Fakt ist! Energie-Expertin: "Stoßlüften spart 80 Euro im Jahr"

Der Winter steht vor der Tür und die Preise für Gas, Öl und Strom erreichen Rekordwerte. Allein der Gaspreis hat sich seit Jahresanfang im Großhandel verdreifacht. 42 regionale Gasanbieter, darunter mehrere aus Sachsen, haben deshalb bereits an der Preisschraube gedreht. Im Interview erklärt die Geschäftsführerin der Klimaberatung co2online, Tanja Loitz, mit welchen Maßnahmen Verbraucherinnen und Verbraucher ihren Energieverbrauch reduzieren können. Sie ist am Montag zu Gast bei "Fakt ist!".

Tanja Loitz posiert für ein Foto.
Tanja Loitz, Geschäftsführerin von co2online, einer Beratungsgesellschaft für Klimaschutz. Bildrechte: www.co2online.de / Marc Beckmann

Frau Loitz, die Energiepreise gehen derzeit durch die Decke. Allerdings kann nicht jeder seine Wohnung oder sein Haus für viel Geld energetisch umbauen. Gibt es auch einfache Möglichkeiten, um Geld zu sparen?

Grundsätzlich lässt sich schon mit wenig Geld etwas machen. Kaum jemand weiß beispielsweise, dass 80 Prozent der Heizanlagen in Deutschland nicht optimal eingestellt sind, weil die Heizpumpe nicht richtig läuft oder der hydraulische Abgleich fehlt. In solchen Fällen ist es wichtig, dass die Heizung bedarfsgerecht eingestellt wird. Weitere Maßnahmen betreffen die Dämmung von Heizungsrohren oder die Dämmung der Kellerdecke oder der obersten Geschossdecke unter dem Dachboden. Das sind kleinere Stellschrauben, die aber viel bringen und auch von staatlicher Seite gefördert werden.

Was kann ich als Mieter in meiner Wohnung tun?

Ein großes Thema ist das Lüften. Manche sind es gewohnt, eine Stunde lang die Fenster auf Kipp zu öffnen. Dabei entweicht aber jede Menge Heizenergie. Besser ist es daher, im Winter fünf Minuten intensiv zu lüften - das sogenannte Stoßlüften. Bei einer 70-Quadratmeter-Wohnung mit Gasheizung in einem Mehrfamilienhaus kann das im Jahr bis zu 80 Euro Ersparnis bringen.

Völlig unterschätzt wird auch das Abdichten von Ritzen unter der Wohnungstür oder an Fenstern. Damit lassen sich immerhin jährlich 35 Euro sparen. Ein erhebliches Potenzial, um Heizenergie bei der Warmwasseraufbereitung zu sparen, bietet außerdem ein Sparduschkopf. Bis zu 250 Euro im Jahr können Haushalte dadurch sparen. Um die eigenen Spar-Potenziale genau zu ermitteln, empfehle ich immer, den HeizCheck von co2online zu machen.

Sollte man sich generell eher auf die Strom- oder die Heizkosten konzentrieren? Was bringt mehr?

Beides ist wichtig. Das kann man nicht pauschal sagen. Richtig ist, dass es ähnlich wie bei der bereits erwähnten Heizenergie auch beim Strom ein enormes Einsparpotenzial gibt. Stichwort: Elektrogroßgeräte. Kühlschränke laufen beispielsweise rund um die Uhr. Ein altes Gerät kann schnell dreimal so viel Strom verbrauchen wie ein neues. Die aktuell steigenden Preise pro Kilowattstunde sind dabei nur eine Seite der Medaille. Zu berücksichtigen ist ebenfalls, dass der CO2-Preis bis 2025 Stück für Stück weiter steigt und wir zum Erreichen der Klimaschutz-Ziele von unserem CO2-Verbrauch runter kommen müssen. Von daher lohnt es sich in jedem Fall, den Stromverbrauch zu optimieren.

Eine grünliche Infografik mit einem Tortendiagramm.
Die Heimelektronik sowie die Waschmaschine verbrauchen in den meisten Haushalten den Großteil des Stroms. Bildrechte: co2online.de

Bringt es auch etwas, den Strom- und Gasanbieter zu wechseln? 

Es lohnt sich sicherlich nicht, ständig hin- und her zu wechseln. Ich würde die Preise aber im Blick behalten. Sollte mein Anbieter vom Durchschnittspreis zu stark abweichen, würde ich zunächst das Gespräch suchen und schauen, ob es einen attraktiveren Tarif gibt. Unsere Erfahrungen zeigen, dass sich durch einen Tarifwechsel 50 bis 200 Euro im Jahr sparen lassen. Wenn das Gespräch mit dem Anbieter zu keinem Ergebnis führt, kann es auch sinnvoll sein, zu einem anderen Unternehmen zu wechseln.  

Während Mieter beim Strom in der Regel selbst entscheiden können, welchen Versorger sie wählen, ist das bei den Heizkosten oft anders. Haben Mieter bestimmte Druckmittel, um ihren Vermieter dazu zu bewegen, sich für einen günstigeren Anbieter zu entscheiden?

Zwingen können sie ihn nicht. Ich würde aber sowohl bei diesem Thema als auch bei anderen Themen im Zusammenhang mit der energetischen Sanierung nicht empfehlen, zum Vermieter zu gehen und zu sagen: Sie müssen. Günstiger ist es, ein konstruktives Gespräch zu suchen und die Vorteile für beide Seiten herauszuarbeiten. Im HeizCheck von co2online finden Mieter hierfür zum Beispiel ein neutrales Anschreiben für den Vermieter, das auf die Einspar- und Fördermöglichkeiten hinweist. Damit haben wir in der Vergangenheit sehr gute Erfahrungen gemacht.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Fakt ist! | 11. Oktober 2021 | 22:10 Uhr

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