Finanzen im Alter Steuertricks für Rentnerinnen und Rentner

Hermann-Josef Tenhagen von Finanztip
Hermann-Josef Tenhagen von Finanztip Bildrechte: Finanztip

Auch Rentnerinnen und Rentner können steuerpflichtig werden. Wie Sie auch in der Rente Steuern sparen können, wo die Freigrenzen liegen, worauf Sie bei der Steuererklärung achten sollten und welche Fristen gelten, erklärt Finanzexperte Hermann-Josef Tenhagen bei MDR um 4.

Symbolbild Erben
Auch viele Rentnerinnen und Rentner müssen ihre Altersbezüge versteuern. Finanzexperte weiß, worauf es zu achten gilt. Bildrechte: imago/blickwinkel

Wie Millionen Rentnerinnen und Rentner Steuern mindern können

6,1 Prozent mehr gibt es ab 1. Juli 2022 für Rentnerinnen und Rentner in Ostdeutschland. Bei so einem Tarifabschluss hätte sich die IG Metall nach den Verhandlungen auf die Schulter geklopft. Dabei wird die Rentenerhöhung gar nicht verhandelt. Renten steigen stattdessen halbwegs parallel mit den Löhnen – je nachdem, welche Verhandlungsergebnisse im Lohnsektor erzielt werden. Im Jahr 2021 hat es eine Delle bei den Rentenerhöhungen gegeben.

Der Grund: Die Löhne sind im Corona-Jahr 2020 nicht gestiegen, der Durchschnittslohn ist 2021 dafür aber umso kräftiger geklettert. Denn 2021 sind deutlich mehr gut bezahlte Jobs dazu gekommen, die den Durchschnitt nach oben gezogen haben. Dadurch steigen auch die Renten im Jahr 2022 umso mehr. Übrigens können sich die Rentnerinnen und Rentner auch im Westen freuen, dort steigen die Renten im Juli um 5,35 Prozent.

So funktioniert die Rentenbesteuerung

Einen Wermutstropfen werden aber viele Rentnerinnen und Rentner bemerken. Wenn die Rente steigt, kann es passieren, dass man als Rentnerin im Ruhestand plötzlich wieder steuerpflichtig wird.

Im Kern funktioniert das so: Wer in Rente geht, bekommt einen Teil seiner Rente so ausgezahlt, dass man für diese Rente nie Steuern wird zahlen müssen. Dafür hat man schon im Erwerbsleben Steuern gezahlt. Der Rest aber wird für eine mögliche Steuerpflicht angerechnet. Während jener steuerfreie Teil ein für alle Mal festgeschrieben ist, wächst der Rentenanteil, der für die Steuer angerechnet wird, mit jeder Rentenerhöhung.

Wer bis 2005 in Rente gegangen ist, bekommt die Hälfte steuerfrei ausgezahlt. Seither schmilzt der steuerfreie Anteil. Neurentner 2022 bekommen noch 18 Prozent ihrer ersten Rente steuerfrei ausgezahlt.

Was bedeutet das für die Zahlungen? Ein Beispiel: Wer überdurchschnittlich verdient hat und 2005 in den Ruhestand gegangen ist, hat damals als Rentnerin in Chemnitz mit 50 erworbenen Rentenpunkten eine Rente von rund 1150 Euro erhalten. Die Hälfte davon war steuerfrei, also 575 Euro. Ende 2022 werden dieser Rentnerin in Chemnitz 1.776 Euro gezahlt, 575 Euro bleiben weiter steuerfrei. Aber 1.200 Euro werden vom Finanzamt angerechnet und das Finanzamt prüft, ob jetzt Steuern fällig werden. Allein im Jahr 2022 steigt die Rente dieser Ruheständlerin brutto um 100 Euro an.

Finanztip hat im vergangenen Jahr eine Tabelle zusammengestellt, aus der können Sie erkennen können, dass Ruheständler in Mitteldeutschland, die weniger als 1200 Euro bekommen, ziemlich sicher keine Steuererklärung abgeben müssen. Rentnerinnen und Rentner, die schon vor 2005 im Ruhestand waren, können sogar mehr als 1.500 Euro Rente im Monat kassieren, ohne sich ums Finanzamt Sorgen machen zu müssen.

Insgesamt müssen nur rund ein Drittel der Rentnerinnen und Pensionäre Steuern zahlen, zumeist weil sie neben ihrer gesetzlichen Rente noch weitere Einkünfte beziehen (Betriebsrenten, Riester-Renten, Vermietungseinnahmen o.Ä.) oder als Witwe oder Witwer über zwei Renten verfügen.

Wer muss ab diesem Jahr eine Steuererklärung abgeben?

Wer nach der Rentenerhöhung in diesem Jahr über die Grenze rutscht, muss sich finanziell deswegen immer noch nicht allzu viele Sorgen machen. Denn wahrscheinlich können solche Ruheständler mit ein paar Angaben in der Steuererklärung eine Steuerpflicht vorläufig weiter abwenden. Dennoch müssen diese Ruheständler dann eine Steuererklärung abgeben.

Ein Zettel mit der Aufschrift 'Hilfe' wird hinter Aktenordnern gehalten
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In einigen Bundesländern wird diese Steuererklärung für Rentnerinnen und Rentner erleichtert. Wer nur eine gesetzliche Rente bezieht, braucht nur ein Formblatt auszufüllen: die sogenannte vereinfachte Steuererklärung. Dieses Angebot gibt es in Brandenburg, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen.

Gefragt wird hier nur nach Handwerkerkosten und haushaltsnahen Dienstleistungen, nach außergewöhnlichen Belastungen, zum Beispiel durch Krankheitskosten, nach der Kirchensteuer, nach Spenden und Mitgliedsbeiträgen und nach Beiträgen für Versicherungen. Mit solchen Zahlungen können viele Ruheständler das zu versteuernde Einkommen mindern und müssen in der Folge keine Steuern auf die Rente bezahlen. Die Rentendaten selbst hat das Finanzamt ohnehin schon von der Rentenversicherung bekommen.

Ein Blick in die Zukunft

Die erste Gruppe, die auch weiterhin keine Steuererklärung abgeben muss: Am besten lässt man sich das für die kommenden Jahre vom Finanzamt bestätigen. Das Finanzamt erteilt dann eine sogenannte Nichtveranlagungsbescheinigung.

Die zweite Gruppe, die womöglich erstmals eine Steuererklärung abgeben muss: Keine Sorge, das ist kein Hexenwerk. Mit einer passenden Steuer-Software können Sie das leicht selbst am Computer machen. Oder Sie lassen sich von Ihren Kinder oder Enkeln helfen. Gefragt sind auch hier meist die Kosten, die in der oben beschriebenen "vereinfachten Steuererklärung" schon auftauchen. Aber auch alle Kosten, die Ruheständlerinnen und Ruheständler bei der Steuer geltend machen können.

Reporter interviewt Mann 34 min
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Und dritte Gruppe ist diejenige, die vielleicht schon länger mal eine Steuererklärung hätte abgeben müssen. Sie gehören dazu? Dann kümmern Sie sich, bitte! Und seien sie sorgfältig! Die Finanzämter sind meist nachsichtig mit der Verspätung, aber unnachsichtig, wenn man zu schummeln versucht. Und mit jedem Jahr Abwarten wird die Steuerschuld größer. Für Rentnerinnen und Rentner gibt es zwar eine sogenannte Verschonungsregelung. Gehen die Seniorinnen und Senioren fälschlicherweise davon aus, dass sie (noch) nicht abgabepflichtig sind, müssen sie nicht so schnell Verspätungszuschläge zusätzlich zur Steuer bezahlen. Die Steuer selbst wird aber in jedem Fall fällig.

Und für jedes einzelne Jahr lohnt es sich, die Erklärung abzugeben, wenn Sie als Rentnerin oder Rentner noch Kosten nachweisen können, mit denen Sie ihre zu versteuernde Rente verringern können – egal, ob Handwerkerkosten, Krankheitskosten, Spenden oder andere Posten, die bereits oben beschrieben wurden. Wenn man die richtigen Quittungen aufgehoben hat und die Kostenauszüge dazu, kann das nur von Vorteil sein.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 05. April 2022 | 17:00 Uhr

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