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Balkonkraftwerke bis 600 Watt können selber aufgebaut werden, darüber hinaus muss ein Fachmann hinzugezogen werden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Selber Energie erzeugenWas spart man mit einem Balkonkraftwerk?

von Juliane Zeisler und Carmen Brehme, MDR Wirtschaftsredaktion

Stand: 08. Dezember 2022, 11:26 Uhr

Bei den teuren Strompreisen suchen viele nach Möglichkeiten, die Kosten zu senken. Mit einem Balkonkraftwerk kann Energie in Eigenregie erzeugt werden. Doch wie viel? Wann sind die Kosten für das Gerät wieder drin?

Neu: Staat unterstützt Anschaffung von Mini-Solaranlagen

Mini-Solaranlagen sind wegen der aktuell teuren Energiepreise gefragt wie nie. Die Bundesregierung hat darauf reagiert und unterstützt die Anschaffung finanziell, indem die Mehrwertsteuer auf derartige Geräte für den Privatgebrauch erlassen wird. Das wurde mit dem Jahressteuergesetz 2022 beschlossen und soll 2023 gelten. Wer bis dahin wartet, kann dadurch beim Kauf viele Euro sparen.

Geld sparen bei den Stromkosten durch Solarenergie

Ein Balkonkraftwerk wird nach der Montage einfach per Steckdose mit dem Stromnetz verbunden, daher wird hier auch von Stecker-Solargeräten gesprochen. Modelle bis zu 600 Watt können selber in Betrieb genommen werden, darüber hinaus muss ein Fachmann ran, um weitere Installationen vorzunehmen. Trifft Sonne auf die Anlage, wird Energie erzeugt, die direkt ins Hausnetz fließt. Möglich wird dies durch einen zwischengeschalteten Wechselrichter, der den erzeugten Gleichstrom in den im Haushalt anliegenden Wechselstrom umwandelt.

Die angeschlossenen Geräte ziehen zuerst den vom Balkonkraftwerk erzeugten Strom, dadurch wird weniger vom "herkömmlichen" Strom des Energieversorgers aus der Leitung verbraucht. Erzeugt die Mini-Solaranage durch viel Sonne viel Strom, kann der Stromzähler auch mal ganz stehen bleiben – ist die Ausbeute geringer, dreht er sich langsamer. Was zuviel produziert wird, fließt ins Stromnetz ab. Mit Batterien könnte dies zwar gespeichert werden, aber dafür fallen wieder Kosten an.

Größe, Preis, Standort, Vermieter fragen

Balkonkraftwerke bestehen aus Solarmodulen mit einer Höhe von einem Meter und einer Länge von 1,70 Meter. Die Dicke beträgt rund drei Zentimeter. Die Geräte gibt es bestehend aus einem Modul oder zwei Modulen, der Wechselrichter sorgt dafür, dass auch nicht mehr als die erlaubten 600 Watt eingespeist werden können, auch wenn etwa zwei Panele mit je 340 Watt Nennleistung kombiniert werden. Die Preise für Stecker-Solaranlagen sind seit Beginn des Krieges in der Ukraine stark gestiegen. Günstige 300-Watt-Anlagen kosten um die 650 Euro, für 600 Watt muss man 1.000 Euro oder mehr zahlen.

Ein Balkonkraftwerk macht nur dann Sinn, wenn auch genügend Sonne da ist. Ein Südbalkon ist ideal, bei einer Ost- und Westausrichtung lohnt sich die Anschaffung auch, beim Nordbalkon nicht. Bevor aber mit der Montage losgelegt wird, muss der Vermieter einverstanden sein. Gehört die Wohnung einer Eigentumsgemeinschaft, muss diese mehrheitlich zustimmen. Sonst bleibt auch immer die Möglichkeit, die Mini-Solaranlage auf dem Balkon aufzustellen. In jedem Fall sollten Größe und Beschaffenheit von Balkon und Anlage vorab geprüft werden.

TippAm effizientesten ist es, wenn die Energie verbraucht wird, wenn sie erzeugt wird. Hierfür können Geräte wie Geschirrspüler oder Waschmaschine auch per Zeitsteuerung an das Stromnetz zugeschalten werden.

Reicht die normale Steckdose?

Die meisten Mini-Solaranlagen bis 600 Watt sind über handelsübliche Schutzkontaktsteckdosen (Schuko-Steckdosen) angebunden, rund 20 Prozent über eine sogenannte Wieland-Steckdose, welche über eine Isolierung aus robustem Plastik verfügt. Wichtig ist auf jeden Fall: Die Anlage (ein Wechselrichter) nie an eine Mehrfach-Verteilersteckdose anschließen, damit es nicht zu einer Überhitzung und im schlimmsten Fall zu einem Brand kommt.

"Eine Produktnorm, nach der die Geräte geprüft und zertifiziert werden können, wird derzeit  entwickelt. Daran sind auch der DIN-Verbraucherrat und die Verbraucherzentrale beteiligt", erklärt der Bundesverband der Verbraucherzentralen auf seiner Homepage. Man könne sich beim Kauf aber bereits orientieren an dem von der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS) veröffentlichten Sicherheitsstandard DGS 0001.

Was kann nun gespart werden? – Eine Beispielrechnung

600-Watt-Anlagen sollen nach Angaben der meisten Anbieter 650 kWh Strom pro Jahr erzeugen können. Derzeit sind die Geräte ab circa 1.000 Euro zu haben. Legt man einen Strompreis von 40 Cent zugrunde, spart man mit dem Beispielgerät ca. 260 Euro pro Jahr an Stromkosten. Dann würden sich die Anschaffungskosten im Idealfall, wie bei viel Sonnenschein und einer maximalen Nutzung des durch das Balkonkraftwerk gewonnenen Stroms, nach vier Jahren rechnen.

Steigt der Strompreis zukünftig weiter an, rechnet sich das Balkonkraftwerk schneller, wenn die Preise für die Geräte nicht in größerem Maße ansteigen. Nach Anbieterangaben haben Balkonkraftwerke eine Laufzeit von bis zu 25 Jahren. Wechselrichter haben eine Lebensdauer von zehn bis 15 Jahren und müssen so gegebenenfalls ausgetauscht werden. Wer eine Balkonsteckdose installieren lassen muss, muss diese Kosten bei der Kalkulation auch noch mit einplanen.

TippRegelmäßig reinigen und darauf achten, dass möglichst nicht unnötig Schatten auf die Anlage fällt.

Fördergelder checken

Wer sich ein Balkonkraftwerk zulegen will, sollte sich Fördergelder von Kommunen, Bundesländern und Regionalverbänden nicht entgehen lassen. Förderungen gibt es zum Beispiel in Aachen, Bonn, Stuttgart und Jena. Die Stadt Jena übernimmt bis 25 Prozent der Kosten, maximal 200 Euro. Eine bundesweite Förderung gibt es derzeit nicht.

Anmeldung des Gerätes erforderlich

Der Betrieb eines Balkonkraftwerkes muss beim Netzbetreiber und bei der Bundesnetzagentur im Marktstammdatenregister gemeldet werden. Das ist aber reine Formsache, denn eine Genehmigung braucht man nicht. Unterlagen dazu gibt es meist vom Hersteller zur Anlage dazu. Mit dem Netzbetreiber muss geklärt werden, ob ein für das Balkonkraftwerk nötiger Stromzähler mit Rücklaufsperre vorhanden oder der alte umgetauscht werden muss. Hierfür darf der Netzbetreiber laut Bundesverband der Verbraucherzentralen keine Gebühren verlangen, aber die jährlichen Messkosten (Höchstwert 20 Euro) erhöhen.

Hinweis der Redaktion: Die Beispielrechnung wurde angepasst. Zuvor wurde ein exemplarischer Strompreis von 30 Cent zugrunde gelegt, anstatt wie hier 40 Cent.

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MDR Wirtschaftsredaktion

Dieses Thema im Programm:MDR FERNSEHEN | Umschau | 06. Dezember 2022 | 20:15 Uhr