dem Markt oder ich bekomme von meiner Bank eine Kreditkarte. Möglichst drauf achten, dass es eine richtige Kreditkarte ist. Es gibt Kreditkarten, da steht Kreditkarte drauf, die funktionieren aber im Grunde wie eine Girocard, die immer sofort vom Konto abgebucht wird. Das ist dann vor allem ein Problem, wenn sie in einem unbekannten Ausland ein Auto mieten wollen und eine Kaution hinterlegen sollen. Manche machen das dann nicht.

Das ist dann das Prinzip Debit-Karte?

Hermann-Josef Tenhagen: In der internationalen Terminologie ist die Giro-Karte, die wir hierzulande haben, eine Debit-Karte. Es gibt Karten, da steht vorne Kreditkarte drauf, auf der Rückseite Debit-Karte. Das funktioniert nach dem selben Prinzip: Es wird dann direkt vom Konto abgehoben.

Quelle: MDR-Wirtschaftsredaktion

Dieses Thema im Programm:MDR FERNSEHEN | MDR AKTUELL | 12. November 2021 | 19:30 Uhr