Sparen und Vorsorgen Finanzplan für Familien

Hermann-Josef Tenhagen von Finanztip
Hermann-Josef Tenhagen von Finanztip Bildrechte: Finanztip

Wie kann man Kindergeld sinnvoll anlegen? Wer zahlt was? Und welche Versicherungen sind überflüssig? Sobald man zu einer Familie wird, stellen sich zahlreiche Geldfragen. Und mit der Corona-Krise kommen nochmal Belastungen obendrauf. Finanzexperte Hermann-Josef Tenhagen gibt Tipps für einen guten Finanzplan für Familien.

Miet und Nebenkosten teilen, die günstigeren Großpackungen im Supermarkt kaufen – wenn man eine feste Partnerschaft eingeht, sein Leben mit einer Person teilt, spart das auch bares Geld. Gerade Verheiratete profitieren, denn der Staat gewährt bestimmte Vorteile nur Eheleuten.

Finanzielle Vorteile für Eheleute

Steuervorteile: Ehepaare oder eingetragene Lebenspartnerschaften können über das sogenannte Ehegattensplitting bei unterschiedlichen Einkommen durch eine gemeinsame Steuererklärung mehr netto vom brutto herausbekommen.

Ein Brautpaar macht Seifenblasen
Eheleute können viel Geld sparen. Bildrechte: imago/imagebroker

Vermögensverteilung: Die Ehe sieht eine automatische Zugewinnteilung vor. Sollte sich also ein Paar später trennen, wird all das, was an Vermögen während der Partnerschaft angewachsen ist, durch zwei geteilt. Vom Wertgewinn des Hauses über die proppevolle Bibliothek bis hin zu den gesammelten Rentenpunkten.

Erbe: Später im Leben, wenn ein Ehepartner verstirbt, kann die andere Person alles erben, im Wesentlichen ohne Steuern zu zahlen. Unverheiratet ist schnell eine größere Summe fürs Finanzamt fällig.

Auch ohne Trauschein gibt es diverse Tipps und Tricks, die Finanzexperte Hermann-Josef Tenhagen zusammengetragen hat.

Unser teuerstes Gut: Die Kinder

Doch teuer wird es, sobald aus einem Paar eine Familie wird. Statistische Auswertungen sagen, dass ein Kind eine sechsstellige Summe kostet, bis es erwachsen ist und sich finanziell selbst versorgen kann. Das Statistische Bundesamt spricht von über 130.000 Euro pro Kopf bis ein Kind volljährig ist.

Viele Kosten sind offensichtlich: die nötige größere Wohnung, mehr Essen, Kleidung, Schulmaterialien. Außerdem sind zum Beispiel Reisen in den Schulferien immer deutlich teurer, die Fluglinien und Reiseveranstalter bedienen sich da bei Familien. Da hilft nur, Spartricks zu beachten – ob beim Reiseproviant, dem Check-In oder dem Mietwagen.

Unterstützung in der Pandemie

In der Corona-Pandemie kommen noch andere Kosten hinzu: So fällt häufig das günstigere Schulessen aus, für Unterricht zu Hause und paralleles Homoeffice reicht der bestehende Internetanschluss nicht mehr, die Nebenkosten steigen und kleinere Kinder brauchen oft Betreuung, für die ein Familienmitglied beruflich zurückstecken muss. Die Bundesregierung hat deshalb verschiedene Unterstützungsmöglichkeiten für Familien eingeführt, zum Beispiel:

 Kinderzuschlag
Familien mit kleinen Einkommen können einen monatlichen Kinderzuschlag von bis zu 205 Euro pro Kind erhalten.

• Kinderbonus
Für jedes Kind, das im Jahr 2021 einen Anspruch auf Kindergeld hat, gibt es einen einmaligen Kinderbonus von 150 Euro. Er soll im Mai zusammen mit dem Kindergeld ausgezahlt werden.

• Kinderkrankengeld bei Betreuung zu Hause
Im Jahr 2021 stehen jedem Elternteil 20 statt wie bisher 10 Kinderkrankentage pro Kind zur Verfügung. Wenn Sie alleinerziehend sind, stehen Ihnen 40 statt 20 Tage zur Verfügung. Als Lohnausgleich können Sie Kinderkrankengeld bei Ihrer Krankenkasse beantragen. Die Höhe des Kinderkrankengeldes beträgt normalerweise 90 Prozent des ausgefallenen Nettoarbeitsentgelts.

Diese und weitere Hilfsangebote und deren Voraussetzungen finden Sie auf den Seiten des Bundesfamilienministeriums erklärt. Die Wahrheit ist aber auch: Viele Familien klagen, das reiche nicht. Wie kann man in dieser Situation noch sparen?

Nebenkosten im Blick

Wenn die ganze Familie ständig zu Hause ist, und das auch noch im Winter, steigen die Kosten für Strom und Heizung. Das lässt sich nicht vermeiden, aber prüfen Sie ruhig nochmal nach, ob es keinen Stromanbieter mit besseren Konditionen für sie gibt. Und schauen Sie genau auf Ihre Nebenkostenabrechnung. Oft genug verstecken sich in der nämlich Fehler, die Geld kosten.

Sparen im Homeoffice

Wenn das Kind für die Schulaufgaben einen neuen Schreibtisch braucht, werden Sie das schwerlich von irgendwem bezahlt bekommen. Wenn das Kind aber jetzt am Küchentisch die Schulaufgaben macht und Sie deshalb einen neuen Schreibtisch für sich im Homeoffice anschaffen müssen, bedenken Sie: Einen Anspruch auf Übernahme solcher Kosten gibt es zwar nicht, aber sie können mit Ihrem Arbeitgeber über Unterstüzung verhandeln und auch diverse steuerliche Möglichkeiten nutzen.

Am schnellen Internet werden Sie vermutlich nicht direkt sparen können. Eher müssen Sie sogar investieren, wenn der Anschluss bisher nicht für paralleles Homeschooling und Homeoffice reicht, zum Beispiel. Wenn Sie sich für das Glasfaserkabel entscheiden können, tun Sie's. Denn wer nachrüstet, kann immerhin viele Kosten von der Steuer absetzen.

Versicherungen: Von notwendig bis überflüssig

Familien wollen zudem abgesichert sein. Das gilt auch ohne Pandemie. Die Crux: Familienversicherungen sind teurer, wenn auch nicht pro Kopf. Und privat Krankenversicherte müssen extra Verträge für ihre Kinder abschließen. Hinzu kommt der Schutz für die Angehörigen. Wenn Sie für niemanden Verantwortung übernehmen, müssen sie auch niemanden absichern. Aber sobald ein Partner oder Kinder da sind, sollten Sie die Fragen der Absicherung ernst nehmen.

Themenbild - Plastikfiguren zeigen eine junge Familie mit Kinderwagen auf Euro Banknoten stehend.
Versicherungen sind ein echter Kostenfaktor. Bildrechte: imago/Eibner

Wirklich sinnvoll: Eine Risikolebensversicherung für den Fall, dass Ihnen etwas zustößt. Doch die kostet schnell 300 bis 500 Euro im Jahr. Und eine Berufsunfähigkeitsversicherung, damit die Familie die Rechnungen bezahlen kann, auch wenn Sie gesundheitlich schwer beeinträchtigt sind und im angestammten Job nicht mehr arbeiten können. Die ist allerdings kaum unter 100 Euro im Monat zu haben.

Tipp: Unfallversicherung meist unnötig Häufig haben Familien Unfallversicherungen für die Mitglieder abgeschlossen. Dabei liegt die Wahrscheinlichkeit, durch einen Unfall einen bleibenden schweren Schaden zu erleiden bei nicht einmal einem Zehntel der Wahrscheinlichkeit, dass das durch Krankheit passiert. Auch für Kinder ist deshalb eine entsprechende Kinderinvaliditätsversicherung die sicherere Wahl als die Unfallversicherung.

Vorsorgen mit ETF-Sparplan

Ein Großmutter hält ihren Enkel auf dem Arm
Wenn die Großeltern finanziell unterstützen wollen, bieten sich ETF-Sparpläne an. Bildrechte: IMAGO

Wenn die Absicherung für den Alltag mal da ist, können Familien auch über die Zukunft nachdenken. Ein Sparvertrag für die Kleinen, damit Sie ein schöne Summe zur Verfügung haben, wenn Sie groß sind und zum Beispiel eine teure Ausbildung vorhaben oder ins Ausland wollen. Am besten eigenen sich heute ETF-Sparpläne. Und selbst, wenn es für sie erstmal nicht so klingt, in die kann auch Oma einzahlen.

Quelle: MDR um 4

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 06. April 2021 | 17:00 Uhr

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