Altersvorsorge Lebensversicherungen im Vergleich: Risiko oder Kapital?

Hermann-Josef Tenhagen von Finanztip
Hermann-Josef Tenhagen von Finanztip Bildrechte: Finanztip

Rund 35 Millionen Deutsche haben als Vorsorge fürs Alter eine Kapitallebensversicherung abgeschlossen, etwa 13 Millionen eine Risikolebensversicherung. Doch so mancher reibt sich zurzeit die Augen: Denn so viel, wie mal versprochen, bekommen viele nicht heraus. Finanz-Profi Hermann-Josef Tenhagen erklärt die Unterschiede und worauf Sie achten müssen, wenn sie eine Lebensversicherung abschließen.

Modellfiguren, die eine junge Familie darstellen auf einem Münzenstapel vor Geldscheinen.
Eignet sich eine Lebensversicherung noch als Altersvorsorge? Finanzexperte Hermann-Josef Tenhagen erklärt, worauf Sie achten sollten. Bildrechte: imago/Eibner

Kundinnen und Kunden haben hierzulande im Laufe der Jahrzehnte mehr als 100 Millionen Lebensversicherungen abgeschlossen. Vor allem, um Angehörige abzusichern und um Geld fürs Alter zu sparen. Doch bevor sie einen solchen Vertrag abschließen, wissen Sie oft nicht, welche unterschiedlichen Varianten es gibt. Finanzexperte Hermann-Josef Tenhagen sagt: Versicherungen sollen absichern, Geld sparen mit Versicherungen ist momentan unrentabel.

Diese Lebensversicherungen gibt es:

  • Die Risikolebensversicherung

Risikolebensversicherung: Diese Möglichkeiten gibt es für Paare.
Wer in einer Partnerschaft lebt, hat folgende Varianten zur Auswahl. Bildrechte: Finanztip

Kunden bezahlen einen regelmäßigen Beitrag zur Absicherung ihrer Angehörigen oder Geschäftspartner. Wenn sie sterben sollten, bekommen diese eine große Summe ausgezahlt. Stirbt der Versicherungsnehmer nicht im Vertragszeitraum, ist das Geld weg. Der Versicherungsverkäufer hat seine Verkaufsprovision und seine Verwaltungskosten plus einem Gewinn bezahlt bekommen.

  • Die Kapitallebensversicherung


Kunden bezahlen einen Beitrag und wenn sie sterben sollten, bekommen Angehörige oder Kompagnon eine große Summe ausgezahlt. Der monatliche oder jährlich zu zahlende Beitrag ist aber viel höher als bei der Risikolebensversicherung. Dafür ist nach Ablauf des Vertrages nicht das ganze Geld weg. Vielmehr hat der Versicherer einen Teil des Geldes angelegt und durch die Rendite bekommen Kunden am Ende mehr oder weniger viel Geld zurück und für sie gilt der Risikoschutz einer Lebensversicherung. Früher gab es mehr Geld, weil die Zinsen höher waren, heute eher weniger.

Der Versicherer hat in jedem Fall seine Verkaufsprovision und seine Verwaltungskosten plus einem Gewinn bezahlt bekommen. Deshalb lohnt sich diese Versicherung heute kaum mehr.

Die Rentenversicherung

Kunden bezahlen einen monatlichen oder jährlichen Beitrag für ihren Ruhestand. Wenn Sie in Rente gehen, bekommen Sie dieses Geld und die vom Versicherer erwirtschaftete Rendite ausbezahlt. Und zwar entweder in einer Summe oder als monatliche Rente. Der Versicherer legt aber nicht alles Geld an, sondern zieht, wie bei den Lebensversicherungen, seine Verkaufsprovision und seine Verwaltungskosten plus einen Gewinn ab. Wenn Sie sich das Geld in einer Summe auszahlen lassen, sehen Sie mit 65, wie gut der Versicherer gewirtschaftet hat, müssen aber jetzt selbst überlegen, was Sie mit der angesparten Summe machen. Wenn Sie sich das Geld als Rente auszahlen lassen, bekommen Sie ihr Erspartes nur scheibchenweise wieder. Sie bekommen wenig wieder, wenn Sie früh sterben. Und eine besonders hohe Rendite, wenn Sie sehr alt werden. Wenn Sie früh sterben, geht ihr übriggebliebenes Geld nämlich in den gemeinsamen Topf der überlebenden Rentner, abzüglich eines Beitrags für die Versicherung. Die verdient immer.

Zwei Spielzeugfiguren und ein Kugelschreiber auf einem Versicherungsschein
Kaum mehr Zinsen, aber weniger Risiko: die Kapitallebensversicherung lohnt sich aus Sicht des Finanzexperten Tenhagen heute nur noch in seltenen Fällen. Bildrechte: imago/Schöning

Diese Varianten gibt es:

Zu diesen drei groben Kategorien gibt es unzählige Varianten: Vertragskonstruktion, Art der Geldanlage durch die Versicherer, Art und Datum der Auszahlung und welche steuerlichen Regeln gelten. Es ist ebenfalls möglich, verschiedene Produkte zu koppeln. Außerdem gibt es neben den steuerlichen Regeln für die Versicherungsklassiker auch geförderte Lebensversicherungsprodukte wie Riester-Rentenversicherung, Rürup-Vertrag oder betriebliche Altersvorsorge. Hier müssen bestimmte Anteile des Lohns oder Gehalt angelegt werden, der Staat zahlt dann eine jährliche Förderung aus.

Vor Vertragsunterzeichnung: gründlich informieren!

Viele dieser Varianten sind kompliziert, ganz oft sind sie nur für bestimmte Kunden geeignet. Einzig das Versicherungsunternehmen und sein Vertrieb, die verdienen immer.

Bevor Sie als Kunde einen solchen Vertrag unterschreiben, informieren Sie sich gründlich. Es geht im Zweifel immer um eine fünfstellige Summe, die Sie gewinnen oder verlieren können, je nachdem, welcher Vertrag für Sie der richtige ist. Die Mitarbeiterin der Versicherung sollte dabei nicht die einzige Informationsquelle sein. Denn sie und der Versicherer verdienen immer dann, wenn sie Ihnen einen Vertrag verkaufen, aber unglücklicherweise nicht, wenn sie Sie als Kundin gut beraten und deshalb keinen Vertrag verkaufen können.

Quelle: MDR um 4

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 01. Juni 2021 | 17:00 Uhr

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